Verleger Timo Busch richtet seine Busch Group neu aus. Das künftige Herzstück soll die neue Branchenplattform creativebase werden. Um die von Gruner + Jahr übernommenen Fachmedien herum soll ein Netzwerk entstehen. In mediabiz erklärt der CEO der Busch Group, was er vorhat.

Verleger Timo Busch richtet seine Busch Group neu aus. Das künftige Herzstück soll die neue Branchenplattform creativebase werden. Um die von Gruner + Jahr übernommenen Fachmedien herum soll ein Netzwerk entstehen. In mediabiz erklärt der CEO der Busch Group, was er vorhat.

Sie haben im Juli 2014 die damalige G+J Entertainment Media übernommen. Erst jetzt das erste Interview. Gab es vorher nichts zu erzählen?

Es gab und gibt eine Menge zu erzählen! Wir wollten aber erst einmal unsere Hausaufgaben machen, bevor wir damit nach außen gehen. In über 35 Jahren hat der Verlag eine Menge toller Angebote etabliert, die aus dem Alltag unserer Leser und Kunden nicht mehr wegzudenken sind. Unser Ziel war es, den Kern des Unternehmens freizulegen und uns so aufzustellen, dass wir eine echte Wachstumsperspektive haben. Dazu gehört auch, dass wir uns aus Geschäften zurückziehen, die nicht mehr zu unserer neuen Strategie passen.

Was bedeutet das konkret?

Wir haben uns alle Produkte und Dienstleistungen sehr genau angeschaut und glauben, dass unsere etablierten Fachmedien, die Auszeichnungen und Veranstaltungen das Herzstück des Unternehmens sind. KINO.DE haben wir bereits letztes Jahr an Ströer verkauft und werden auch die Vermarktung zum Jahreswechsel übergeben. TREFFPUNKT KINO haben wir im Januar mit KINO&CO zusammengeführt und unsere Anteile an dem Joint Venture jetzt an S&L verkauft. Damit werden wir zu einem reinen Fachmedienhaus.

... und haben zunächst einmal Umsatz verloren. Wo soll das Wachstum herkommen?

Es gehört zur DNA des Verlages, sich immer wieder neu zu erfinden. Das ist zuletzt leider ein bisschen in Vergessenheit geraten. Wir sind einer der ganz wenigen Fachverlage, die über ein funktionierendes digitales Geschäftsmodell verfügen und haben mit unseren Datenbanken eine nicht kopierbare Alleinstellung im deutschen Sprachraum. Mit der richtigen Technologie haben wir die besten Voraussetzungen, das Erfolgsmodell von mediabiz zu skalieren - thematisch, also über die derzeitigen Branchen Kino, Video, Film & TV, Musik und Games hinaus auf alle Teile der 'creative industries', und international über die D-A-CH-Region hinaus.

Welche Rolle sollen dann die einzelnen Medienmarken spielen?

Wir geben unseren Fachmedien viel mehr Freiheiten, und sie werden viel eigenständiger auftreten. Jeder unserer Titel bekommt eine eigene Website und wird aus dem Dachangebot mediabiz herausgelöst. Damit können die einzelnen Redaktionen noch besser auf ihre jeweiligen Zielgruppen eingehen. Wir ergänzen unser Portfolio mit weiteren Veranstaltungsformaten und machen alle unsere Inhalte, also auch die Geschichten, die wir heute nur in den gedruckten Magazinen bringen, online verfügbar. Und es gilt die Devise: Der Nutzer entscheidet, wann, wie und wo er unsere Inhalte konsumieren möchte. Das kann dann etwa auch ein Instant Article auf Facebook sein oder ein Beitrag auf LinkedIn Pulse. Wir spielen künftig die gesamte Klaviatur der Inhaltedistribution.

Und wenn ich weiterhin über alle Branchen informiert bleiben will?

mediabiz bleibt als gemeinsames Informationsangebot mit den Inhalten aller unserer Marken parallel bestehen. Im Laufe der nächsten Monate werden wir das Portal mit weiteren Funktionen ergänzen und einem Facelift unterziehen. Mittelfristig wollen wir mediabiz dann in unsere neue Branchenplattform creativebase überführen. Unser Ziel ist ein komplett personalisiertes Informations- und Kommunikationsangebot für 'creative professionals'. Damit schaffen wir neben dem journalistisch geprägten Zugang über die einzelnen Medienmarken einen alternativen Weg, unsere Inhalte zu nutzen. Dabei entscheidet der Nutzer selbst, was für ihn wichtig ist und über welche Nachrichten er beispielsweise per Push Notification auf seinem Smartphone informiert werden will. Überhaupt haben wir, was die mobile Nutzung angeht, enormen Nachholbedarf.

Wollen Sie creativebase dann auch für Inhalte anderer Verlage öffnen?

Ja, unbedingt! Wir sind ja nicht alleine auf der Welt - und Partnerschaften mit anderen sind ein wichtiger Teil unserer Strategie. Dazu gehören neben anderen Verlagen, die wir in unser Netzwerk aufnehmen wollen, insbesondere Anbieter von Marktdaten und vor allem unsere Nutzer selbst. Bei creativebase wird es auch Funktionen geben, mit denen jeder Marktteilnehmer zum Beispiel Nachrichten, Angebote oder Veranstaltungen einstellen oder sein Profil pflegen kann. Als mediabiz vor 15 Jahren gestartet ist, war das Angebot ganz weit vorne, da müssen wir wieder hin.

Da haben Sie sich aber eine ganze Menge vorgenommen!

Uns ist völlig klar, dass das eher ein Marathon wird statt ein Sprint und vor allem, dass wir in einen kontinuierlichen Prozess eintreten, uns ständig weiterzuentwickeln. Dabei haben wir ganz klar festgelegte strategische Prioritäten: Dieses Jahr liegt unser Schwerpunkt in der Fokussierung, ab 2016 geht es um Digitalisierung und danach um die Internationalisierung. Wir haben relevante Inhalte, etablierte Marken und motivierte Mitarbeiter, die noch mehr als in der Vergangenheit für ihre Marken stehen werden. Dazu wird auch unsere neue Organisationsstruktur beitragen, die wir ab dem nächsten Jahr umsetzen. Die vier Fachmedien werden in drei eigenständigen Einheiten geführt werden, mediabiz wird in der creativebase AG sozusagen zu einem Startup mit 15 Jahren Erfahrung. Die unternehmerischen Freiheiten, die wir unseren Mitarbeitern geben wollen, ermöglichen auch neue kreative Impulse. Bei all dem wollen wir künftig noch viel intensiver als bisher mit unseren Kunden zusammenarbeiten, die im Mittelpunkt aller unserer Überlegungen stehen und die wir aktiv in den Prozess und die Produktentwicklung einbeziehen wollen.

Wann werden die ersten Veränderungen sichtbar werden?

Anfang 2016 werden wir die ersten Zeichen setzen und unsere Produkte dann kontinuierlich erneuern und weiterentwickeln. Das betrifft sowohl die Präsentation unserer Inhalte, als auch unsere Angebotsstruktur, zum Beispiel mit einem neuen transparenten Abo-Modell.

Verschwindet dann auch die Marke "Entertainment Media"?

Mit dem Abschluss der Integration des ehemaligen Entertainment Media Verlags werden wir einheitlich unter der Marke Busch Group auftreten. Alle zu uns gehörenden Unternehmen verbindet eine gemeinsame Mission: "Connecting the Creative Community".

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