Im Gespräch: Dr. Jens Uwe Intat, EA
Electronic Arts hat erneut ein Rekordquartal verzeichnet. Grund genug für MCVgamesmarkt, Dr. Jens Uwe Intat, Vice President und Managing Director Central European Region Electronic Arts, nach weiteren Wachstumsplänen und Zielen zu befragen. Konsolenpreise, Bundles und die GC standen dabei im Fokus.
EA hat die Zahlen fürs 1. Quartal vorgelegt. Das Umsatzwachstum ist erheblich. 22 Prozent plus gegenüber dem Vorjahr. Fürs 2. Quartal plant Electronic Arts ein ein Plus von 28 bis 35 Prozent; fürs ganze Jahr wird mit zwölf bis 15 Prozent gerechnet. Wie hoch will EA noch hinaus?
Dr. Jens Uwe Intat: Wie heißt es so schön? The sky is the limit. Wir wollen, wie die gesamte Industrie auch, munter weiter wachsen. Wir haben das Ziel, die größte Entertainment Company ever zu werden. Bis dahin haben wir noch einiges zu tun. Wobei the greatest nicht the biggest meint.
Grundsätzlich lassen die EA-Zahlen der letzten fünf Quartale einen Trend erkennen: Immer mehr Umsatz wird außerhalb Nordamerikas generiert. Wird sich dieser Trend weiter fortsetzen?
Dr. Intat: Grundsätzlich versuchen wir in Europa, mit den USA gleichzuziehen, wobei wir das nicht so kurzfristig sehen, wie Ihre Frage impliziert. Ein deutliches Überholen wird sicher noch eine Weile dauern, ist aber grundsätzlich das Ziel. Dabei sollten wir aber stets die Tatsache reflektieren, dass in Europa rund 390 Millionen Menschen leben, während es in den USA 260 Millionen sind. Die Hardwarepenetration in Europa ist zwar nicht so hoch wie in den USA, mittelfristig sollten wir aber damit gleichziehen.
Auch in Deutschland hat EA, wie Geschäftsführer Jörg Trouvain MCVgamesmarkt sagte, seine ehrgeizigen Ziele noch übertreffen können. Der Marktanteil konnte weiter ausgebaut werden, im 1. Quartal lag er bei 27 Prozent für PS2-Spiele und bei 26 Prozent für PC-Games. Wie haben denn die Länder abgeschnitten, die Sie verantworten?
Dr. Intat: Da sieht es ganz ähnlich aus. Europa insgesamt ist gegenüber dem Vorjahr dramatisch gewachsen, was nicht zuletzt auf die beiden Titel "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" und "UEFA Euro 2004" zurückzuführen ist.
Vor gut einem Jahr hatten Sie im MCVgamesmarkt-Interview gesagt, dass der hohe Preis der Konsolen ein Hemmnis für die notwendige Markterweiterung sei. Inzwischen wurde beim GameCube eine deutliche Preissenkung vorgenommen. Der Abverkauf zog in den ersten Wochen deutlich an, fiel dann aber auf das Niveau vor der Preissenkung zurück. Ist der Preis also doch nicht der Ausschlag gebende Faktor?
Dr. Intat: Das würde ich so nicht unterstreichen. Offensichtlich hat aber die PlayStation 2 für die meisten Konsumenten eine größere Attraktivität. So zeigte etwa die aktuelle KidsVerbraucherAnalyse, dass der Wert bei Besitz und Wunsch von Konsolen bei der PS2 deutlich über dem der anderen beiden Konsolen lag. Deshalb wird es auch meines Erachtens richtig krachen, wenn die PS2 den Preis senkt. Die Verbraucher wollen eben die Konsole mit dem besten Line-up.
Macht insbesondere das Line-up den Erfolg der Konsole aus? Oder macht Sony einfach das bessere Marketing?
Dr. Intat: Vom Brand über die Positionierung bis hin zur Kommunikation ist die PS2 the most entertaining Konsole. Der GameCube ist eher als ein Spielzeug positioniert, zwar nicht nur für kleine Kinder. Aber der GameCube kommt von einem Nintendo-Brand, die von dem Game Boy sehr stark dominiert wird. Microsoft dagegen kommt aus dem Professional-Softwarebereich und hat auf dem Weg in Richtung Entertainment gegenüber Sony auch noch sehr viel aufzuholen.
Technische Facts sind für den Erfolg einer Konsole nicht Ausschlag gebend?
Dr. Intat: Das technisch Beste kann man diskutieren. Nach physikalischen Messwerten ist die Xbox sicher die beste Konsole. Aber das Beste ist zugleich sehr vielfältig. Man hat das Innenleben und das Exterieur. Und Design ist bei Gegenständen der Unterhaltungselektronik immer sehr wichtig. Die PS2 ist eben ein Entertainment-Device. Microsoft kommt vom Computer her, der in der Regel unterm Schreibtisch verschwindet.
