Auf der CeBIT sprach GamesMarkt.de mit dem PlayStation-Erfinder und CEO von Sony Computer Entertainment Inc., Ken Kutaragi, über die technische und die wirtschaftliche Zukunft seiner wichtigsten Marke.

GamesMarkt.de: Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgaben?

Ken Kutaragi: Als Vorstandsvorsitzender der SCE verantworte ich das PlayStation-Geschäft weltweit. Ich sehe meine Aufgabe darin, meine Ideen für die Zukunft in die Tat umzusetzen.

GM: Woher nehmen Sie Ihre Ideen? Lassen Sie sich bisweilen auch von der Konkurrenz inspirieren?

"Wir sind die Innovationsführer"

Kutaragi: Nein, das nicht, eher von Science-Fiction-Filmen. Ich sehe bestimmt an die 100 Filme im Jahr, vor allem von jungen, unbekannten Regisseuren, die neue Ideen umsetzen. Früher wollte ich beispielsweise unbedingt den Computer HAL aus Stanley Kubrick "2001" bauen. Xbox und GameCube interessieren mich nicht. Ich bin Erfinder, kein Kopierer. Anders als Microsoft oder Nintendo arbeiten wir nicht mit Produkten von Intel oder ATI. Was wäre der Sinn, Vorhandenes zu verlöten? Vielmehr sehe ich Sony in der Verantwortung: Wir sind Innovationsführer und erschaffen neue Technologien. Deshalb designen wir auch unsere eigenen Chips.

GM: Dabei richtet sich SCE jedoch nicht nach weit verbreiteten Standards. Das hat zur Folge, dass einige Developer die Spieleentwicklung für PlayStation2 als schwierig empfinden und nicht immer das Optimum aus der Konsole herausholen…

Kutaragi: Ja, aber die Entwickler lernen dazu, und wir unterstützen sie durch neue Tools und Libraries. Das spornt wiederum die Entwickler zu immer neuen Höchstleistungen an. Gleichzeitig verlängert sich der Lebenszyklus der PS2, weil immer neue, aufregende Software nachkommt. Mit einem Analyseinstrument messen wir auch den Grad der Leistungsausbeute eines Spiels. "Gran Turismo 3" oder "Final Fantasy X" etwa nutzen das Potenzial der PlayStation 2 vielleicht zu 50 bis 60 Prozent.

GM: Warum gibt es für PS2 keine Spiele, die auf den Geschmack deutscher Gamer zugeschnitten sind?

Kutaragi: Was Videogames betrifft, scheint mir der deutsche Markt weniger entwickelt als in den USA und Japan - spielt hier denn niemand?

GM: Doch, nur tun das viele auf dem PC.

Kutaragi: Es gibt kaum ein Land, wo der PC als Spielsystem so stark etabliert ist wie bei Ihnen. Was für eine Verschwendung von Ressourcen! Woanders wird der PC als das benutzt, was er ist: ein Arbeitspferd. So gesehen hat der deutsche Markt noch sehr viel Potenzial für die PS2. Ist das erst genutzt, kommen wie von selbst die inhaltlich lokalisierten Spiele.

GM: Im Mai startet in Japan der "PlayStation BB"-Dienst. Wie wird er genau funktionieren?

Kutaragi: Um Zugang zu "PlayStation BB" zu erhalten, wird einfach ein Onlinekit, bestehend aus Ethernet-Adapter und 40- Gigabyte-Festplatte, hinten in die PS2 gesteckt. "PlayStation BB" ist, wie der Name schon sagt, auf Breitbandzugänge, also DSL und Glasfaser, ausgelegt. Bis Ende 2002 werden in Japan etwa neun Millionen Haushalte über DSL verfügen. Denen müssen wir mehr bieten als nur Games - Musik und Filme zum Beispiel.

