"Innovationstag Handel" des EHI
Über 400 hochkarätige Gäste folgten der Einladung des Eurohandelsinstituts (EHI) und des Landes NRW zum "Innovationstag Handel" im Rahmen der Messe EuroCIS. Eindeutiges Fazit: Der deutsche Handel muss zu Investitionen und vor allem zu Innovationen bereit sein, um aus seiner Krise zu kommen. Zentral seien dabei der Aufbau eigener Marken, ein hoher Servicefaktor und die Umwandlung zum Dienstleitungskonzern.
Nach der Begrüßung durch Harald Schartau, Minister für Wirtschaft und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen, resümierte Klaus Appelhoff, Präsident des EHI und Vorstand der Karstadt Warenhaus AG, in seiner Rede die vergangenen Jahre: "Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze konnte in den letzten Jahren nicht mit der Steigerung des privaten Verbrauchs mithalten und befindet sich zurzeit in einer schwierigen Lage. Darum führt in Zukunft an konsequentem Kostenmanagement kein Weg vorbei. Dies bedeutet auch, dass vorhandene Überkapazitäten der Verkaufsfläche mittelfristig abgebaut werden müssen", so Appelhoff, der damit eine Reduzierung der Handelsfilialen in Deutschland nicht ausschloss.
Überkapazitäten abbauen
Denn bis in die zweite Hälfte der 90er Jahre betrug das jährliche Flächenwachstum im Einzelhandel drei Prozent, sprich es kamen jedes Jahr etwa vier Mio. Quadratmeter Fläche hinzu. Dabei würden die verfügbaren Einkaufsmöglichkeiten in Deutschland mehr als ausreichen. Heute stünden pro Einwohner 1,3 Quadratmeter Fläche zur Verfügung - fast doppelt so viel wie in Großbritannien und ein einsamer Spitzenwert im europäischen Vergleich. Mit rückläufigen Umsätzen sei die Flächenproduktivität in der letzen Dekade um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Diese Überkapazitäten würden den Verdrängungswettbewerb weiter forcieren und letztendlich wieder nur den Preis zum wesentlichen Wettbewerbsfaktor machen. Grundvoraussetzungen seien hier eine hohe Effizienz der warenwirtschaftlichen und logistischen Prozesse - ein Erfolgsbaustein der derzeit so erfolgreichen Discounter. Der Handel müsse sich auch den sozialen und kulturellen Gegebenheiten anpassen, denn die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden und das Verbraucherbudget hätten sich geändert. In Zukunft spiele jedoch ein anderer Punkt eine noch wesentlichere Rolle: die grundsätzlichen Veränderungen der Bevölkerungsstruktur. Trotz Zuwanderung werde die gesamtdeutsche Bevölkerung bis 2050 voraussichtlich um zwölf Mio. abnehmen. Gut 40 Prozent der Verbraucher würden dann älter als 60 Jahre sein, jeder zehnte sogar älter als 80 Jahre. "Wir müssen uns auf die veränderten Anforderungen der Verbraucher einstellen und ganz neue Absatzmöglichkeiten auftun.
Demografische Entwicklung beachten
Dazu zählt einerseits die Entwicklung neuer Betriebsformen, andererseits der Einstieg in ganz neue Angebote und Dienstleistungen", appellierte Appelhoff an die Entscheider in der deutschen Handelslandschaft. Dazu zähle auch die Schaffung eines klaren Profils: "Um künftig erfolgreich zu sein, braucht jeder von uns ein eigenes Profil, einen eigenen Charakter, eine eigene Marke", so Appelhoff. Da die deutsche Handelslandschaft keine "weiße Flecken" mehr kenne, müsse man sein Geschäft zumindest international, wenn nicht gar global ausweiten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Hier bestehe für die deutschen Unternehmen noch Entwicklungsbedarf.
Kundenservice steht mit an erster Stelle
Das Erfolgsrezept des britischen Handels zeigte Joanne Denney-Finch, Chief Executive des IGD-Institute, auf. Drei Faktoren seien demnach entscheidend: hochgradige Effizienz, hervorragender Kundenservice und bahnbrechende Innovationen. So setzt in Großbritannien die Handelskette ASDA auf Einfachheit und Zuverlässigkeit. Niedrige Preise sind aber nur durch niedrige Kosten zu erreichen. Der zweite Gewinner ist Tesco. Zentral sei hier der Kundenservice und die damit verbundene Kundenbindung. So biete Tesco unter anderem kurze Kassenzeiten, einen Heimlieferservice, Finanzdienstleistungen und 24 Stunden Öffnungszeit - Motivation und Förderung der Mitarbeiter eingeschlossen. Das dritte sehr erfolgreiche Unternehmen ist Sainsbury. Hier stehe die Innovation im Vordergrund, und man investiere viel Geld in Entwicklung und Forschung und sichere sich somit ein befristetes Monopol in einigen Bereichen. Dies zahle sich bei den Produkten, den Lieferketten und dem Marketing aus. Der Kunde mache bei Sainsbury die ultimative Dienstleistungserfahrung. Und kompetente Dienstleistung ist für Denney-Finch der entscheidende Erfolgsfaktor für die Zukunft.