Im Gespräch: Odile Limpach, GF Ubi Soft
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnte die deutsche Ubi Soft-Niederlassung auch 2001 kräftig zulegen. GamesMarkt.de sprach mit Geschäftsführerin Odile Limpach über die Herausforderungen des letzten Jahres, die neuen Konsolen sowie die Umstellung auf DVD-Verpackungen.
GamesMarkt.de: 2001 war für die Spielebranche kein leichtes Jahr. Wie lief es für Ubi Soft?
Odile Limpach: Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Wir konnten unseren Umsatz in diesem Jahr trotz der Auswirkungen dieser Übergangsphase deutlich steigern - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bis Ende Dezember um über 50 Prozent. "Produktreihen spielen eine sehr wichtige Rolle" Dies ist eine direkte Folge unseres verstärkten Engagements im PC-Bereich. Herausheben möchte ich insbesondere die "Myst"-Reihe und die "Siedler"-Reihe, die mit dem Platin-Award des VUD ausgezeichnet wurden, sowie die Spiele aus der "Tom-Clancy"-Reihe für PC und PlayStation, aber auch den Erfolg bekannter Produktreihen, die z.B. mit "Silent Hunter 2" oder "Pool Of Radiance - Ruins of Myth Drannor" ihre erfolgreiche Fortsetzung erfahren. Auch Neuentwicklungen wie "IL-2 Sturmovik" haben zu diesem Erfolg beigetragen.
GM: Die Verkaufserfolge gehen vor allem auf das Konto bekannter Franchises. Wie wichtig sind eingeführte Marken tatsächlich?
"Über 50 Prozent Umsatzwachstum"
Limpach: Diese Produktreihen spielen eine sehr wichtige Rolle in unserem Portfolio. Zum einen wurde unser Katalog um Spiele der in Deutschland relevanten Genres bereichert, zum anderen stellen diese Produkte für uns die Säulen für den künftigen Unternehmenserfolg dar. Eingeführte Produktmarken schaffen Vertrauen beim Kunden und sind die harte Währung eines internationalen Spielepublishers.
GM: Ubi Soft Deutschland musste 2001 mit The Learning Company und Blue Byte Software gleich zwei Firmenintegrationen bewältigen. Wie meisterte Ubi Soft diese Herausforderung?
Limpach: Für alle Ubi Soft-Mitarbeiter stellten diese Firmenintegrationen eine große Herausforderung dar, und alle haben erfolgreich zur Bewältigung dieser großen Aufgabe beigetragen. Die Kernkompetenzen unserer Mitarbeiter, neuen Dingen mit Offenheit und Flexibilität zu begegnen, haben die Integrationen erleichtert. Insbesondere der Wechsel von Marketing- und Entwicklungsmitarbeitern auf die jeweils andere Seite des Geschäftsbereichs hat den Prozess beschleunigt und uns einen wertvollen Erfahrungsaustausch gebracht.
GM: Durch den Kauf von Blue Byte war Ubi Soft der erste internationale Major mit einem deutschen Entwicklerteam. Welche strategische Bedeutung hat Blue Byte für den Ubi Soft-Konzern, und was hat sich dadurch für die deutsche Ubi Soft verändert?
Limpach: Zunächst ist "Die Siedler" für Deutschland eine immens wichtige Marke. Wir haben damit im Bereich Aufbaustrategie erfolgreich ein Genre besetzt, das gerade in Deutschland von herausragender Bedeutung ist. Zudem steht der Name "Blue Byte" für Qualitätssoftware und trägt damit zur Stärkung der Dachmarke Ubi Soft bei. Die Nähe zum Entwicklungsstudio bietet unserem Marketing die Möglichkeit, die Entwicklung und unsere Vermarktungsaktionen sehr viel direkter auf Kundenbedürfnisse abzustimmen.
GM: Marktforscher erwarten für 2002 eine deutliche Belebung des Geschäfts. Wie lautet Ihre Marktprognose?
