Im Gespräch: Hans Stettmeier, Microsoft
Nach einem beschwerlichen Start hat sich Microsoft nun in Stellung gebracht, um im kommenden Weihnachtsgeschäft mit seiner Xbox zu punkten. GamesMarkt.de sprach mit Hans Stettmeier, Director Home & Retail Division Microsoft, über Pläne, Ziele und die Lehren aus der Vergangenheit.
GamesMarkt.de: Der Xbox-Start lief nicht gerade glatt. Erst der Preisverhau, dann am 18. April der neue Preis von 299, auf der GC schließlich die erneute Preissenkung auf 249 Euro. War der Einführungspreis zu hoch?
Hans Stettmeier: Zu dem Zeitpunkt als wir uns intensiv mit der Preisfindung in Europa beschäftigt haben, war der Preis von 479 Euro nachvollziehbar. Am 14. März 2002 ist dieser Preispunkt sehr kontrovers betrachtet worden, wir haben schnell und sehr konsequent mit unserem einzigartigen "Dankeschön-Paket" reagiert, ein Markteintritt zu 299 Euro wäre aus heutiger Sicht noch besser gewesen. Das Marketing hat, was die Positionierung der Marke Xbox angeht einen hervorragenden Job gemacht. Die deutliche Herausarbeitung der "Xbox Difference" sind wir damals noch nicht konsequent genug angegangen. Wir haben unsere Lektionen gelernt und sind deshalb jetzt für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft hervorragend aufgestellt.
"Wir haben unsere Lektionen gelernt"
GM: Wie hat sich die Xbox in den ersten sieben Monaten nach Start in Deutschland entwickelt?
Stettmeier: Die Marktschwäche in Deutschland im Konsumentenumfeld trifft alle im Wettbewerb gleichermaßen. Insofern liegen auch wir hinter den Erwartungen, was die absoluten Zahlen angeht. Kein Marktteilnehmer hat von sich aus die Kraft, diese wirtschaftlichen Rahmenbedingungen signifikant zu beeinflussen. Insofern ist die Entwicklung der Marktanteile zum entscheidenden Messkriterium für uns geworden. Die stetige Entwicklung ist für uns sehr erfreulich, und das, obwohl die herausragenden Spiele Highlights jetzt gerade erscheinen und sehr viele noch kommen werden. Wir sind mit der Entwicklung in allen relevanten Märkten in Europa sehr zufrieden. Besonders schön ist, dass Deutschland unter den großen Ländern, was den aktuellen Xbox-Marktanteil angeht, den Spitzenplatz hat.
"Das gesamte Paket ist stimmig"
GM: Wie sieht die HW/SW-Ratio aus und wie hat sie sich seit März entwickelt?
Stettmeier: Da können wir von einem absoluten Highlight sprechen. Bei der Software sind wir deutlich über drei, was alle Vergleiche sprengt, die mir bekannt sind. DVD-Fernbedienungen werden bei jeder zweiten Xbox mitgekauft. Xbox-Besitzer sind von ihrem Produkt so begeistert, dass sie einfach schneller und häufiger Xbox-Produkte nachkaufen, sehr zur Freude des Handels und der Partner-Publisher.
GM: Wie sieht beim Thema Xbox Ihre strategische Ausrichtung aus? Wie reagieren Sie organisatorisch darauf?
Stettmeier: Die strategische Ausrichtung läuft voll auf die Darstellung der "Xbox Difference" hinaus. In der Erweiterung von "play more" um "see more, hear more, feel more" geht es darum, für möglichst viele potentielle Kunden den Unterschied, den die Xbox ausmacht - hinsichtlich Grafik, Sound, Xbox Live, schlussendlich Gameplay - in einer neuen Dimension erlebbar zu machen. Dafür treiben wir einen enormen Marketingaufwand und gehen tolle Kooperationen ein, bsp. mit dem Europapark Rust, denn schließlich stehen beide Marken für Entertainment pur.
GM: Der Unterhaltungssoftwaremarkt insgesamt steht in diesem Jahr kräftig unter Druck. Besonders der PC-Bereich hat kräftig Federn lassen müssen. Wie beurteilen Sie diese Lage?
Stettmeier: Wenn ich da mal die Bibel in Anspruch nehme und davon ausgehe, dass wir uns in den "mageren Jahren befinden" - es müssen ja nicht gleich sieben werden - so werden auch wieder "fette Jahre" kommen, denn im Grunde produziert diese Industrie tolle Entertainment-Produkte, die auch in Deutschland, nachdem wir die Depressionen hinter uns gebracht haben, wieder gekauft werden.
Xbox-Unterschied stärker herausarbeiten
GM: Trotz der jüngsten Preissenkungen ist wenig Bewegung im Bereich Hardware zu spüren. Was sind die Ursachen?
Stettmeier: Preis ist halt nicht immer der einzige Erfolgsfaktor. Wir haben einen Punkt erreicht, zu dem unglaublich gute Technologien zu sensationellen Preisen angeboten werden, da führen weitere Preisreduzierungen nicht zwangsläufig sofort zu rapide steigenden Absätzen. Dennoch war es richtig, rechtzeitig vor dem Beginn des Weihnachtsgeschäftes die Plattform attraktiv zu positionieren, um dann mit einem wahren Feuerwerk an tollen Spielen, getoppt mit Xbox Live, den Kunden die Entscheidung in Richtung Weihnachten sehr einfach zu machen. Das gesamte Paket muss stimmen. Dies ist bei uns der Fall, deshalb bin ich aus Sicht von Microsoft, was die Entwicklung angeht, sehr optimistisch.