Im Gespräch: Peter Moore, Microsoft Corp.
Peter Moore ist seit Januar 2003 Corporate Vice President Worldwide Retail Sales and Marketing der home and Entertainment Division von Microsoft Corp. GamesMarkt.de traf Moore auf der E3 und sprach mit ihm über den Wettbewerb, Kaufgerüchte und den Kampf im Konsolenmarkt.
GamesMarkt.de: Was halten Sie von Sonys PSP-Plänen?
Peter Moore: Diese Frage sollten Sie wohl lieber an die Adresse Nintendos richten. Aus meiner Sicht ist der PSP eine interessante Idee von Sony. Nintendo hält mit seinen Game-Boy-Systemen seit vielen Jahren einen in der Spitze über 95-prozentigen Anteil am Markt für Spielehandhelds. Auf der anderen Seite ist der Handheldmarkt sehr schwierig zu bedienen, und es ist zurzeit hart, hier effektiv Gewinne zu erwirtschaften. Sony schießt damit natürlich eindeutig gegen Nintendo, die auf die Game-Boy-Umsätze angewiesen sind und damit auch das Geschäft mit GameCube querfinanzieren. Es ist der erste, auf globaler Ebene ernst zu nehmende Angriff auf das Game-Boy-Monopol. Nintendo hatte mit der derzeitigen Generation bis zum Release des GBA SP hart zu kämpfen. An der Qualität des Game Boy Advance wurde letztlich viel bemängelt, etwa die fehlende Hintergrundbeleuchtung, mit der ich zugegebenermaßen selbst einige Schwierigkeiten hatte. Für Microsoft aber gilt es, größere Kämpfe in anderen Gebieten auszufechten. Um es klar zu sagen: Microsoft hegt derzeit keine Pläne, in den Markt für Spielehandhelds einzusteigen.
GM: Eine andere Geschichte um Sony ist das Announcement von Electronic Arts, onlinefähige Spiele nur für die PS2 zu veröffentlichen.
Moore: Electronic Arts ist ein wichtiger Partner für das Xbox-Team und liefert hervorragende Software für unsere Konsole. Wir haben ein Geschäftsmodell für "Xbox Live" implementiert, das sich mit der Onlinestrategie von Electronic Arts nicht hundertprozentig deckt. Wir führen viele Gespräche mit den Verantwortlichen von Electronic Arts, und ich bin mir sicher, dass wir eines Tages einen gemeinsamen Nenner finden werden. Ob das morgen, in einer Woche oder in einem Jahr ist, bleibt offen. Electronic Arts zählt mit EA.com zu den Pionieren im Onlinebereich und hat in den vergangenen Jahren viel Kapital in den Aufbau einer Infrastruktur investiert. EA verfügt über viele ausgezeichnete Spiele, etwa "Madden", das in den USA äußert populär ist, und viele fantastische Franchises, wie etwa "Der Herr der Ringe" und "Harry Potter". Diese Spiele wird es auch für Xbox geben. Die Tatsache, dass sie jedoch nicht über die Onlinekomponente "Xbox Live" verfügen, ist für uns sicherlich eine Enttäuschung. Andererseits haben wir aber auch ohne EA eine Menge guter Spiele für unseren Onlinedienst in petto, wie etwa "Halo 2", oder "Counter Strike". In den nächsten Monaten können die Konsumenten aus einem Portfolio von über 100 "Xbox Live"-fähigen Spielen wählen. Larry Probst und John Riccitiello sind gute Freunde von Microsoft. Es gibt einzig unterschiedliche Ansichten über Geschäftsmodelle. Letztendlich geht es um nicht mehr und nicht weniger.
GM: Schauen wir mal auf eine Sprung in der Gerüchteküche vorbei. Will Microsoft nun Sega oder Vivendi Universal Games kaufen?
Moore: Microsoft kommentiert keine Gerüchte, um dies vorwegzunehmen. Sega musste in den letzten Wochen einmal mehr durch stürmische See fahren. Ich hatte eine tolle Zeit bei Sega und wünsche dem Unternehmen alles erdenklich Gute. Ich wünsche Sega einen starken Partner zur Seite, auch wenn dieser nun nicht, wie erwartet, Sammy oder gar Namco heißen wird. Auch in Sachen Vivendi Universal Games kann ich derzeit nicht mehr berichten. VUG ist ein wichtiger Partner für uns. Ich wünschte, jemand würde VUG bald kaufen, damit würden die Zeitungen eine Menge Papier sparen und wir eine Menge Nerven. Jedes Unternehmen könnte sich aber glücklich schätzen, einen qualitativ so hochwertigen Content wie den von VUG in sein eigenes Portfolio mit aufzunehmen.
"Größere Kämpfe jenseits des Handheldmarkts"
GM: Wie laufen die Arbeiten an der Xbox 2?