Limpach: In diesem Jahr stehen die Veröffentlichungen von zwei neuen Next-Generation-Konsolen an. Ich denke, dass die Bemühungen der First-Party-Publisher Nintendo, Microsoft und Sony um den Kunden dazu führen werden, dass dem Markt deutliche Wachstumsimpulse gegeben werden. Ubi Soft hat ein immens breites Produktportfolio und wird die Chance nutzen, diese Impulse in ein erfolgreiches Unternehmenswachstum einfließen zu lassen.
GM: Was werden 2002 die Schwerpunktthemen für Ubi Soft hinsichtlich Marketing und Vertrieb sein?
Limpach: Schwerpunkt für den Bereich Marketing werden der weitere Ausbau unseres PC-Portfolios und natürlich unser Engagement für die neuen Konsolenplattformen sein. Auf europäischer Ebene konzentrieren wir uns auf den Ausbau des Spielportals ubi.com, das im November in Amerika erfolgreich gestartet ist und demnächst auch in Europa dazu beitragen soll, eine stärkere Kundenbindung aufzubauen. Wichtige Themen sind natürlich auch die E3 und Ubi Softs Teilnahme an der GC - Games Convention, mit der wir der internationalen Stellung des deutschen Absatzmarkts Rechnung tragen.
Individuelle Konzepte für Handelspartner
Auf Vertriebsseite steht die bereits angekündigte Umstellung auf das DVD-Verpackungsformat im Vordergrund. Durch den Wechsel zum Verpackungsstandard DVD haben wir auf die geänderten Marktgegebenheiten und die Wünsche unserer Handelspartner und Kunden reagiert und können nun in Zusammenarbeit mit unseren Partnern die Ware zeitgemäß am PoS präsentieren. Ein weiterer Schwerpunkt wird die noch intensivere Unterstützung unserer Handelspartner sein, die wir im letzten Jahr z.B. mit unserer Winterpromotion erfolgreich umsetzen konnten. Mit neuen, individuell auf unsere Partner zugeschnittenen Konzepten werden wir auch im Jahr 2002 für eine optimale Verkaufsunterstützung sorgen.
GM: Stichwort Xbox und GameCube: Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten der Konsolen?
Limpach: Wir freuen uns auf die neuen Konsolen und denken, dass der Markt Platz für mehrere Konsolenplattformen bietet, wenn sich das Potenzial durch gestiegenes Kundeninteresse ausweitet. Die GameCube-Konsole hat in Japan und in den USA ihre erste Feuerprobe bestanden, und in US-Marktanalysen wurde der Xbox ebenfalls ein äußerst erfolgreicher Start in den USA bescheinigt. Der europäische Markt bringt für die Hersteller jedoch andere Herausforderungen, und wir beobachten ihr Engagement mit großem Interesse. Auf die Reaktion von Sony auf die geänderte Wettbewerbssituation sind wir natürlich sehr gespannt. Der Erfolg der Konsolen hängt von vielen Faktoren ab: Preis, Software, Image, Warenverfügbarkeit, all das wird vom Kunden wahrgenommen und entsprechend honoriert werden.
GM: Wie wird Ubi Soft beide Plattformen unterstützen?
Limpach: Zum Europa-Launch des GameCube wird Ubi Soft mit drei wichtigen Titeln vertreten sein: "Batman: Vengeance", "Disney's Donald Duck Quack Attack" und "Disney's Tarzan Freeride". Nach dem Launch werden außerdem das Rollenspiel "Evolution Worlds" und das Actionspiel "Worms Blast" erscheinen. In den Ubi Soft-Entwicklungsstudios werden zurzeit 24 Projekte für Nintendos GameCube realisiert. Zum Start der Xbox werden wir "Batman: Vengeance" auf den Markt bringen, kurz danach wird das Actionhighlight "Ultimate Fighting Championship: Tapout" erhältlich sein. Mit "The Elder Scrolls III: Morrowind" folgt im 2. Quartal 2002 ein absolutes Rollenspielhighlight, zudem haben wir bereits große Titel wie "Tom Clancy's Ghost Recon", "Largo Winch", "Rayman M" und "Kabuki Warriors" angekündigt. Insgesamt wird in den Ubi Soft-Studios an 14 Xbox-Projekten gearbeitet. Selbstverständlich werden wir die PS2 auch weiterhin stark unterstützen. So wird in den internen Studios derzeit an 39 PS2-Projekten gearbeitet; allein im März werden wir sieben hochkarätige PS2-Titel publizieren.
