Vor exakt neun Jahren ging Playcom an den Start und verzeichnet ein kontinuierliches Wachstum. Jetzt hat sich der Großhändler eine neue Corporate Identity (CI) verordnet. Anlaß genug für ein Gespräch mit Geschäftsführer Wolfgang Myrth über seine weiteren Pläne, Ziele und das allgemeine Marktgeschehen.

GamesMarkt.de: Playcom hat sich eine CI gegeben. Warum?

Wolfgang Myrth: Der Grund für eine CI ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Playcom ist in den letzten Jahren von einer Zwei-Mann-Firma zu einem Unternehmen mit 35 Mitarbeitern angewachsen. Unser professionelles Auftreten im geschäftlichen Bereich soll jetzt durch ein professionelles Auftreten im Erscheinungsbild sinnvoll ergänzt werden.

GM: Wie wird die neue CI aussehen?

Myrth: Im neuen Logo wird die Wortmarke Playcom optisch durch einen Bogen ergänzt, ähnlich der Aura eines Planeten im Weltall. Das neue Logo wird in allen marketingtechnischen Bereichen zum Einsatz kommen, sprich: Anzeigen, Briefpapier, Kataloge usw. Das komplette Erscheinungsbild soll durch die Coporate Identity bzw. das Coporate Design vereinheitlicht werden. Ziel ist es, einen deutlichen Wiedererkennungseffekt zu erzielen.

GM: Wie ist Playcom heute aufgestellt?

Myrth: Seit der Gründung im Oktober 1992 ist unser Unternehmen sehr stark gewachsen und hat sich im Laufe der Zeit auch stark gewandelt. Letztendlich haben wir uns auf das Segment Vollsortimentsgroßhandel spezialisiert. Wir bedienen Händler, die mit unserem Marktsegment den Computer-, Videospielen und DVD Videos nicht so viel Umsatz machen, um direkt mit der Industrie zu arbeiten, sprich: dort direkt einzukaufen. Für diese Händler steht die Relation zwischen Aufwand und Nutzen einer direkten Industriekommunikation bei weitem nicht in Einklang. Wir schließen diese Lücke zwischen Industrie und Einzelhändler.

"Verkaufen von PS2 die siebenfache Menge"

GM: Welche Produkte umfasst Ihr Sortiment?

Myrth: Wir führen im Grunde genommen alles, was zu den Segmenten Entertainment-, Infotainment- und Edutainmentsoftware und gehört. D.h. wir führen diese Produkte für alle gängigen Systeme, das sind zur Zeit PC, PSone, PlayStation 2, Game Boy Color und Advance, Nintendo 64 und Dreamcast. Darüber hinaus bieten wir natürlich die Konsolenhardware sowie ein umfangreiches Sortiment an Zubehörprodukten für alle Systeme an, darunter Joypads, Joysticks, Lenkräder Memory Cards. Zusätzlich zum Spielebereich haben wir als einer der ersten bereits seit 1998 DVD Videos bei uns im Angebot. Mit knapp 3.000 gelisteten Filmen bieten wir hier unseren Kunden die größtmögliche Auswahl.

GM: Wie sieht Ihre Kundenstruktur aus?

Myrth: Wir haben im Moment mehr als 6000 Händler in unserer Datenbank, wovon derzeit rund 2000 Händler regelmäßig betreut werden. Bei etwa 600 Händlern gehen wir davon aus, dass sie fast ausschließlich bei uns kaufen und nur für andere Segmente weitere Lieferanten nutzen.

GM: Wie hoch ist der Anteil an Kunden, die über Playcom DVDs beziehen?

Myrth: Diesen Anteil kann ich nicht genau beziffern, weil er kontinuierlich steigt. Gerade auch durch die aktuelle Preissenkung der PlayStation 2 erkennen immer mehr Einzelhändler, dass sie ihren Kunden, wenn sie denen schon einen DVD-Player, sprich: die PS2, verkaufen, auch die notwendigen DVD Videos anbieten müssen. Im Moment ordern etwa 150 bis 200 unserer Händler regelmäßig DVDs.