"PC-System macht alles langsamer"

GM: All dies ist auch mit einem PC möglich…

Kutaragi: Ja, aber das komplexe PC-System macht alles langsam. Außerdem sind PCs kompliziert, unser Dienst ist es nicht: Das Kabel vom DSL-Modem einstecken, einschalten und loslegen. "Always-on" nennen wir das, man ist sofort im Netz. Zusammen mit unserer Benutzeroberfläche "Broadband Navigator" wird Internet so einfach wie Fernsehen. Und wir werden das System laufend ausbauen. Ich halte das Aufzeichnen von TV-Sendungen auf die Festplatte für ein erstklassiges Feature, das auch kommen wird.

GM: Wann wird "PlayStation BB" nach Europa kommen?

Kutaragi: Europa ist ein komplexerer Markt als die USA oder Japan. Es gibt viele Länder, die alle mit einer eigenen Politik, eigenen Normen und eigenen Tarifen agieren. Gestern bin ich beispielsweise in Paris mit meinem Laptop nichts ins Internet gekommen. Der Stecker passte, ich konnte mich jedoch nicht einwählen. Warum, weiß ich auch nicht. Aber genau solche Probleme müssen wir in Europa in den Griff bekommen. Wir müssen mit vielen Unternehmen verhandeln, da in jedem Land eine andere Firma den Telekommunikationsmarkt dominiert.

GM: Wie findet der Handel Ihre Pläne, Spiele, Musik und Filme über das Internet zu vertreiben?

Kutaragi: Es ist unvermeidlich: "Packed Software", also vorbespielte Datenträger, werden von Streaming Content abgelöst. Da sind unserer Partner Yahoo BB, AOL Time Warner und NTT BB einer Meinung mit uns. Und wir sind offen für weitere Partnerschaften.

GM: Wie wird das Zahlungssystem aussehen?

Kutaragi: Abonnenten unseres "So-Net"-Service erhalten Zugriff auf alle Dienste. Für "Networked AV", also Streaming Audio und Video, werden eventuell weitere Gebühren fällig. Meine europäischen Kollegen Manfred Gerdes und Chris Deering arbeiten an den Modellen für Europa. Wir wollen die Kosten über die Telefonrechnung abrechnen. Das ist einfach und übersichtlich für unsere Kunden.

GM: Sind Kopierschutzmechanismen vorgesehen?

Kutaragi: Unser "Dynamic Network Authentification System" (DNAS) ist Bestandteil des PS2-Designs. Jedes Bauteil trägt eine individuelle Codenummer, egal ob Konsole, Memory Card, Festplatte, Datenträger oder Breitbandsoftware. Jedes Teil ist identifizierbar, und DNAS bestimmt, wie sich Software darauf verhält. Software kann sich zum Beispiel an einem bestimmten Zeitpunkt auf einem einzelnen System aktivieren. Oder auf jedem System, aber nur für definierte Altersgruppen. DNAS ist also auch Jugendschutz.

GM: Sony Computer Entertainment operiert wieder profitabel. Wie stellen Sie sicher, dass das in Zukunft so bleibt?

Kutaragi: Unsere Haupteinnahmequelle bleiben Hardwareverkäufe. Sehen Sie, Microsoft muss für seine Xbox viele Komponenten einkaufen. Wir bauen etwa 80 Prozent der PS2 selbst und vertreiben selbst an den Handel. Das spart Kosten. Wir verdienen an jeder einzelnen PS2 und über Gebühren unserer Lizenznehmer an der Software. Ende März endet unser Geschäftsjahr. SCE ist ein öffentlich gehandeltes Unternehmen, ich darf also jetzt noch nicht viel zum Geschäftsergebnis sagen, außer: Wir werden tiefschwarze Zahlen schreiben.

GM: Sony ist ein Synonym für den Walkman, also mobil gemachte Unterhaltung. Warum überlassen Sie Nintendo den Markt für Handheld-Gaming?

Kutaragi: Portable Gaming sehe ich nicht als Thema für uns. Wir würden auch keine Kopie des Game Boy machen. Ich könnte mir vorstellen, ein vernetztes Gerät zu entwickeln, das sich ins Internet einfügt. Allerdings sind die technischen Anforderungen enorm. Im Moment sind die für mobiles Gaming notwendigen Bandbreiten einfach noch nicht verfügbar.

GM: Wir danken für das Gespräch

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