Im Gespräch: Christian Mager, Data Becker
Die Strategie ist klar, das Ziel fest im Blick: Christian Mager, seit 1. September Verlagsleiter Software bei Data Becker, will mit innovativen Titeln und neuen Konzepten das Unternehmen weiter nach vorn bringen. Dabei möchte der Betriebswirtschaftler auch negative Entwicklungen des Markts zum Vorteil des Unternehmens nutzen.
GamesMarkt.de: Was reizt Sie an Ihrer neuen Tätigkeit?
Christian Mager: Data Becker ist Marktführer für Consumer Software in Deutschland, die Marke hat einen enormen Bekanntheitsgrad, das Unternehmen besitzt flankierend die Bereiche Zeitschriften, Bücher und PC-Equipment, das internationale Geschäft etabliert sich, und Software ist nach wie vor eine Wachstumsbranche. Durch die künftige Verschmelzung von TV, Internet, PC und Konsole wird sich die Mediennutzung ändern, und für Data Becker eröffnen sich mit dem eigenen Angebot an innovativ-interaktivem Content ganz neue Vermarktungsdimensionen. Zudem reizt mich der Mittelstand mit seinen flachen Hierarchien und der Dynamik aus kurzen Entscheidungswegen. In großen Unternehmen haben Sie oft höhere Managementebenen wo es an Know-how und Entscheidungsfreudigkeit mangelt, der eigene Positionierungsdrang dafür aber sehr ausgeprägt ist. Diese Reibungsverluste bremsen oft die unternehmerische Energie, und ich sehe meinen Arbeitgeber lieber auf der Überhol-spur.
GM: Nützen Ihnen dabei die Erfahrungen, die Sie beim Axel Springer Verlag und bei Holtzbrinck gesammelt haben?
Mager: Ich habe das Verlags- und Mediengeschäft in allen Facetten kennen gelernt. Insbesondere durch die Erfahrungen aus dem Zusammenspiel von Content und Vermarktung konnte ich eine ausgeprägte Kundenorientierung entwickeln. Zudem habe ich mit der Zeit und wachsender Verantwortung ein Gefühl für die richtigen Ansatzpunkte und Hebel in den Geschäftsprozessen, den effektiven Workflow von der Idee bis in den Handel bekommen. Außerdem habe ich gerade in diesen etwas turbulenteren Zeiten der Medienbranche gelernt, auch bei stürmischer See Kurs zu halten. Das hilft, eine klare, zielorientierte Strategie vorzugeben und sie zu verfolgen.
Auch bei stürmischer See Kurs halten
GM: Wie wollen Sie Data Becker auf dem nationalen und weltweiten Softwaremarkt stärken?
Mager: Mit noch besserer Software. Nur mit innovativen Produkten, einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis und im Gamesbereich mit maximalem Spielspaß kann man nachhaltig punkten. Entweder Sie erleichtern Ihrem Kunden das Leben, oder Sie bereiten ihm oder ihr besonders große Freude. Die Nachfrageseite entwickelt sich dann fast automatisch. Ergo konzentrieren wir uns auf echte Highlights, die dazu in der Kommunikation einen klaren USP haben. Im internationalen Geschäft helfen uns unsere Niederlassungen in den USA, Spanien und Benelux sowie starke Lizenzpartnerschaften. Daraus generieren wir einen permanenten Überblick für das internationale Softwarebusiness und analysieren daraus unsere zukünftige Produktstrategie bis in die regionalen Märkte. Die interne Maxime lautet: Der internationale Softwaremarkt ist die Champions League, aber die Qualifikation dazu findet im nationalen Wettbewerb statt.
GM: Welche Aufgaben wollen Sie zunächst lösen?
Mager: Da gibt es drei zentrale Themen. Wir werden unsere Prozesse künftig noch mehr an Kundenorientierung und Vermarktungsfähigkeit ausrichten. Wir forcieren die Ideenfindung und optimieren die kreative Umsetzung im Produktmanagement. Die dritte Schraube ist die Geschwindigkeit, das heißt, wir justieren permanent die bei der Realisierung tangierten Faktoren und Prozesse.