GM: Welches Gesamtumsatzvolumen haben Sie im letzten Jahr erreicht?

Myrth: Vom Geschäftsjahr 1999/2000, das bei uns am 31. Mai endet, zum Geschäftsjahr 2000/2001 konnten wir eine Umsatzsteigerung von fast 40 Prozent auf über 41 Mio. Mark realisieren. Dieses Ergebnis wäre undenkbar ohne den bemerkenswerten Einsatz aller unserer Mitarbeiter.

GM: Aus verschiedenen Gründen ist der Markt für Unterhaltungssoftware in den vergangenen Monaten unter Druck geraten. Das hat auch der Handel zu spüren bekommen. Die Reihe von Insolvenzen sprechen Bände. Wie hat sich diese Situation auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Myrth: Auf der einen Seite haben wir Kunden verloren, weil sie schlichtweg nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Die Ursachen und Gründe dafür sind aber nicht allein in der Übergangsphase der Konsolenhardware zu finden. Diese Entwicklung hängt vielfach auch von regionalen Rahmenbedingungen ab.

GM: Zum Beispiel?

Myrth: Wenn sich etwa ein Wettbewerber vom Kaliber eines MediaMarkt in unmittelbarer Nähe eines kleinen Fachhändlers niederlässt, dann sinken seine Chancen in der Regel ganz schnell gegen Null. Insgesamt hält sich die Zahl der Kunden, die wir in den letzten Monaten verloren haben, aber sehr in Grenzen. Der Prozentsatz dürfte zwischen zwei und drei Prozent liegen. Auf der anderen Seite haben wir sehr viele Neukunden gewonnen, die nicht zuletzt aus den Insolvenzen unserer Mitbewerber resultieren. Der größte Umsatzzuwachs kam allerdings von Kunden, die bereits Kunde bei uns waren, jetzt aber ihr Einkaufsvolumen erhöht haben. Dies erklärt sich für uns hauptsächlich aus unseren verbesserten Serviceleistungen und unserer erhöhten Lieferfähigkeit. Ein Teil des zusätzlichen Umsatzes kam aber sicherlich auch durch die Insolvenzen unserer Mitwettbewerber.

"Knapp 3000 gelistete DVD im Angebot"

GM: Die Halbjahresbilanz 2001 des VUD weist für den Gesamtmarkt einen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent aus. Wie erklären Sie sich das?

Myrth: Hauptursache dafür ist der Preisverfall. Der durchschnittliche Preis per Unit ist in den letzten zwei bis drei Jahren um über 20 Mark gefallen. Gleichzeitig konnten wir in den vergangenen Jahren beobachten, dass immer mehr Titel zweit- und drittvermarktet wurden. Daher erklärt sich auch der kontinuierliche Anstieg bei den Absatzzahlen im Gesamtmarkt, während der Umsatz geradezu stagniert. Eine Umkehr dieses Trends gibt es nur dann, wenn eine neue Konsole auf den Markt kommt, wie vor knapp einem Jahr mit der PS2 der Fall war. Die Software für diese neue Plattform kosten dann zwischen 100 und 120 Mark, sodass der durchschnittliche Verkaufspreis wieder leicht ansteigt. Aktuell hoffen wir vor allem, dass wir dank des neuen Preispunktes bei der PS2-Hardware im Weihnachtsgeschäft noch mehr PS2-Software umsetzen werden.

GM: Der neue Preispunkt gilt seit dem 28. September. Wie hat sich das konkret bei Ihnen niedergeschlagen?

Myrth: Wir verkaufen jetzt wöchentlich circa die siebenfache Menge dessen, was wir vorher an Hardware abgesetzt haben. Auch die Softwarezahlen sind seither deutlich gestiegen, allerdings konzentriert sich diese Entwicklung auf die Neuheiten. Für eine seriöse Bewertung, wie viel Software die preisreduzierte PS2 jetzt tatsächlich mehr zieht, ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach noch zu früh.

GM: Sie waren einer der wenigen Händler, die am  teilgenommen haben. Wie lautet Ihr Resümee?

