Im Gespräch: Philip Weiss, metricminds
Über den Erfolg eines Spiels entscheiden auch die Überzeugungskraft und die realistische Darstellung der Charaktere. Immer wichtiger wird dabei das Hilfsmittel Motion Capturing. GamesMarkt.de sprach mit Philip Weiss, Chef des deutschen MoCap-Studios metricminds.
GamesMarkt.de: Was bietet metricminds Entwicklerteams?
Philip Weiss: metricminds versteht sich als Fullservice-Anbieter im Bereich Bewegung, Farbe und Form. Wir spezialisieren uns dabei primär auf Motion Capturing und 3D-Object-Scanning. In diesen Bereichen bieten wir professionelle, schnelle und hochwertige Dienstleistungen an.
GM: Im Bereich MoCap gibt es international eine Reihe führender Anbieter. Wie grenzen Sie sich von Teams wie House of Moves oder den Acclaim-Studios ab?
Weiss: Wir kennen das Leistungsspektrum und die Qualität der besten Wettbewerber weltweit. Dabei verfügen wir über hervorragende Kontakte unter anderem auch zu den führenden MoCap-Studios in den USA. Wir arbeiten mit diesen zusammen, wo es für beide Seiten sinnvoll ist, und verwenden vergleichbare Pipelines. Es ist de facto so, dass europäische Unternehmen nicht in die USA fliegen, um MoCap-Aufnahmen oder Objektscans erstellen zu lassen. Insofern besteht keine echte Konkurrenzsituation zwischen uns und den oben genannten Studios. Man könnte in diesen Fällen eher von Kooperationen sprechen. Durch diese Kooperationen und unsere eigenen Bemühungen sichern wir einen durchgängig hohen Leistungsstand. Wir können dank unserer hohen Auslastung im Vergleich zu vielen Teilzeit-MoCap-Anlagen guten Service, aktuelle Technik und marktfähige Preise anbieten, und das bei guten Ergebnissen.
GM: Für welche Produkte ist Motion Capturing zu empfehlen, wo gibt es Schwierigkeiten?
Weiss: Motion Capturing ist für Spiele mit einer großen Charakteranzahl im vorwiegend humanoiden Bereich uneingeschränkt zu empfehlen. Die Kosten im Vergleich zur Handanimation sind geringer, die Produktionszeiten kürzer, und das Ergebnis kann qualitativ genau vorhergesagt werden. Wir haben inzwischen sehr erfolgreich auch mit verschiedenen Tieren gearbeitet. Im Bereich der Datenhandschuhe führen wir zurzeit erste, viel versprechende Produktionen durch, die erstmals die Verbindung von Volkörperanimationen mit äußerst filigranen Hand-Finger-Animationen ermöglichen. Damit kann Motion Capturing für manche Spiele mit First-Person-Perspective noch interessanter werden. Schwierig gestaltet sich Motion Capturing für Fantasy-/SF-Kreaturen, die keine Ähnlichkeit zu Menschen oder Tieren aufweisen. Für solche Produktionen empfehlen wir immer noch die Handanimation. Die meisten unserer Kunden verwenden mittlerweile Motion Capturing für jegliche Art von humanoiden Animationen und dressierbaren Tieren. Die Animators können die dadurch gewonnene Zeit verwenden, um Fantasykreaturen von Hand auf einem sehr hohen Niveau zu animieren. Dadurch lassen sich gecapturte und handanimierte Figuren schön in eine Spielwelt integrieren, ohne dass dem Spieler ein Qualitätsunterschied bei den Animationen auffallen müsste. Die meisten Schwierigkeiten im Bereich des Motion Capturing lassen sich durch sorgfältige Planung, ausreichendes Casting und eine erfahrene MoCap-Crew lösen. Darüber hinaus entstehende Probleme konnten wir bisher stets zur Zufriedenheit der Kunden lösen.
"Motion Capturing wird zum Muss"
GM: Für welche Spielgenres bietet sich MoCap besonders an?
Weiss: Für Strategiespiele (mit Beteiligung von Lebewesen), Rollenspiele, Adventures, Sportspiele und Shooter wird Motion Capturing in ein bis zwei Jahren ein Muss darstellen. Aber auch andere Genres wie Simulationen oder Rennspiele werden zur Abbildung von menschlichen Animationen an Motion Capturing nicht vorbeikommen.
GM: Wie sieht es mit der deutschen Entwicklerszene aus? Gibt es gemeinsame Projekte?
Weiss: Wir arbeiten inzwischen mit fast allen renommierten deutschen Entwicklern zusammen. Kurzfristig freue ich mich am meisten auf den nächsten "Anstoß"-Titel und natürlich das neue Produkt des "Siedler"-Erfinders Volker Wertich. Beide Titel werden aus unserer Sicht höchst professionell produziert und sollten auch sehr gute Marktchancen haben. Daneben arbeiten wir mit mehreren deutschen Entwicklern zusammen, die ihre Projekte erst nach Ablauf des Jahres veröffentlichen werden, viele davon sind noch geheim. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich höchst interessante und viel versprechende Projekte für 2003 ankündige.
GM: Wo sehen Sie metricminds in drei Jahren?
Weiss: Wir möchten uns in jedem Fall als Marktführer für Motion Capturing in Deutschland positionieren und zudem auch in ganz Europa ein umfassendes Kundenportfolio aufbauen. Im technischen Bereich wollen wir alles tun, um die deutsche Spieleindustrie dabei zu unterstützen, den Abstand zur Weltspitze weiter zu verringern, und wir wollen dabei helfen, international erfolgreiche deutsche Produktionen hervorzubringen.