Anwendungen gehören für dtp digital tainment pool in diesem Jahr zu den wichtigsten Produktthemen. Aber auch im Bereich Lernprogramme kann man von dem Publisher einiges erwarten. Was, das erläutert dtp-Geschäftsführer Gerd Körnig im Gespräch mit GamesMarkt.de.

GamesMarkt.de: Welche Themen werden das Geschäft von dtp in diesem Jahr bestimmen?

Gerd Körnig: Durch unsere Kooperation mit dem Vogel Burda Verlag halten wir die Rechte an Titeln zu den Brands "Computer Easy" und "Chip", den gleichnamigen Zeitschriften des Verlags. Diese Marken wollen wir stark ausbauen. Dafür suchen wir noch Content, sind aber auch schon fündig geworden.

GM: Heißt das, dass sich dtp in diesem Jahr neu positionieren will?

Körnig: Ja, was das Segment Non-Games betrifft. Mit den Titeln, die in diesem Jahr in den beiden Reihen erscheinen werden, wollen wir Gebiete wie zum Beispiel Utilities, Anwendungen und Ratgeber noch stärker berücksichtigen.

GM: Soll dieser Bereich Ihr wichtigstes wirtschaftliches Standbein werden?

Körnig: Wir haben mehrere Standbeine. Angefangen bei der Lizenz zu "Tim 7", die wir im Jahr 2000 erworben haben. Im vergangenen Herbst haben wir dann den Neurelease von "Tim 7" vollzogen. Die Marke werden wir ebenso ausbauen wie unsere Reihe "The English Expert", unser zweites großes Standbein. Zum dritten Standbein werden wir den Bereich "Computer Easy" und "Chip" erweitern. Was die Produktvielfalt betrifft, wird er sogar das wichtigste Element sein. In diesem Jahr werden wir in den beiden Reihen 50 bis 60 neue Produkte veröffentlichen.

GM: Welche Themenbereiche decken sie ab?

Körnig: Ihr Thema ist der Bereich Anwendungen. Wie bei den gleichnamigen Zeitschriften ist unsere Softwarereihe "Computer Easy" aber für Einsteiger gedacht. "Chip" hingegen enthält Programme für Profis mit Programmier- und MS Office-Kenntnissen.

GM: Für Ende Dezember 2001 war ein Ausbau der Kinderlernsoftwarereihe "Tim 7" um Titel für weitere Klassenstufen und Fächer vorgesehen. Was ist aus diesen Plänen geworden?

Körnig: Wir entwickeln derzeit Titel für die erste und zweite Schulklasse. Die Erweiterung in Richtung höhere Klassenstufen haben wir auch im Visier, haben aber noch keine Schritte unternommen. Denn leider hat sich der Edutainmentmarkt im vergangenen Jahr nicht so gut entwickelt wie gehofft. Vor drei Jahren lautete die Prognose, dass der Edutainmentmarkt bis Ende 2001 einen Marktanteil von 14 bis 18 Prozent erreichen werde. Stattdessen lag der Marktanteil dann bei rund sechs Prozent.

Marktentwicklung stellt nicht zufrieden

GM: Woran liegt das?

Körnig: Zum einen hat der Handel zu Ungunsten der Edutainmentsoftware eine Sortimentsbereinigung vorgenommen. Zudem sind die Stückzahlen des Durchverkaufs von bedeutenden Titeln wie "Tim 7" stark rückläufig. Die einzige Steigerung haben wir bei den CD-ROMs für die vierte und fünfte Klasse. Speziell die Produkte für die vierte Klasse sind der absolute Überflieger. In dieser Klassenstufe spielt der so genannte "kleine Numerus clausus" eine wichtige Rolle, ein bestimmter Notendurchschnitt, den Schüler erreichen müssen, um von der Grundschule auf das Gymnasium wechseln zu können. Darum sind Eltern eher geneigt, Lernsoftware zu kaufen, wenn ihre Kinder in der vierten Klasse sind. Wir hoffen, dass dadurch auch der Verkauf von Titeln für die fünfte, sechste und siebte Klasse angekurbelt wird. Deswegen wird "Tim 7" künftig eher in Richtung höhere als niedrigere Klassenstufen erweitert werden.

GM: Was bedeutet das konkret?

Körnig: Für die erste und zweite Klasse zusammen wird es nur ein Produkt geben. Für die siebte und achte Klassenstufe werden wir zwei voneinander getrennte Titel veröffentlichen, wie bei "Tim 7" normalerweise üblich. Zudem wollen wir "Tim 7" für das Fach Englisch in den unteren Klassenstufen ausweiten, weil in einigen Bundesländern Englisch bereits ab der dritten Klasse unterrichtet wird. Das Programm dafür ist fast fertig. Das alles ist aber von der Entwicklung der Verkaufszahlen im nächsten halben Jahr abhängig. Am Ende des Tages zählt der Verkaufserfolg, der uns hoffentlich in eine Situation bringt, in der wir die Entwicklungskosten mit dem Verkauf zumindest ausgleichen können.