Microsoft hat sich in Deutschland in Richtung Entertainment bewegt, als das Unternehmen als ein Sponsor der Robbie-Williams-Tour in Erscheinung trat. Aber danach wurde es wieder stiller.
Dr. Intat: Mit Robbie Williams hat sich Microsoft in das Entertainmentumfeld bewegt, wobei dieses Engagement noch relativ inhaltszahm war. Was Microsoft als Nächstes schaffen muss, ist, sich noch entertainmentnäher zu positionieren. Dass sich Microsoft von EA bei Xbox Live unterstützen lässt, ist sicher ein weiterer richtiger Schritt in diese Richtung. Microsoft weiß aber, dass sie hier besonders gefordert sind. Sony macht dagegen heute definitiv mehr. Viele Kampagnen zielen auf Entertainment ab.
Sehen Sie Anzeichen, dass bei den Konsolen Preissenkungen kommen werden? Indirekt beobachten wir diese ja schon bei den Bundles.
Dr. Intat: Bei den Bundles hat man natürlich ein Perzeptionsproblem in mehrfacher Hinsicht: Der Endverbraucher bekommt eine Konsole zwar heute schon billiger als 199 Euro, aber er weiß es nicht richtig. Problematisch ist auch, dass im Handel so viele Bundles stehen, die eine Preissenkung schwieriger machen. Wenn der Kunde dann eine nackte Konsole für 149 Euro erwerben könnte, daneben stünde aber ein Bundle mit einem oder zwei neuen Spielen, dann wären 149 Euro nicht günstiger. Also muss der Handel erst einmal Bundles abbauen, damit eine mögliche Preissenkung auch richtig zur Wirkung kommen kann. Ob ich Anzeichen für eine Preissenkung sehe? Erst einmal erfahren wir das auch nicht früher als Sie. Zum anderen müsste eine Preissenkung einen richtigen Knalleffekt haben. Dafür braucht man den richtigen Zeitpunkt. Wenn ich mich jetzt in die Rolle des Konsolenanbieters versetzen würde, wäre die GC - Games Convention ein idealer Zeitpunkt. Im Frühjahr hatten viele geunkt, als die Amerikaner die Konsolenpreise gesenkt haben, warum man dem nicht auch in Europa gefolgt wäre. Ich persönlich fand das völlig korrekt. In Europa oder Deutschland interessiert das doch niemanden - weder Konsument noch Retailer -, wenn in Amerika angekündigt wird, dass es irgendwelche Preissenkungen gibt. Außerdem wird der größte Teil der Hardware schon immer, egal ob mit oder ohne Preissenkung, im Weihnachtsquartal verkauft. Demnach wäre die GC oder kurze Zeit darauf genau der richtige Zeitpunkt für eine Preissenkung. Dann hat man ausreichend Zeit, sie dem Handel und Konsumenten zu kommunizieren.
Mit welchen Erwartungen gehen Sie nach Leipzig?
Dr. Intat: Mit großer Vorfreude. Wir haben ein paar sehr schöne Produkte, die wir dort zeigen werden. Zum Beispiel den Hammertitel "Die Sims 2", der in jeder Hinsicht als most expected bezeichnet werden kann. Grundsätzlich haben sowohl EA als auch einige unserer Wettbewerber ein sehr starkes Line-up, das auf der GC zu sehen sein wird. Zudem rechnen wir mit einer noch stärkeren Präsenz des Handels auf der Messe in Leipzig. Konsumenten waren ja im letzten Jahr schon über 90.000 da, was die Oberkante für Leipzig sein sollte. Mehr als 100.000 Konsumenten nach Leipzig zu bekommen, halte ich für relativ schwierig.
EA hat letztes Jahr erfolgreich Shop-in-Shop- und Flächenmanagement-Lösungen im Handel umgesetzt. Was steht in diesem Jahr auf der Agenda?
Dr. Intat: Wir führen diese Ansätze weiter: die schönere Warenpräsentation mit den Shop-in-Shop-Systemen und das elektronische Back-Ordersystem. Wir werden mit dem Handel auch über eine EA-Arena diskutieren. Dies wird eine eindrucksvolle Präsentationsplattform mit Plasmabildschirmen sein. Neben dem Imagethema, das wir dabei sind zu lösen, müssen wir die Faszination unserer Entertainmentprodukte stärker in jene Zielgruppen transportieren, die sich noch nicht dafür interessieren. Daran wollen wir zusammen mit dem Handel arbeiten, damit wir schönere Präsentationsoutlets bekommen. Wir müssen unter anderem die Ära der Mickymaus-Bildschirme endlich hinter uns lassen und ausgewählte Produkte auf großen Bildschirmen zeigen.