Das Jahr 2001 war für den Großhändler und Distributor Flashpoint von zukunftsweisenden Veränderungen und Konsolidierung geprägt. Inzwischen ist der Vollsortimenter völlig neu aufgestellt. Die gesteckten Ziele sind hoch. GamesMarkt.de informierte sich vor Ort.

Lokaltermin in Glinde, 30 Kilometer östlich von Hamburg gelegen, auf schleswig-holsteinischem Territorium, eine Kleinstadt mit annähernd 15.400 Einwohnern. Am Ortseingang befindet sich das Industriegebiet Reinbek-Glinde, die Heimat des Großhändlers und Distributors Flashpoint AG, der im letzten Jahr neben dem regulären Tagesgeschäft sehr stark mit sich selbst beschäftigt war.

Genauer: In den vergangenen zwölf Monaten hat sich Flashpoint völlig neu aufgestellt. Im Zeitraffer betrachtet, wurden ein Außendienst, eine Key Account-Funktion und ein Vertriebsleiter neu installiert, die Aktivitäten des Mediengroßhändlers Ultra Media übernommen, das Gamessortiment (Video und Computerspiele sowie Konsolenzubehör) um Tonträger und Hörbücher, DVD und VHS ergänzt, ein Zubehörlabel etabliert und eine neue Corporate Identity aus dem Boden gestampft, um nur einiges zu nennen. Kurzum: Die Veränderungen im Hause Flashpoint sind sehr komplex. Das verdient eine Betrachtung im Detail.

Home Entertainment aus einer Hand

Zunächst die Großhandelsfunktion. Flashpoints Ursprünge liegen im reinen Versandhandel, 1988 gegründet, auf Games spezialisiert. Innerhalb von drei Jahren wurden der Fokus dann auf den Fachhandel ausgerichtet und eine Großhandelsstruktur formiert. Nach und nach kamen weitere Serviceleistungen hinzu. Mit der Übernahme von Ultramedia im Juni 2001 schließlich wurde das Sortiment massiv ausgebaut und umfasst heute eine breite Palette von Home-Entertainment-Produkten. Die Kundenstruktur weist alle Betriebstypen des Handels auf, darunter Fachmärkte wie MediaMarkt und Saturn, Warenhäuser à la Karstadt, Absatzmittler wie TMI und AMS sowie kooperierte und unabhängige Händler aus den Vertriebslinien Spielwaren, Tonträgerhandel und natürlich Games.

Insgesamt 1800 Kunden zählt das Glinder Unternehmen in seiner Kartei, rund "1000 davon werden aktiv betreut und stehen für nennenswerte Umsätze", wie Flashpoint-Vorstand Rainer Emminger betont, der für Einkauf und Vertrieb verantwortlich zeichnet. Insbesondere kleineren, den so genannten freien Händlern bietet Flashpoint ein kompaktes Servicepaket an, von der Standortanalyse, Marketingberatung und Logistiklösung bis zur Sortimentsberatung. Allen Kunden bieten die Norddeutschen im zweimonatlichen Turnus einen eigenen Katalog, der bis auf MCs und CDs das komplette lieferbare Sortiment listet. Ein 24-Stunden-Lieferservice ist selbstverständlich.

Die Zahl der Handelskunden ist enorm, die Betreuung aufwendig, aber "das A und O", wie Emminger beteuert. Deshalb hat Flashpoint im letzten Jahr gerade im Vertrieb personell mächtig aufgestockt: Derzeit werden zwölf Leute im Bereich Telesales, sechs davon in dem im September 2001 gegründeten Office in Dortmund, und weitere acht Mitarbeiter im Außendienst mit Key Account und Vertriebsleiter beschäftigt. Angesichts einer ganzen Reihe von Insolvenzen in der deutschen Handelslandschaft im letzten Jahr hatte sich Flashpoint zu der Dortmunder Gründung entschlossen. "Ziel war es, angesichts der Marktveränderungen die Versorgung von Gameshändlern zu optimieren", sagt Produktmanager Kai Stüwe. Und Emminger ergänzt: "Trotz dieses Außenbüros bleibt alles in Glinde zentralisiert. Die Logistik ist hier ebenso wie die Verwaltung, die in Dortmund eingehenden Bestellungen werden online nach Glinde übermittelt, hier bearbeitet und über unser Lager verschickt."

Office in Dortmund installiert

Die Flashpoint AG, die insgesamt 52 Mitarbeiter zählt, erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von 28 Millionen Euro, für dieses Jahr sind 40 Millionen Euro geplant. Die Zuversicht bei Flashpoint, das gesteckte Ziel zu erreichen, ist groß. Viele exklusive und teilexklusive Kooperationen stehen dafür.

Womit wir beim Geschäftsfeld Distribution angelangt wären: "Wir betreuen beispielsweise Toys "R" Us in Deutschland exklusiv mit vollem Service. Zudem vertreten wir den Hörverlag seit dem 1. Januar 2001 exklusiv im Tonträgerbereich und seit 1. September exklusiv im Spielwarenhandel. Darüber hinaus gibt es eine Teilexklusivität mit Midas." Der jüngste Exklusivdeal wurde jetzt mit Universal Pictures Germany unter Dach und Fach gebracht. Für den Hamburger Major wird Flashpoint künftig Videos (VHS und DVD) im Spielwarenhandel vermarkten. Die Glindener, die u. a. auch als Stützpunktgroßhändler für Vivendi Universal im Konsolenbereich, für Sony Computer Entertainment Deutschland, Electronic Arts, Eidos und Ubi Soft fungieren, haben aber noch weitere exklusive Produkte im Angebot.