GM: Welchen Stellenwert werden für Data Becker künftig Games im Vergleich zu anderen Sortimentsbereichen haben?
Mager: Die Zielgruppe der Gamer ist jünger als die traditionelle Data-Becker-Klientel. Im Sinne des Life Long Branding hat die frühe Kundenansprache einen wichtigen strategischen Aspekt für uns. Wir werden auch in diesem Marktsegment beweisen, dass sich Data Becker mit seiner Softwarekompetenz im Wettbewerb ganz vorn behaupten kann. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Data Becker ist die crossmediale Vernetzung der Unternehmensbereiche, und die hängt entscheidend vom Teamfaktor und der mannschaftlichen Geschlossenheit ab.
GM: Mit "America 2" und "Highland Warriors" will sich Data Becker unter den großen Spieleanbietern etablieren - ein realistisches Ziel?
Mager: Ja. Bereits unser erstes Großprojekt "America" hat sich über Monate in den deutschen Top Ten gehalten und war international sehr erfolgreich. "Highland Warriors" und "America 2" werden das Strategiegenre um eine völlig neue Detailtiefe erweitern. Bei einer Grafikqualität, die sonst nur aus Shootern oder Actiontiteln bekannt ist, wird der Kunde viel besser und realistischer in die Stimmung des jeweiligen Settings hineinversetzt. Die Markteinführung wird von einer größeren Marketingkampagne begleitet, die Werbung im TV und Aufsteller für den Handel beinhaltet. Neben "America 2" und "Highland Warriors" werden wir Ende 2003 eine dritte Erfolg versprechende 3D-Echtzeitstrategie rund um Adel, Ritter und Burgen des Mittelalters veröffentlichen. Zusätzlich arbeiten wir an einem Rollenspiel von epischen Ausmaßen und einem Taktik-Shooter. Auch die Verträge für "Highland Warriors 2" sind bereits abgeschlossen. Wir legen dabei größten Wert auf "runde" Spiele, die Spaß bereiten. Hierzu arbeiten bei jedem Titel mehrere Mitarbeiter aus unserem Haus eng mit den jeweiligen Entwicklern zusammen. Anfang Oktober hatten wir vier Profispieler des Pro Gaming Clans eine Woche zu Gast, die "Highland Warriors" nach dem Testing ein Weltklassepotenzial bescheinigen. Neben dem Test unserer Qualitätssicherung planen wir zu allen Spielen solche Testläufe mit Profispielern. Wir konzentrieren uns damit zwar zunächst auf eine kleinere Zahl an Titeln pro Jahr, sind uns aber sicher, dass alle Spiele das Potenzial haben, ganz oben in den Top Ten zu landen.
Weitere Testläufe mit Profispielern geplant
GM: Was erwarten Sie sich dabei von dem Vertriebsvertrag für "Highland Warriors"?
Mager: Ziel ist es, unsere Produkte und damit auch unsere Games weltweit zu vertreiben. Der erste Schritt in diese Richtung erfolgte mit der Gründung unserer Tochterfirmen in den USA, in Spanien und den Niederlanden. Der jetzt unterzeichnete Vertrag mit NovaLogic ist die konsequente Weiterverfolgung unserer internationalen Wachstumsstrategie. Aus der Zusammenarbeit mit NovaLogic folgt, dass "Highland Warriors" in UK über NovaLogic, in französischsprachigen Ländern über UbiSoft, in Benelux (die französische Version) über Infogrames und in Skandinavien über Electronic Arts vertrieben wird (jeweils Cobranding Data Becker/NovaLogic). Weitere Vertriebsverträge über den asiatischen Raum, Polen und Russland sind in Vorbereitung. Das starke Interesse internationaler Publisher an "Highland Warriors" bestätigt unsere hohen Erwartungen an das Spiel. Gleichzeitig bedeutet der globale Vertrieb auch ein hohes Absatzvolumen und ist ein weiterer Anreiz für Spieleentwickler, mit Data Becker zusammenzuarbeiten.