GM: Anfang des Jahres gab Ubi Soft ein umfangreiches Publishingabkommen mit Bethesda Softworks bekannt. Was versprechen Sie sich von den kommenden Bethesda-Produkten?
Limpach: An "Morrowind" für PC und Xbox stellen wir natürlich äußerst hohe Erwartungen, denn das Medienecho und der große Erfolg auf der vergangenen E3 haben bereits Monate vor dem Release gezeigt, dass dieser Titel über ein enorm hohes Potenzial verfügt. Zudem erreichen wir mit diesem Titel eine Abrundung und Stärkung unseres Portfolios im Bereich Rollenspiele. Das Abkommen mit Bethesda Softworks umfasst außerdem noch sieben weitere Titel, die wir noch ankündigen werden, und das preisgekrönte "Sea Dogs" für PC, das in Amerika bereits sehr erfolgreich war und im 1. Quartal nun auch nach Europa kommt.
GM: Sie erwähnten die Umstellung auf DVD-Verpackungen. Warum fängt Ubi Soft gerade jetzt mit DVD-Verpackungen an?
Limpach: Die Vorzüge des neuen Verpackungsformats liegen auf der Hand. Eine Umstellung auf das neue Verpackungsformat war jedoch aufgrund der enorm breiten PC-Produktpalette gerade für Ubi Soft eine große Herausforderung. Wir haben die Entwicklung beim Handel und beim Kunden genau beobachtet und zum richtigen Zeitpunkt darauf reagiert. Mittlerweile sind weit mehr als die Hälfte unserer Kunden von dem neuen Verpackungsformat überzeugt, und wir sind uns sicher, dass sich die DVD-Box als Verpackungsstandard durchsetzen wird.
GM: Was sind für Sie die Vorteile der DVD-Verpackung?
Limpach: Zunächst kommen wir mit der Umstellung dem Wunsch vieler unserer Handelspartner nach, eine "neue Präsentation" am PoS zu realisieren. Mit den DVD-Boxen eröffnen sich im Handel viele neue Möglichkeiten, doch wir werden künftig mit immer mehr zusätzlichen Features und Goodies auf dem Datenträger auch einen attraktiven Mehrwert für den Endverbraucher schaffen, so wie er es aus der Filmbranche bereits gewohnt ist.
GM: Welche Überraschungen plant Ubi Soft für die E3?
Limpach: Wir werden auf der diesjährigen E3 als Multiplattform-Publisher neben innovativen Neuentwicklungen und den bekannten Ubi-Soft-Themen auf jeden Fall eine weitere große Neuigkeit präsentieren. Dazu kann ich aber leider noch nichts Näheres sagen - also lassen Sie sich überraschen!
"Die GC ist eine Herausforderung"
GM: Stichwort GC - Games Convention: Wie beurteilen Sie die Pläne für eine deutsche Interactive-Entertainment-Messe?
Limpach: Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für die Unterhaltungsindustrie weltweit. Insofern ist Deutschland als Messestandort mehr als gerechtfertigt. Wir sehen die GC in Hinblick z.B. auf Standort und logistische Umsetzung als Herausforderung an.
GM: Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Leipzig?
Limpach: Die Games Convention wird für uns eine wichtige Plattform für die Kommunikation mit dem Handel wie auch mit dem Kunden sein. Wir freuen uns, wenn wir mit unserem Auftritt zum Erfolg der GC beitragen können. Wir hoffen, dass die Messe über Deutschland hinaus als europäische Plattform angenommen wird und sich im Kundeninteresse erfolgreich entwickelt. Deutschland ist ein wichtiger Messestandort, doch in Hinblick auf die internationale Entwicklung wird es eine große Aufgabe sein, die GC erfolgreich zu etablieren.