Moore: Wir arbeiten daran. Eines muss aber bereits jetzt klar sein: Wir werden es der Konkurrenz nicht mehr erlauben, sich einen so großen zeitlichen Vorteil zu verschaffen, wie bei dieser Konsolengeneration geschehen. Zum Launch der Xbox lagen wir gegen Sony bereits mit 0:4 zurück. Mit Xbox 2 werden wir Sony auf Augenhöhe begegnen und die Regeln vielleicht zu unseren Gunsten verändern können. Beim nächsten Mal heißt das Match dann auch nicht mehr PlayStation gegen Xbox, sondern Sony gegen Microsoft. Hier geht es nicht mehr nur um Games, sondern um Entertainment als Ganzes. In diesem Kontext versteht sich das Unternehmen Microsoft wie kein anderes auf die Themen Software und Service. Auf ein Geschäftsmodell zu setzen, dass sich ausschließlich auf Offlinegames versteht, kann dabei auch nicht mehr funktionieren. Auch nicht für Sony, die ja bereits heute in den USA jede PS2 mit einem Netzwerkadapter ausliefern. Das ist eine klare Message in Richtung Microsoft, aber auch in Richtung Konsument, Handel und Industrie. Das Konzept von Onlinegames und Communities ist Wirklichkeit geworden. Jede Konsole, die im Markt zählt, muss jetzt onlinefähig sein. Wir glauben, hier den Vorteil auf unserer Seite zu haben. Wir haben bereits die Erfahrung im Internetsegment, haben die Infrastruktur und das Know-how, beispielsweise in Sachen Abrechnungssysteme.
GM: Welchen Part spielt in diesem Szenario Nintendo?
Moore: Der eben beschriebene Kampf geht über das Segment Videospiel hinaus. Wenn wir unseren Konsumenten betrachten und nachverfolgen, wofür er Geld ausgibt, stoßen wir neben Games unter anderem auch auf Musik und digitale Fotografie. Nintendo hat sich dazu noch nicht geäußert.
GM: Kommen wir zurück zur aktuellen Xbox. Wie sieht es mit der Performance speziell in Europa und in Deutschland aus?
Moore: Derzeit könnte ich über die Performance nicht glücklicher sein, gerade nach dem sehr erfolgreichen Weihnachtsgeschäft. Unsere Zielsetzung war es, uns deutlich von GameCube abzusetzen, und das ist uns gelungen, ungefähr im Verhältnis 2:1. Als Reaktion darauf, besonders in UK und Frankreich, haben Sony und Nintendo die verschiedensten Preisaktionen gestartet. Wir haben uns am 11. April mit einem europaweiten Preis von 199 Euro beziehungsweise 129 Pfund in Großbritannien erneut deutlich von der Konkurrenz distanziert. Die Abverkaufsrate für Xbox hat sich seitdem verdoppelt. GameCube, mit Ausnahme des französischen Markts, hat einen Marktanteil im einstelligen Bereich. Viele Händler haben bereits damit begonnen, das Portfolio für GameCube zu verringern. Der Handel kann nicht alles aufnehmen und geht insbesondere im Fall Nintendo nun sehr selektiv vor. Im Moment sind die Handelsflächen im Groben zu rund 60 Prozent mit Play-Station-2-Produkten, zu 35 Prozent mit Xbox-Produkten und fünf Prozent mit GameCube-Produkten gefüllt. In Marktanteilen gerechnet, stehen wir derzeit bei 45 Prozent in Deutschland und bei 35 Prozent in UK. In Frankreich müssen wir noch zulegen.
GM: Nintendo führt in diesem Zusammenhang andere Zahlen an, die Nintendo Position 2 zuschreiben.
Moore: Da liegt Nintendo aber eindeutig falsch. Wir richten uns in Europa nach den GfK-und ChartTrack-Zahlen, in den USA nach den Daten der NPD Group. Wir liegen derzeit bei rund acht Millionen ausgelieferten Units und planen mit neun Millionen bis zum Geschäftsjahresende. Letzten Endes haben wir mit diesen Zahlen die meisten Analysten und Brancheninsider überrascht. Die Prognosen noch zum Launch der Xbox gingen davon aus, dass sich wieder alles auf Sony und Nintendo zuspitzt. Das ist nicht geschehen. Denn wenn Microsoft investiert, dann gewaltig. Und an Microsofts Firmengeschichte kann man ablesen, dass wir viele Dinge möglicherweise beim ersten Mal falsch angepackt haben, dass wir aber nie versagen. Wir haben das finanzielle Rückgrat und einen Bill Gates, der von der Xbox und der Zukunft der digitalen Unterhaltung überzeugt ist.
GM: Wie steht es um den Rentalvideomarkt und Xbox? In Deutschland räumt Microsoft dem Handel kein Verleihrecht ein.
Moore: In den USA ist das Verleihgeschäft in Kooperation mit Blockbuster, die rund 5000 Filialen haben, und Hollywood Video mit rund 1200 Filialen sehr erfolgreich. Die Zukunft liegt dabei meiner Meinung nach beim DVD-Internetverleih Netflix. Der Kunde muss nicht mehr in die Videothek gehen, um sich Filme auszuleihen, sondern die Videothek schickt sie ihrem Konsumenten zu. In Europa besteht darüber hinaus aber das Problem, dass die Verleihlandschaft sehr fragmentiert ist. Für uns ist es besser, hier über die Distributoren zu gehen, für die Vertriebe ist der Verleih schwierig zu realisieren.