Myrth: Für mich war das Branchenforum eine sehr interessante Erfahrung, weil dort alle für die Industrie relevanten Themen angesprochen wurden.

GM: Ein Thema war die Präsentation der "GC - Games Convention". Hat Sie das Messekonzept überzeugt?

Myrth: Voll und ganz. So ein Konzept war aber auch lange überfällig. Ich habe nie verstanden, warum ich als Händler auf die unterschiedlichsten Messen wie Spielwarenmesse, E3, ECTS, CeBIT, IFA usw. gehen mußte. Ich bin sehr froh, dass sich die Unterhaltungssoftwarebranche endlich einheitlich auf einer Messe darstellt und diese als Plattform bzw. Sprachrohr für ihre Zwecke nutzt. Die "GC - Games Convention" scheint der richtige Ansatz zu sein, um die Kommunikation zwischen Industrie und Handel auf der einen und zwischen Industrie und Endverbraucher auf der anderen Seite entscheidend voranzutreiben.

GM: Wird Playcom als Aussteller auf der "GC" vertreten sein?. Sie betreiben immerhin neben dem Großhandelsgeschäft auch noch einen Versandhandel für Endverbraucher.

Myrth: Wir denken derzeit intensiv darüber nach, ob und wie wir uns gegebenenfalls auf der "GC" präsentieren werden. Sollten wir uns dafür entscheiden, dann allerdings nicht für den Endverbraucher. Der Endverbraucherhandel ist lediglich ein Überbleibsel aus unseren Anfangsjahren, das wir derzeit nur noch als Zusatzgeschäft betreiben.

GM: Welchen Umsatz erzielt Playcom mit diesem Direktgeschäft?

Myrth: Der Umsatzanteil liegt bei ungefähr sieben Prozent, davon geht rund die Hälfte auf das Konto unseres Onlineshops. Der Anteil ist also verschwindend gering. Mit dem Internetgeschäft verfolgen wir aber das Ziel, einschlägige Erfahrungen zu sammeln. Diese wollen wir dann in einer zweiten Phase auch unseren Handelspartnern in Form einer Online-Bestellmöglichkeit zur Verfügung stellen. Auf mittlere Sicht ist eine Internetplattform geplant, auf der die logistische Abwicklung der Bestell- und Zahlungsvorgänge stattfindet. In Phase drei wollen wir den Händlern dann die Möglichkeit anbieten, einen eigenen Onlineshop zu gestalten, dem als Grundgerüst unsere Datenbank zur Verfügung steht. Zudem können wir dann auch für den Händler die Logistik und das Bestellwesen übernehmen.

GM: Wie sehen die weiteren Pläne von Playcom aus?

Myrth: Auf dem Boden der Tatsachen bleiben, nicht abheben und ja nicht glauben, dass man heute noch jedes Jahr Umsatzsteigerungen von 60, 80 oder gar 100 Prozent innerhalb eines Jahres realisieren kann.

GM: Wie schätzen Sie die künftige Rolle des klassischen Facheinzelhandels ein?

Myrth: Die nächsten Monate und Jahre werden eine weitere Konsolidierung des Marktes zeigen. Für sehr wahrscheinlich halte ich, dass der ganze Markt für Unterhaltungssoftware zu einem großen Bereich zusammenwachsen wird. Es wird künftig nicht mehr den klassischen Spielehändler geben. Schon jetzt ist erkennbar, dass das Segment Spielesoftware mit dem Segment DVD zusammenwächst. Auf lange Sicht wird dabei der Facheinzelhandel somit nicht nur eine Überlebenschance, sondern eine ganz klare Daseinsberechtigung haben. Mit der Komplexität der Systeme wird auch der Erklärungsbedarf für den Endverbraucher immer größer. Hier kann sich der Einzelhandel von den Flächenmärkten ganz klar abgrenzen. Durch Beratung, durch mehr Service, durch Know-how. Auf der anderen Seite wird es in fünf bis zehn Jahren den Independent-Spielehändler, wie wir ihn heute noch kennen, nicht mehr geben.

GM: Danke für dieses Gespräch.

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