Langjähriges Produktions-Know-how und Unabhängigkeit als Publisher zeichnen Westka Interactive unter den deutschen Entwicklern aus. Als Teil der Viva Media-Gruppe und ausgestattet mit einer "Unreal"-Lizenz, wollen die Kölner jetzt ihre Marktposition weiter ausbauen.

Für einen Spieleentwickler war es ein "klassischer" Start. 1993 schlossen sich Thomas Wendt, Oliver Stiller und Christoph Kabelitz zusammen und gründeten Westka Interactive. Ein Computer, viel Enthusiasmus und ein geringes Startkapital - mehr war zu Beginn nicht möglich, aber auch nicht nötig. "Schon damals war klar, dass der Einstieg in das Vollpreissegment sehr schwierig ist", erinnert sich Kabelitz, der noch heute zusammen mit Thomas Wendt die Firma leitet, an die Anfangszeit.

Produktion "in time" und "in budget"

Aus diesem Grund startete Westka auch mit Auftragsproduktionen: mit Werbespielen. Bis 1997 gelang es den Entwicklern, insgesamt zehn Werbespiele - vornehmlich "Point-and-Click-Adventures" - fertig zu stellen. Zu dieser Zeit war aus dem Trio bereits ein Team von etwa zehn Mitarbeiter geworden. Ein wichtiger Meilenstein in der Firmengeschichte war 1998 die Fertigstellung einer ersten Demo für ein Vollpreisprodukt. Zwei Jahre später wurde "Arcatera" international von Ubi Soft vermarktet.

Der nächste, richtungweisende Schritt in der Geschäftsentwicklung war - und ist - die Partnerschaft mit Brainpool. Der TV-Produzent beteiligte sich 2000 mit 60 Prozent an dem Entwicklerstudio. Die Produktion "Pulleralarm", das Spiel zu Stefan Raabs Erfolgssendung "TV Total", schlug wie eine Bombe ein. Damit war auch der Grundstein gelegt, sich künftig ein Unternehmensstandbein als Spezialist für die Spieleadaption von TV-Formaten zu schaffen. Für diese Pläne äußerst nützlich dürfte die Ende 2001 erfolgte Übernahme der Brainpool durch die Viva Media AG sein. Die Zugehörigkeit zur Viva-Gruppe wirkt sich nicht nur durch die Zugriffsmöglichkeit auf ein wesentlich breiteres Portfolio an TV-Marken aus, Westka wird auch noch in diesem Jahr gemeinsam mit Viva und Brainpool ein neues Gebäude beziehen. Doch Westka ist weit mehr als nur Entwickler von Casual Games.

Aktuell sind zwei Projekte für den Vollpreismarkt in der Pipeline. Nähere Details gibt es noch nicht. Fest steht jedoch, dass eins der Projekte auf der "Unreal"-Engine basieren wird. Der entsprechendeLizenzvertrag wurde auf der ECTS 2001 unterzeichnet. Er stellt den jüngsten Meilenstein für das Unternehmen dar. Schließlich geht jedem "Unreal"-Lizenzvertrag ein striktes Prüfungsverfahren voraus. Nicht unerheblich zum Erfolg beigetragen hat bei Westka aber auch das dritte Standbein, die Software für den Kinder- und Familienmarkt. Unter dem Dach Weska Funpack übernimmt das Unternehmen vorwiegend Auftragsproduktionen für verschiedene deutsche Publisher. Beispiele sind die "Fünf Freunde"- oder die "Wendy"-Titel.

Mit "Burg Schreckenstein" hat Westka erstmals ein Projekt selbst in diesem Bereich initiiert. Als Publisher steht CDV Software Entertainment fest. Außer dass es eine stetige Einnahmequelle ist, tragen auch die Erfahrungen aus diesem Segment wesentlich zum Erfolg von Westka bei. "Es ist enorm wichtig, in time und in budget zu entwickeln", fasst Kabelitz die Erfahrungen aus der Produktion von Kids-Software zusammen. Nur wenn die Produktionspläne genau eingehalten würden, bleibe am Ende auch ausreichend Zeit für Produkttuning und Qualitätssicherung. Und Qualität sei ein Entwickler jedem Verbraucher schuldig, so Kabelitz, selbst bei Casual Games, die ein deutlich geringeren Produktionsetat hätten.

"Zugriff auf Know-How und Ressourcen

Ein entscheidender Punkt in der Firmengeschichte von Westka war die Beteiligung von Brainpool. GamesMarkt.de sprach mit Christoph Kabelitz über die Möglichkeiten, die sich aus dieser Partnerschaft ergeben.

GamesMarkt.de: Wie wichtig ist Brainpool als Gesellschafter für Westka?

Christoph Kabelitz: Die Partnerschaft mit Brainpool ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig für uns. Zum einen sichert sie uns eine finanziell solide Basis, die für strategische Investitionen wie die Weiterentwicklung von Technologien und den Start neuer Produktentwicklungen notwendig ist. Zum anderen ermöglicht uns die Partnerschaft den leichteren Zugriff auf die Brainpool-Marken wie "TV Total" aber auch auf das Know-how und die Ressourcen aus dem TV- und Filmbereich.

GM: Wie eng ist Westka bei der Adaption von TV-Inhalten an Brainpool gebunden?

Kabelitz: Es ist nicht festgelegt, dass wir ausschließlich Brainpool-Marken umsetzen. Im Gegenteil: Als Gesellschafter wünscht sich Brainpool natürlich, dass wir auch weiterhin ein profitables Geschäft mit externen Partnern machen. Wir suchen auch aktiv derartige Partner, da wir uns als erfahrenes Unternehmen bei der Adaption von TV-Inhalten positionieren wollen.

GM: Seit Ende 2001 gehört Brainpool zur Viva Media AG. Wie wirkt sich das auf Westka aus?

Kabelitz: Der Kauf der Brainpool durch Viva stellt einen zusätzlichen interessanten Aspekt dar. Für uns entstehen durch die Verbindung mit zwei TV-Kanälen, die dieselbe Zielgruppe wie die Gamesbranche bedienen, enorme neue Potenziale, die wir auch nutzen wollen.

GM: Wird Westka für das gesamte "Interactive"-Geschäft der Viva Media-Gruppe verantwortlich zeichnen?

Kabelitz: Nein, das kann man so nicht sagen. Für den gesamten Bereich Internet/Web gibt es bereits Spezialisten in der Mediengruppe, und das ist ohnehin nicht unser Kerngeschäft. Auch für das Spiele- und CD-ROM-Geschäft gibt es keinerlei feste Vorgaben. Allerdings sind und waren wir bei allen Fragen zu diesem Geschäftsfeld immer schon involviert. Und solange wir einen guten Job machen, wird sich das wohl auch nicht ändern.

GM: Wir danken für das Gespräch

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