GM: Warum ist das im Segment Edutainment so schwierig?

Körnig: Bestimmte Edutainmentsoftware lässt sich nicht international vermarkten. Curriculum-basierte Titel kann man nur in deutschsprachigen Ländern verkaufen. Im Unterschied zu Games lassen sich damit nur relativ geringe Stückzahlen erreichen. Anders als bei Games muss der Content bei der Lizenzierung einer deutschsprachigen, lehrplanorientierten Lernsoftware ins Ausland völlig neu gestaltet werden.

GM: Wann sollen die neuen "Tim 7"-Titel auf den Markt kommen?

Körnig: Die ersten neuen Programme werden im Juni oder Juli erscheinen. Weitere Titel werden zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommen.

GM: Was ist von dtps Reihe "The English Expert" in diesem Jahr zu erwarten?

Körnig: Wir werden weiterhin ehrgeizig das Ziel verfolgen, mit der Sprachlernsoftware "The English Expert" eine gute Position auf dem Markt zu erreichen. Im Unterschied zu unseren Mitbewerbern haben wir dabei den Vorteil, dass wir uns auf Software für die englische Sprache spezialisiert haben. Dabei soll es auch bleiben. Aber wir wollen das Programm nicht auf Businessenglisch beschränken, sondern auch für andere Bereiche öffnen, zum Beispiel Englisch für technische Berufe oder Englisch für Juristen. Im Herbst kann man mit zwei Titeln rechnen, die in diese Richtung gehen. Zudem werden wir im Juni oder Juli in der "Tim 7"-Reihe zwei "The English Expert"-Titel für Kinder auf den Markt bringen. Ferner wird uns im März eine Online- und Offlineversion eines Spracheinstufungstests vorliegen; dieser Test analysiert die Englischkenntnisse der User in den Bereichen Hör- und Leseverständnis sowie Grammatik und spricht eine individuelle Produktempfehlung aus.

GM: Bislang ist "The English Expert" noch ein Lernprogramm für Erwachsene. Hat dieser Markt in Deutschland noch Wachstumschancen?

Marktführerschaft angestrebt

Körnig: Betrachtet man die drei deutschen Topanbieter in diesem Bereich, Langenscheidt, digital publishing und die von Cornelsen Verlag vertriebenen Auralog-Produkte, dann kann man unser Angebot am ehesten mit der digital publishing-Software vergleichen. Sie konzentriert sich aber auf den Bereich Erwachsenenbildung. Die anderen beiden Anbieter decken eher den Bereich des Lernens für und auf Reisen ab, während unsere CD-ROMs ein multimediales Pendant zum Lernen von Sprachen in Fort- und Weiterbildungszentren sind. In diesem Marktsegment werden wir hoffentlich Marktführer werden, denn etwas Vergleichbares zu unserer Software gibt es in diesem Bereich bislang nicht.

GM: Welche weiteren Pläne hat dtp für dieses Jahr?

Körnig: Derzeit bauen wir ein komplettes Sortiment im Budgetbereich von 9,99 bis 15,99 Euro auf. Durch die Kooperation mit SavannahKids konnten wir im November 2001 den ersten "Petzi"-Titel auf den Markt bringen. In diesem Jahr wird es von "Petzi" zwei bis drei weitere Titel geben. Wir sind zuversichtlich, dass wir damit Erfolg haben werden, weil "Petzi" ein bekanntes Kinderbuch ist. Zudem werden wir in der "Petzi"-Reihe weitere Spiele in der genannten Preisklasse anbieten. Dafür kaufen wir Spiele auf, bieten sie im Unterschied zu unseren Mitbewerbern aber nicht in der Zweit- oder Drittvermarktung an. Bis Ende des Jahres wollen wir in der Serie eine Produktrange von mindestens 30 Titeln haben.

GM: Wird es "Petzi" und "Tim 7" künftig auch für Konsole und Handy geben?

Körnig: Eher für Konsole als fürs Handy. Meiner Meinung nach wird sich der GameCube in ein bis zwei Jahren als Konsole für alle Altersgruppen durchgesetzt haben. Dafür werden wir dann entsprechende Lernsoftware anbieten. Allerdings müssen Eltern noch die Bereitschaft entwickeln, die Konsole auch als Lern- und nicht nur als Spielgerät zu betrachten. Ich bin davon überzeugt, dass der Weg für Edutainment auf der Konsole frei ist.

GM: Herr Körnig, danke für das Gespräch.

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