Auf der IFA stand Manfred Gerdes, Geschäftsführer von Sony Computer Entertainment Deutschland, GamesMarkt.de Rede und Antwort. Themen waren unter anderem die IFA selbst und die Zukunft der PlayStation 2.

GamesMarkt.de: Sind Sie mit der IFA zufrieden?

Manfred Gerdes: Das Durchschnittsalter der IFA-Besucher ist zu hoch. Auf der einen Seite will sich die IFA jung und modern präsentieren, auf der anderen Seite ist sie stockkonservativ geblieben. Das passt einfach nicht zusammen. Wir treffen hier nicht die Zielgruppen an, die wir treffen sollten, jedenfalls nicht in ausreichendem Umfang.

GM: Was sollte die Messeleitung anders machen?

Gerdes: Die Verantwortung liegt nicht nur bei der Messe Berlin, sondern auch bei der Industrie, die diese Messe mit gestaltet. Die Industrie redet viel von Dingen wie "Händlertainment" und "Connectivity". Das sind Schlagworte, von deren Umsetzung man nicht viel sieht. Auch fehlt mir die Komponente Spaß. Sony ist einer der wenigen Aussteller, die mit dem Zelt "Walkman/PlayStation" etwas in dieser Richtung unternehmen. Wir verbinden die Ansprache jüngerer Zielgruppen mit der Präsentation unserer Produkte. Das muss der Weg sein.

GM: Die Gamesbranche hat der diesjährigen IFA nahezu komplett eine Absage erteilt.

Gerdes: Die Absenz unserer Third Partys trifft uns hart. Die IFA ist an sich eine gute Veranstaltung, gerade wenn man einen gemeinsamen Auftritt im Auge hat. Vielleicht war der vor zwei Jahren von uns vorgeschlagene Ansatz zu groß. Vielleicht war auch die Positionierung nicht richtig. Hätten wir an den entscheidenden Stellen gemeinsam mehr Druck ausgeübt, hätten wir in der Zwischenzeit eine andere Positionierung auf der IFA erreichen können.

"PlayStation 2 ist ein voller Erfolg"

GM: Woran ist es letztendlich gescheitert?

Gerdes: Am richtigen Platzangebot. Die Stände müssen nicht in einer Halle, sondern könnten auch in einem Zelt sein. Der Standort muss nur attraktiv sein.

GM: SCED präsentiert auf der IFA einige Produkte jenseits des reinen Spielens...

Gerdes: Die Kernausrichtung von SCE sind Videogames. Unser Ansatz ist, über dieses Spektrum hinauszugehen, dabei aber Videogames immer als unsere Basis zu sehen. Die PS2 soll zu einem Portal werden, durch das viele Interessen abgedeckt werden können.

GM: War die PlayStation 2 für Sony bis dato ein Erfolg?

Gerdes: Aus unserer Sicht, ja. Die PS2 hatte auf höherem Niveau einen ähnlichen Verlauf, wie vor fünf Jahren die PlayStation 1. Allerdings auf einem ganz anderen Preisniveau. Natürlich hätten wir mehr absetzen können, wenn wir preisaggressiver hätten vorgehen können. Das aber verhinderten wirtschaftliche Gründe.

GM: Die Sparte Computer-Entertainment hat die Sony-Bilanz im vergangenen Geschäftsjahr deutlich nach unten gedrückt...

Gerdes: Wir haben im letzten Jahr heftig verloren und plötzlich hat jeder vergessen, dass wir in den vergangenen Jahren einen exorbitanten Gewinnbeitrag zur Sony Corporation geleistet haben. Genauso hat jeder vergessen, dass wir mit PlayStation 1 zwei Jahre lang Verluste gemacht haben, bevor wir den Break-Even erreichten. Es ist ein hervorragendes Ergebnis, mit einem neuen Produkt an den Markt zu gehen und schon nach einem Jahr nahezu alle Investitionen amortisiert zu haben und in Richtung Gewinnzone zu gehen.

GM: Heißt das, SCE hat bald Spielraum für eine Preissenkung?

Gerdes: Nein, das wirtschaftliche Ergebnis steht vor dem Absatz. Natürlich könnten wir Absatz ohne Ende machen, wenn wir morgen den Verkaufspreis der PS2 auf 599 Mark senkten. Dann aber hätten wir einen Berg hausgemachter Probleme. Wir könnten gar nicht so viel produzieren, wie es nötig wäre.

GM: Wie stellt sich der Vergleich zwischen PlayStation 1 und PlayStation 2 in Zahlen dar?

Gerdes: Der Handel hat in den ersten zehn Monaten mit der ersten PlayStation 138 Millionen Mark Umsatz generiert, mit der PS2 460 Millionen Mark. Die Wertschöpfung hat sich also nahezu verdreifacht. Wenn wir das Jahr 2000 mit 2001 vergleichen, haben wir eine Wertsteigerung von 200 Millionen auf 300 Millionen Mark im Verkauf erzielt. Damit kann jeder zufrieden sein, vor allem der Handel.

GM: Wie sieht die Zukunft des Produkts PS2 aus?

Gerdes: Wir wollen mindestens 100 Millionen Units verkaufen. Wenn die derzeitige Entwicklung anhält, werden wir unser Ziel viel schneller erreichen, als es uns mit der PSone gelungen ist. Als Zweites werden wir das Thema Connectivity weiter angehen. Derzeit bietet die PS2 Games, DVD, Musik sowie Kompatibilität zur PSone. In Zukunft gehen wir auch in Richtung Broadband. Wir sprechen hier über den Network Digital-Entertainmentmarkt.

GM: Wie sehen die ersten Schritte in dieser Richtung aus?

Gerdes: Wir wollen für die PS2 in naher Zukunft die volle Nutzung des Internets. Das Schlagwort heißt "AOA": Always Online Access. Alle Themen abzugreifen, immer und überall. Das ist unser Ziel. Auch Wireless ist ein Thema. Es geht aber nicht nur um die Vernetzung mit dem Handy, sondern auch mit dem PDA. Der PDA von morgen ist der Game Boy von gestern.

GM: Wie sieht dabei Ihr Zeitplan aus?

Gerdes: Online werden wir Anfang 2002 sein. Etwa zur selben Zeit wird auch Wireless ein Thema sein. Irgendwann zwischen 2005 und 2015 werden wir definitiv einen digital vernetzten Unterhaltungsmarkt haben. 2015 werden Features wie AOA oder elektronischer Vertrieb so normal sein wie heute das Kabelfernsehen.

GM: Herr Gerdes, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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