Von 29. August bis 1. September findet in Leipzig die erste GC - Games Convention statt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im Gespräch mit GamesMarkt.de äußern sich die VUD-Geschäftsführer Hermann Achilles und Ronald Schäfer zum aktuellen Stand der Dinge.

GamesMarkt.de: Die Unterhaltungssoftwarebranche war in Sachen Messe lange Zeit nur fünftes Rad am Wagen diverser Messen. Mit der GC rückt nun eine Plattform in greifbare Nähe, die sich ausschließlich dieser Branche widmet. Welche Bedeutung hat der Event für die Branche?

Ronald Schäfer: Sie sagen es in Ihrer Frage eigentlich schon selbst, die GC ist eine Plattform, die sich ausschließlich dieser Branche widmet. Sie ist die erste wirkliche "Eigendarstellung" der Unterhaltungssoftwareindustrie. Sie bietet der Industrie ein vielfältiges Potenzial für die Fachbesucher- und Konsumentenansprache. Darüber hinaus ist sie ein ideales Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit der Branche.

GM: An dem GC-Projekt war der VUD maßgeblich beteiligt und fungiert als ihr ideeller Träger - wie sehen Trägerschaft und Engagement des VUD hier im Detail aus?

"GC wird ein Erfolg für die Branche"

Hermann Achilles: Vorstand und Geschäftsführung des VUD haben das Thema "Messe" nach der Absage der letzten CeBIT Home zur Verbandssache erklärt. Der Verband war und ist in beratender Funktion in die konzeptionelle Gestaltung der Veranstaltung ebenso eingebunden wie in deren Vorbereitung und Durchführung. Das wirtschaftliche Risiko der Veranstaltung trägt die Leipziger Messegesellschaft.

GM: Am Messekonzept haben auch die VUD-Mitgliedsfirmen mitgewirkt. In welcher Form?

Schäfer: Wer kennt die Wünsche und Anforderungen unserer Industrie an eine Messe besser als diese selbst? Also war es sinnvoll, einen Messebeirat mit kompetenten Vertretern der Industrie zu besetzen. Der Beirat hat in der Vergangenheit verschiedene Funktionen übernommen und wird das auch in der Zukunft tun. Da die GC eine völlig neue Messe ist, galt es zuerst, die grundsätzliche Ausrichtung der GC festzulegen, d.h., es musste ein Einklang zwischen dem Anforderungsprofil der Branche und den Möglichkeiten des Messeplatzes hergestellt werden. Dafür wiederum war es wichtig, für eine paritätische Besetzung des Messebeirats zu sorgen, also allen Interessensbereichen der Branche die Gelegenheit zu bieten, ihre Vorstellungen einbringen zu können. Nachdem das erreicht war, begann die eigentliche Aufgabe als "Beirat" des Veranstalters. In der praktischen Arbeit bedeutet das konkret die begleitende Beratung und Unterstützung bei der Konzeptionierung ebenso wie bei der Umsetzung. Der Beirat wird aus zwei Gründen über die diesjährige GC hinaus bestehen bleiben: Zum einen ist es sinnvoll, die geleistete Arbeit nach der GC zu resümieren, zum anderen, die Erfahrungen für die Konzeption der GC 2003 gleich umzusetzen.

GM: Die GC ist als Fach- und Publikumsmesse konzipiert. Was ist geplant, um möglichst viele Besucher nach Leipzig zu locken?

Achilles: Eine breite Palette von Maßnahmen, wobei unterschiedliche Zielgruppen der unterschiedlichen Ansprache bedürfen. Der gewählte Zeitpunkt bildet einerseits den Abschluss des internationalen Messekalenders der Branche und liegt direkt vor der heißen Absatzphase des Jahresendgeschäfts. Also der ideale Zeitpunkt für den Handel, für den wichtigsten Teil des Jahres zu disponieren - unter anderem anhand der Reaktion des Verbrauchers auf die Produkte, die er mit höchster Wahrscheinlichkeit in den auf die GC folgenden Wochen erwerben kann. Dieser Hintergrund macht die Veranstaltung für den Fachbesucher hoch interessant. Die GC wird jedermann/-frau Gelegenheit bieten, das zu sehen, anzufassen und auszuprobieren, was er/sie bisher nur vom Hörensagen kannte, was er/sie in den auf die GC folgenden Wochen im Handel erwerben kann. Hier ist der so genannte Power-Gamer ebenso anzusprechen wie der so genannte Casual-Gamer. Die Investition in eine Messe rechnet sich für einen potenziellen Aussteller nur dann, wenn neben dem PR- und Marketingeffekt für ihn und die Gesamtbranche die Chance besteht, im Rahmen der Veranstaltung auch neue Verbrauchergruppen auf seine Produkte aufmerksam zu machen. Das bedeutet, die Aussteller sind gefordert, sämtliche Facetten der Nutzung ihrer Produkte darzustellen. Für den Veranstalter bedeutet dies, für alle Zielgruppen einen Unterhaltungsmehrwert zu schaffen. Dieses Spektrum wird die Entertainment Night am Samstag ebenso umfassen wie eine LAN-Party. Und eine Sonderschau wird die aktuellen Produkte ebenso darstellen wie die Geschichte der Branche.