GM: Welche Pläne haben Sie für das Segment Non-Games?
Mager: Diesen Bereich deckt Data Becker mit seiner Sortimentsbreite nahezu komplett ab. Künftig werden wir auch die Sortimentstiefe weiter ausbauen und die Zielgruppen dem Qualifizierungsniveau entsprechend mit mehreren Produkten ansprechen. Wir wollen noch mehr Highflyer entwickeln und uns in höheren Preissegmenten mit unseren Claims festsetzen. Einen Schwerpunkt setzen wir auf die Small-Business-Zielgruppe. Da befindet sich über unsere "to date"-Reihe und die Business Edition einiges in der Release-Pipeline. Auch unser 3D-Produktportfolio wird 2003 weiterwachsen, dort sind wir technologischer Weltmarktführer. Bundling-Angebote mit Software und Papier entwickeln sich erfolgreich und legen 2003 sicher zu. Weiterhin haben wir einen großen Marktanteil im Segment Druckereien, den wir ausbauen werden.
GM: Data Beckers Motto lautet: "Nicht hinterherlaufen, sondern das Tempo bestimmen!" Muss das Unternehmen angesichts der Einbußen im Softwaresegment das Tempo drosseln?
Mager: Im Gegenteil! Gerade die aktuelle Wirtschaftslage bietet für Data Becker große Chancen. Viele Wettbewerber in einzelnen Teilmärkten haben mittlerweile Existenzprobleme. Das macht sich insbesondere in Produktqualität, Innovationskraft und Attraktivität des Portfolios bemerkbar. Produktlebenszyklus und Vermarktungsintervalle werden kürzer, und das Tempo wird für einige Unternehmen zu hoch sein. Data Becker ist seit über 20 Jahren erfolgreich gewachsen und hat mit seinen gesunden Strukturen beste Voraussetzungen. Zudem sind die Gründungseigentümer Dr. Achim und Harald Becker echte PC-Enthusiasten, die wollen jetzt erst recht durchstarten.
GM: Gibt es für Data Becker noch lohnende Lizenzen?
Mager: In erster Linie wollen wir mit einem erfolgreichen Line-up auch den Auslandsumsatz maximieren. Sehr wichtig für weltweites Vermarkten ist ein funktionierendes Geschäftsmodell, das sich auf andere Länder erfolgreich übertragen lässt. Potenzielle Partner haben das Ziel, verlässliche Verbündete mit einem Angebot für eine faire und praxiserprobte Win-Win-Konstellation zu finden. Das kann Data Becker bieten. Die zweite Säule des internationalen Lizenzhandels ist das Scouting und der Einkauf aussichtsreicher Lizenzthemen. Da bedarf es ausgeprägter Bewertungsskills für Marketing, Lokalisierung und Support. Wenn unsere "Trüffelschweine" fündig werden, schlagen wir zu. Einen ausgeprägten Handlungsdrang haben wir im Gegensatz zu einigen Konkurrenten aber nicht, wir produzieren jährlich rund 150 eigene Titel und sind daher gut aufgestellt.
GM: Vor welchen Aufgaben stehen Ihrer Ansicht nach die Software- und Lizenzmärkte?
Mager: Der Softwaremarkt wächst immer noch. Die Wirtschaftsentwicklung unterliegt zyklischen Auf- und Abschwungphasen. Jetzt ist es an der Zeit, sich für die nächste Boomphase strategisch optimal zu positionieren, das heißt: Produktportfolio aufwerten, Fokus auf international vermarktungsfähige Softwareprodukte legen, potente Vermarktungsnetzwerke schmieden und in Schwächephasen Wettbewerber aus dem Markt drängen. Einige Wettbewerber haben mittlerweile eine schwache Eigenkapitalquote. Starke Player werden übrig bleiben und um frei werdende Marktanteile kämpfen. Data Becker ist ganz sicher dabei.