JoWooD Productions hat für 2001 ehrgeizige Ziele. Auf der E3 ist ein 600-Quadratmeter-Stand geplant; über 20 Spiele werden präsentiert. Entertainment Markt sprach mit CEO Andreas Tobler über die im Januar gegründete deutsche Division, über Expansionspläne und Brandingstrategien.

Entertainment Markt: WelcheVorhaben hat JoWooD für 2001?

Andreas Tobler: Wir haben ein eindeutiges Ziel: Wir wollen in diesem Jahr der mit Abstand größte deutschsprachige Publisher werden. Wir sind auf dem besten Weg dorthin, wie auch unser Portfolio zeigt. Insgesamt veröffentlichen wir 20 neue Titel. Etwa zehn für PC, sechs für Game Boy Color, ein bis zwei für GB Advance und zwei bis drei Titel für die PlayStation-Plattformen, einer davon für PS 2. Als Xbox-Entwickler planen wir natürlich auch Veröffentlichungen für diese Plattform. Wir werden in Europa, Japan und den USAvon Beginn an dabei sein.

EM: Welche Rolle spielt bei Ihren Plänen das jüngst eröffnete, deutsche Office?

Tobler: Wir wollen näher am Markt sein. Wir sind der Meinung, dass es die primäre Aufgabe eines Publishers ist, das Marketing vor Ort zu koordinieren und zu gestalten natürlich auch in Absprache mit dem Handel. Eine intensive Kommunikation mit der Presse ist ebenfalls von größter Bedeutung.

EM: Sie nehmen also den Massenmarkt ins Visier?

Tobler: Ja. Die aktuellen Verkaufszahlen zeigen eines immer deutlicher: Wer auf den Hardcore-gamer setzt, erreicht meist nur eine zu kleine Zielgruppe. Wir wollen uns daher so positionieren, dass wir im optimalen Fall sowohl die Hardcore- als auch die Casual-Gamer ansprechen. Das ist nicht einfach, doch denken wir, dass Titel wie "IndustrieGigant 2", "Die Völker 2" oder "Clou 2"das Potenzial haben, die breitere Masse anzusprechen.

EM: Noch mal zum deutschen Büro. Werden auch die Entwicklerstudios integriert?

Tobler: Nein, die Entwickler werden eigenständig bleiben und werden auch nicht mit JoWooD Deutschland in ein großes Büro zusammengelegt. Zu unserer Philosophie gehört es, den Entwicklern den Freiraum zu geben, den sie benötigen, um erstklassige Produkte abzuliefern. Ein kreatives Umfeld ist hierbei sehr wichtig.

EM: Wenn die Entwickler eigenständig bleiben, wer steht bei der Vermarktung im Vordergrund, JoWooD oder die Entwickler?

Tobler: Wir vermarkten in erster Linie die Dachmarke JoWooD. Natürlich bemühen wir uns, auch unsere Entwickler so bekannt wie möglich zu machen. Das Branding konzentriert sich aber auf die Produkte selbst. Das bedeutet, es wird neben "IndustrieGigant" weitere "Giganten" und neben "FrontierLand" weitere "Land"-Brands geben.

EM: Sie sagten, Sie wollen zum größten deutschsprachigen Publisher werden. Was zeichnet JoWooD gegenüber anderen Firmen aus Deutschland aus?

Tobler: Es ist uns in den vergangenen zwei Jahren gelungen, jedes JoWooD-Produkt - also auch kleinere Projekte - weltweit zu veröffentlichen. Das ist für uns ein wichtiger Faktor. Wir sind so positioniert, dass wir eine umfangreiche internationale Vermarktung sicherstellen können. Unsere Vision ist es, die wirklich guten Kreativkräfte im deutschsprachigen Raum zu bündeln. Wir wollen für die deutschen Entwickler eine Art Sprungbrett in die internationalen Märkte sein.

EM: Wollen Sie den Nachwuchs aktiv mit Mitteln fördern?

Tobler: Das ist durchaus vorstellbar. Zunächst war es für JoWooD aber wichtig, Know-how in allen Bereichen an das Haus zu binden. Neon hat Erfahrung im Konsolensegment, Massive im Bereich Engine-Entwicklung und Wings im Onlinegaming. Die Entwicklung von PC-Spielen ist schon immer das Steckenpferd von JoWooD gewesen. Das ist die Basis, um jetzt verschiedenste Produkte zu entwickeln und Teams weiter auszubauen. Hierbei beobachten wir mit größtem Interesse die derzeitigen Aktivitäten in Deutschland, das Berufsbild "Gamedesigner" zu etablieren.

EM: Sie sagten, die internationale Vermarktung ist bei JoWooD sichergestellt. Sind dennoch Investitionen in diesem Bereich geplant?

Tobler: Ja, wir werden unsere internationalen Aktivitäten sogar massiv weiter ausbauen. Kleine, effiziente Marketingbüros gehören, wie ich eingangs auch für Deutschland sagte, zur Aufgabe eines Publishers. Wir planen, innerhalb der nächsten drei Monate ein Büro in Japan und in Großbritannien zu eröffnen. Etwas später ist auch ein Büro in den USA geplant.

EM: Wie beurteilen Sie den osteuropäischen Markt?

Tobler: Mit der Übernahme der Mehrheit an Dynamic Systems haben wir die ideale Ausgangssituation. Dynamic Systems ist Marktführer in Österreich und arbeitet auch sehr erfolgreich in Tschechien, Ungarn, Slowenien und Kroatien.

EM: Gibt es in diesen Regionen nicht ein unheimlich großes Piraterieproblem?

Tobler: Man kann der Piraterie entgegensteuern, in dem man die Lokalisation selbst in die Hand nimmt und landesspezifische Versionen veröffentlicht. Dynamic Systems hat dabei den Vorteil, dass wir auch multilinguale Versionen vermarkten können.

EM: Das können andere Publisher doch auch?

Tobler: Ja. Doch bei uns werden die Produkte durch eine Organisation betreut. Arbeitet ein Publisher mit von Land zu Land unterschiedlichen Partnern, will jeder eine eigene Version haben. Die Kosten schnellen in die Höhe. Macht dieser Publisher eine multilinguale Version, entsteht ein anderes Problem: Grauimporte. Dynamic Systems hat aber die Hand auf allen Märkten und kann Grauimporte verhindern.

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Written by

Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.