Im Gespräch: Manfred Gerdes, SCED
Auch ein Jahr nach Start der Wettbewerbskonsolen ist Sony Computer Entertainment Deutschland unbestritten Marktführer. GamesMarkt.de sprach mit SCED-Chef Manfred Gerdes über Verkaufsziele, Bundlingpolitik und warum ein höheres Marketinginvestment notwendig ist.
GamesMarkt.de: Sind Sie mit dem Verkauf der PS2 zufrieden?
Manfred Gerdes: Unsere Erwartungen lagen grundsätzlich höher. Wenn man jedoch den Wettbewerb im Vergleich betrachtet, dann haben wir angesichts der Stückzahlen noch am meisten erreicht. Und das spiegelt sich auch in unserem Marktanteil wider.
GM: Wie lief es für die PSone?
Gerdes: PSone hat das Vorjahresergebnis gehalten. Obwohl wir PSone werblich kaum unterstützten, wurden über 300.000 Units verkauft, mehr als der Mitbewerb von den neuen Konsolen absetzen konnte. Im kommenden Jahr rechnen wir mit einem ähnlichen Ergebnis. Wir werden die PSone über das Thema Software pushen. Ein Schwerpunkt wird Platinum sein. Im Gespräch sind aber auch andere Möglichkeiten wie Twin- und Tripple-Packs. PSone bleibt für 89 Euro als Einstiegsklasse positioniert. Am Preis werden wir also nichts ändern, aber unsere Promotionangebote steigern.
"Nur wer investiert, kann ausbauen"
GM: Wie lautet die Bilanz für PS2-Software?
Gerdes: Die Software ist sehr gut gelaufen. Die Ratio liegt bei eins zu sechs, inklusive Bundlingaktionen. Bei uns hatten Bundles auf die PS2-Ratio nur einen marginalen Einfluss. Die Mitbewerber hatten hingegen offensichtlich einen schweren Start mit ihren Geräten, und vor allem Microsoft hat den Bogen bei Bundlings überspannt.
GM: Warum hat sich der Gesamtmarkt in Deutschland so langsam entwickelt?
Gerdes: Ich glaube, es wurde nicht genug Geld investiert. Damit meine ich nicht unsere Wettbewerber im Hardwarebereich, sondern auch unsere Third-Parties. Wenn wir 2003 mehr Geld in die Hand nehmen, dann haben wir die Chance, auch mehr aus diesem Markt herauszuholen. Deutschland ist der größte Markt in Europa, steht aber bei Videospielen an dritter Stelle und läuft Gefahr, von Spanien überholt zu werden. Das kann es nicht sein. Auch wenn viele klagen, der Markt rückläufig ist und der Konsument fünf Prozent weniger ausgeben wird, dann muss es eben unsere Aufgabe sein, einen höheren Anteil aus 95 Prozent zu erzielen! Nur wer investiert, kann auch seine Anteile gegenüber anderen Branchen ausbauen.
GM: Wird auch SCED eine "Schippe nachlegen"?
Gerdes: Wir haben unseren Job gemacht und erhöhen unser Marketingbudget um 35 Prozent. Dass wird sich in permanenter und konsistenter Kommunikation widerspiegeln. 2003 arbeiten wir mit dem größten Marketingbudget, das wir je hatten.
GM: Ändern Sie auch Ihre Kommunikationsstrategie?
Gerdes: Ja. Wie werden natürlich auch weiterhin Themen für den Hardcoregamer besetzen. Wir wollen uns jedoch auch um die "Normalspieler" kümmern, denn das sind die Kunden, die unsere Konsolen morgen kaufen müssen.
GM: Dass klingt nach Spagat...
Gerdes: Im Grunde lässt sich hier vieles über Software und Zusatzprodukte steuern. Das Thema Networkgaming geht sicher mehr in Richtung Hardcoregamer. Die auf der CeBIT gezeigten Produkte CyberRider und EyeToy sprechen hingegen ganz klar den Massenmarkt an. Spagat würde ich das nicht nennen, aber wir müssen eine differenzierte Konsumentenansprache betreiben, um den Markt auszubauen.
GM: Warum wurde Networkgaming auf der CeBIT nicht gezeigt?
Gerdes: Jeder hat erwartet, dass wir Networkgaming zeigen. Wir haben uns jedoch bewusst für die "ungewöhnliche Variante" entschieden, weil wir Networkgaming bereits auf der CeBIT '02 zeigten und weil es für die breite Masse wesentlich wichtiger war, CyberRider und EyeToy in Augenschein zu nehmen. Jeder von uns kennt Menschen, die vor einer Konsole sitzen, jeder kennt Menschen mit einem Headset. Wer aber hat bereits ein Spiel ohne Controller gespielt? Über 60.000 CeBIT-Besucher haben diese neue Dimension des Videogamings erlebt und waren sehr beeindruckt von diesen Produkten.
GM: Welche Pläne haben Sie mit CyberRider?Gerdes: Wir werden in Kooperation mit Reebok Fitnesscenter bestücken. Die PlayStation 2 taucht somit an ganz neuen Plätzen auf. CyberRider ist jedoch nicht nur ein Werbetool, es wird auch ganz normal vermarktet. Zuständig für die Vermarktung ist ebenfalls Reebok, die Cyber-Rider auch produzieren.
GM: Wie beurteilen Sie das Thema Networkgaming?
Gerdes: Networkgaming ist erst der Einstieg. Vielleicht noch in diesem Jahr, spätestens aber 2004 werden wir die PS2-Festplatte auf den Markt bringen. Es ist kein Geheimnis, dass wir überlegen, PlayStation 2 als Entertainmentplattform zu positionieren. Diese Strategie und unser nach allen Seiten offenes Businessmodell unterscheiden uns grundlegend von den anderen Wettbewerbern. Deswegen bin ich überzeugt, dass unser Weg der erfolgreichere sein wird.