GM: Was hat der Handel davon, wenn er zur GC kommt? Welche Möglichkeiten bietet ihm diese Messe?Schäfer: Ein eigens für die Fachbesucher, also den Handel, eingerichtetes Business-Center ist speziell auf die Bedürfnisse dieser Besucher ausgerichtet. Hier findet der Händler alle seine Gesprächspartner, kann in Ruhe seine Fachgespräche führen oder auch zwischen den Gesprächen verweilen. Er kann sich aber auch jederzeit in das nur wenige Meter entfernte Getümmel in den Ausstellungshallen stürzen, um hautnah zu erfahren, wie und worauf die Konsumenten reagieren.

GM: Wenn Kritik an der GC laut wurde, bezog sie sich in der Regel auf den Standort Leipzig. Wie bewerten Sie den Standort?Achilles: Diese Kritik hatte in der Regel eher einen emotionalen als einen sachlichen Hintergrund. Die heutige Infrastruktur der Stadt, die Verkehrsanbindungen über Straße, Bahn und Luft machen Leipzig problemlos und schnell erreichbar. Im direkten Vergleich mit anderen Messestandorten, durchgeführt vom Wirtschaftsmagazin "Impulse", hat Leipzig bei einem Servicecheck unangefochten Platz eins belegt! Dazu kommt ein Messegelände, das hinsichtlich der technischen Ausstattung in Deutschland seinesgleichen sucht. Wer darüber hinaus noch Zeit hat, die Stadt zu besuchen, wird spätestens dann alte Klischees schnell vergessen. Schließlich zeigen uns die Ergebnisse der Marktforschung, dass gerade in den neuen Bundesländern überdurchschnittlich viel Geld für die Produkte unserer Industrie ausgegeben wird. Im Übrigen möchte ich, was das Potenzial der Stadt und der Region angeht, an dieser Stelle einmal auf das Engagement von Porsche und BMW verweisen - was für die Automobilindustrie richtig ist, kann für unsere Industrie nicht völlig falsch sein.

GM: Wird sich der VUD, eventuell zusammen mit anderen Branchenverbänden, an der GC als Aussteller beteiligen?

Schäfer: Auch der VUD wird sich und seine Arbeit, oder jedenfalls Teile davon, im Rahmen der GC darstellen. Welche Form genau an welcher Stelle in den Rahmen der Veranstaltung passt, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden - entsprechende Gespräche mit potenziellen Partnern werden zurzeit geführt.

GM: Hier böte sich doch die GVU an, mit der zusammen man Aktionen zum Thema Antipiraterie umsetzen könnte.

Schäfer: Wie schon gesagt, wir wollen alle Themen unserer Branche auf der GC zeigen. Dazu gehört das Thema Piraterie ebenso wie der Jugendschutz. Darum werden die USKUSK antreffen. Gerade ein Event wie die GC bietet für beide Organisationen eine sehr gute Plattform für umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit.

GM: Wird es nach dem Vorbild anderer Messen, etwa der PopKomm., auch eine Art Kongress oder Seminare für den Fachbesucher geben?

Achilles: Das ist ganz klar eine Frage der zur Verfügung stehenden Ressourcen, insbesondere der zeitlichen Ressourcen der Besucher. Ein attraktives Kongress- und Seminarprogramm während der Veranstaltung bindet, das zeigt die Erfahrung, den Besucher in zeitlicher Hinsicht und vermindert die Zeit, die auf die Produkte und das übrige Rahmenprogramm verwendet werden kann. Am Rande der Veranstaltung stellt sich sowohl die Frage nach der Akzeptanz als auch der organisatorischen Ressourcen. Das bedeutet keinesfalls, dass die GC - und insbesondere das Business-Center - nicht Ort des über das Tagesgeschäft hinausgehenden Fachgesprächs sein kann und soll.

GM: Inwieweit ist die GC-Plattform offen für Aussteller aus den benachbarten Entertainmentbranchen wie Musik, DVD etc.?

Schäfer: Die GC ist in ihrer Ausrichtung offen für alle Bereiche der digitalen Unterhaltung und Kommunikation, eben weil hier die unterschiedlichsten, nicht nur technisch bedingten Verknüpfungen bestehen. Ich nenne nur beispielhaft die DVD, die den Film, den Soundtrack und das in Lizenz zum Film entstandene Spiel enthält. Ganz abgesehen davon, dass die Medien mittlerweile auch beim Handel mehr und mehr in ihrer Gesamtheit zu finden sind.

GM: Werden auch schon internationale Aussteller akquiriert?

Achilles: 80 Prozent unserer Mitgliedsfirmen sind international operierende Unternehmen. In erster Linie ist die GC auf den nationalen Markt ausgerichtet und wird dessen Anforderungen gerecht werden. In Zeiten des europäischen Binnenmarkts ist die GC natürlich automatisch auch gleichzeitig international. Daneben werden jedoch auch Veranstaltungen wie die Milia oder die E3 als Plattform für die Akquise ausländischer Aussteller genutzt werden.

GM: Es gab mal Überlegungen, weitere branchenaffine Zielgruppen wie das USF anzusprechen und an die GC zu binden. Wie sieht hier der Zwischenstand aus?

Schäfer: Die GC ist als Treffpunkt der Branche in Deutschland konzipiert, daher ist jeder, der sich selbst zu dieser Branche zählt, aufgerufen und eingeladen, seinen Teil zur Gestaltung der Veranstaltung beizutragen. Aus diesem Grund haben wir in alle Richtungen Gespräche geführt und werden diese auch in der Zukunft fortsetzen.

GM: Wir danken für das Gespräch

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