Im Gespräch mit GamesMarkt.de erläutern Iréne Toporkoff-Mayer und Markus Malti von Wanadoo Edition den Vertriebswechsel zu Bigben Interactive und die Vermarktungsstrategie für "Dark Age Of Camelot".

GamesMarkt.de: Zum Jahreswechsel hat Wanadoo seinen deutschen Vertriebspartner gewechselt. Warum?

Iréne Toporkoff-Mayer: Bigben Interactive ist im Bereich Onlinegames einer der erfahrensten Distributoren in Deutschland. Schon in der Vertriebsstrategie für andere Onlinegames zeigte sich Bigbens fundiertes Fachwissen. Von diesen Genre- und Marktkenntnissen darf künftig auch Wanadoo profitieren. Neben Bigbens Erfahrungsschatz spielt die Marktposition des Unternehmens eine wichtige Rolle für Wanadoos Entscheidung zum Wechsel. Um das im ersten Jahr schon deutlich profilierte Image des Labels weiter zu stärken, setzt die französische Geschäftsführung auf einen Vertriebspartner, der sich als reiner Distributor versteht und sich ganz auf die ihm anvertrauten Marken konzentrieren kann.

GM: Kommt es durch den Wechsel zu Veränderungen in der Releaseplanung bzw. zu Veränderungen in der Vertriebsstrategie?

Iréne Toporkoff-Mayer: Die Releaseplanung wird von dem Distributorwechsel unberührt bleiben. Bezüglich der Vertriebsstrategie werden wir natürlich alle wichtigen Off- und Online-Vertriebskanäle nutzen, wobei der Schwerpunkt ganz klar im Offlinebereich liegt. "Dark Age Of Camelot" ist zwar ein reines Onlinespiel, gleichwohl ist es aber zwingend erforderlich, sich die physische DVD-Box zu kaufen. In der Box befinden sich nicht nur das Spiel und die Bedienungsanleitung, sondern auch noch eine sehr hilfreiche Landkarte, in der die verschiedenen Reiche von "DAOC" geographisch aufgezeichnet und erklärt sind. Bezüglich der Distribution und des Handels gibt es somit eigentlich keine großen Unterschiede zu einem Offlinespiel. Für den Handel haben Onlinespiele sogar noch Vorteile, beispielsweise, dass es keine Raubkopien gibt. Hier wollen wir mit unseren Handelspartnern an die sehr gute Zusammenarbeit vom letzten Jahr anknüpfen.

GM: Bigben ist als deutscher Distributor für Dreamcast sehr erfahren bei der Vermarktung von Onlinespielen. Wie will Wanadoo für den Titel "Dark Age Of Camelot" von dieser Erfahrung profitieren?

Iréne Toporkoff-Mayer: Wir haben mit "Dark Age of Camelot" den Referenztitel in seinem Genre. So ein potenzieller Hitkandidat sollte von einem Vertrieb vermarktet werden, der weiß wie dieser auch wirklich zum Hit zu machen ist und vielleicht auch aus Erfahrungen der Vergangenheit gelernt hat. Die Voraussetzungen sind jedenfalls exzellent um "DAOC" zum Verkaufshit werden zu lassen, nämlich das Zusammentreffen eines sehr erfahrenen Vertriebsteams und eines qualitativ und spielerisch herausragendes Games.

GM: Welche besonderen, strategischen Herausforderungen hat die Vermarktung eines Onlinespiels im Vergleich zu einem Offlinegames?

Markus Malti: Die Vermarktung eines Onlinespiels erfordert eine komplett andere Marketingstrategie, da die Zielgruppe sehr klar definiert ist. Bezüglich des Vertriebes gibt es zwar keine großen Abweichungen zu Offlinespielen, außer, dass vielleicht der eine oder andere Vertriebskanal dazukommt. Im Marketing sieht das anders aus: Die Zielgruppe für Online-Rollenspiele in Deutschland sind zum derzeitigen Zeitpunkt klar die Hardcoregamer, welche dann Meinung machen, wodurch wiederum die Gamer motiviert werden, sich mit Online-Rollenspielen zu befassen. Und diese Hardcoregamer wollen wir auch in erster Linie erreichen. Das heißt für uns aus Marketingsicht, die Absatzförderung (nichts anderes heißt ja Marketing) zu kanalisieren. Der Unterschied zu einem Casual-Gamer-Produkt ist gravierend. Das beginnt mit der klassischen Anzeigenwerbung bis hin zu Kooperationspartnern. Hier ist meine Erfahrung aus meiner Zeit bei Sega sehr hilfreich, da ich ja auch bei der Vermarktung von "ChuChu Rocket" und "Phantasy Star Online" (reine Online Spiele) unmittelbar beteiligt war.

GM: Welche Erwartungen haben Sie an "Dark Age Of Camelot"?

Iréne Toporkoff-Mayer: Die Höchsten! Der Betatest ist super gelaufen, die Spielefachpresse ist begeistert. So hat "DAOC" als erstes Internet-Rollenspiel einen "GameStar Jahres-Award" bekommen. Schon allein die Vorzeichen aus den USA stimmen euphorisch. Um es zu konkretisieren: Wir versprechen uns von "DAOC" das Game von Anfang an als Referenztitel im Bereich Online-Rollenspiele zu positionieren. Die positive Resonanz ist überwältigend und wir sind überzeugt davon, unser Ziel von Beginn an zu verwirklichen.

GM: Onlinegaming ist in Deutschland ein noch vergleichsweise kleines Geschäftsfeld. Dass birgt Risiken aber auch Möglichkeiten in der Zielgruppe. Wie wirkt sich dies auf die Vermarktungsstrategie aus?

Markus Malti: Das Geschäftsfeld Onlinegaming wächst kontinuierlich. Wirtschaftsmagazine und Marktstudien kommen zu dem Ergebnis, dass der deutsche Internetuser jetzt bereit ist, für das Angebot im Netz Geld zu zahlen. Da wir im ersten Step eine vergleichsweise kleine (rund 150.000 Hardcoregamer), aber auch sehr treue Zielgruppe ansprechen und die Life Time eines Onlinespieles ja wesentlich länger ist, wird die Vermarktung folgendermaßen aussehen:

GM: Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das Genre Rollenspiel im deutschen Markt?

Markus Malti: Rollenspiele haben sich im deutschen Markt, genau wie Strategiespiele (oft gibt es ja Mischungen aus beidem) schon immer sehr gut verkauft, wenn die Qualität stimmte. Wir liefern eine exzellente Qualität in Kombination mit der nächsten Generation des Spielens, nämlich Onlinegaming. Von daher denke ich, dass wir das richtige Spiel, das richtige Genre und die richtige Zeit für den deutschen Markt gewählt haben. "Dark Age of Camelot" wird bei uns den Erfolg, den es in den USA hat, wiederholen.

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