40 Mio. Euro Umsatz für 2002 geplant

An dieser Stelle kommt Michael Auer ins Spiel, seines Zeichens für den Bereich Business Development verantwortlich, der tatkräftig von Kai Stüwe unterstützt wird, der als Produktmanager auch für Marketing zuständig ist. "Im Frühsommer 2001 haben wir angefangen, die eigene Zubehörlinie Flame aufzubauen, deren Brand wir europaweit angemeldet und patentiert haben", erläutert Auer. Die Produkte für das Konsolenzubehörlabel Flame bezieht Flashpoint direkt aus Fernost. "Ein Vorteil, von dem auch der Handel profitiert, in Marge, Know-how und Service", hebt Auer hervor und ergänzt, dass hierbei sehr viel Wert auf die Produktqualität und die Aufmachung des Zubehörs gelegt wird. "Mit der Zubehörlinie unterstützen wir die Systeme Game Boy Color, Game Boy Advance, PSone, PlayStation 2, Xbox und in Zukunft auch den GameCube." Bislang führt Flashpoint unter dem Label Flame 31 Produkte im Angebot, in einer qualitativ hochwertigen, transparenten Verpackung, in verschiedenen Farben und zu attraktiven Preisen. "Das Konzept", so Auer weiter, "garantiert einen hohen Wiedererkennungseffekt."

Und damit nicht genug: Auch diverse Gamesprodukte kann der Handel ausschließlich über Flashpoint ordern, darunter in Kooperation mit Infogrames zwei PS2-Titel mit bekannten "Looney Tunes"-Charakteren, "Taz wanted" und "Space Race", und für Game Boy Advance den aufgepeppten Kultklassiker "International Karate Advanced". Zwei Xbox-Titel und ein weiteres PS2-Spiel sollen im Laufe des Jahres folgen. Und dank enger Kooperationen mit BMG Ariola Miller und Kiddinx runden "Bob, der Baumeister" (exklusiv) sowie "Bibi Blocksberg" und "Benjamin Blümchen" (teilexklusiv) für Game Boy Color das Angebot ab.

Ein lohnendes Geschäft, wie Michael Auer einwirft: "Allein von 'Bob, der Baumeister" haben wir 30.000 Units verkauft." Und eine Ende sei nicht in Sicht. Last but not least führt Flashpoint noch Lösungsbücher im Programm. Hier arbeiten die Norddeutschen mit dem europaweit agierenden Publisher piggyback zusammen, für den sie exklusiv das offizielle Lösungsbuch zu "MGS2" vermarkten. Besonders erfolgreich waren für Flashpoint außerdem die Lösungsbücher zu "Silent Hill 2", "Gran Turismo 3" und der "Final Fantasy"-Reihe. Alles in allem ein auf den ersten und zweiten Blick rund wirkendes und überzeugendes Produkt- und Servicekonzept.

Marktbelebung durch Xbox und GameCube

Doch auf diesen Lorbeeren will man sich in Glinde nicht ausruhen: "Die neuen Geschäftsfelder sollen weiter ausgebaut werden", betont Auer. Insgesamt ist die Stimmung bei Flashpoint durchweg positiv und nach den erfolgreich gestemmten Veränderungen im vergangenen Jahr sogar äußerst zuversichtlich. So rechnet Rainer Emminger für 2002 mit einer deutlichen Belebung des Markts durch Xbox und GameCube, wie die Erfahrungen in den USA deutlich zeigten. Große Erwartungen werden auch mit dem Thema DVD verknüpft. Nicht zu vergessen das Segment der Hörbücher: Die sehr erfolgreiche Vermarktung von "Harry Potter" und "Herr der Ringe" habe das Potenzial, das in den Audiobooks stecke, erkennen lassen. "Mit diesen Themen im Rücken werden wir Hörbücher noch breiter im Handel platzieren.

Handel profitiert von Zubehörlinie Flame

Über das Aktionsgeschäft hinaus werden wir künftig stärker das Backprogramm anbieten. Der Hörbuchmarkt wächst rasant, die Nachfrage steigt beständig. Wer jetzt einsteigt, wird davon profitieren." Zum Abschluss des Lokaltermins bleibt die Frage, ob Flashpoint sein Licht unter den Scheffel stellt oder auf der GC - Games Convention, die vom 29. August bis 1. September in Leipzig stattfindet, im Fachhandelsbereich Flagge zeigt. Das, so Rainer Emminger, werde derzeit heiß diskutiert. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Share this post

Written by

Stop Killing Games and Does It Play Sue PlayStation Over Digital Pricing
A "sony tax": Stop Killing Games and Does it Play claim that the pricing on the PlayStation store is too high, and sue Sony in the Netherlands (Stop Killing Games)

Stop Killing Games and Does It Play Sue PlayStation Over Digital Pricing

By Pascal Wagner 1 min read
Stop Killing Games and Does It Play Sue PlayStation Over Digital Pricing
A "sony tax": Stop Killing Games and Does it Play claim that the pricing on the PlayStation store is too high, and sue Sony in the Netherlands (Stop Killing Games)

Stop Killing Games and Does It Play Sue PlayStation Over Digital Pricing

By Pascal Wagner 1 min read