Der Tivola Verlag ist eins der am stärksten international expandierenden deutschen Unternehmen. Das Feld der Kindersoftware hat im Moment am meisten Schwung, nennt Karsten Voelker einen der Gründe. Der GF von Tivola stand auf der Nürnberger Spielwarenmesse EM Rede und Antwort.

EM: Welche Umsatzentwicklung hat Tivola im vergangenen Jahr durchlaufen?

Karsten Voelker: Wir haben einen Umsatz von rund 12,5 Millionen Mark erwirtschaftet. Das entspricht in etwa einem Plus von 100 Prozent gegenüber '98.

EM: Wie lautet Ihre Prognose für 2000?

Voelker: Es ist schwer vorherzusagen, ob wir den Umsatz wieder verdoppeln können. Unser Ziel ist, möglichst doppelt so stark wie der Markt zuwachsen. Natürlich gibt es eine rechnerische Grenze, aber wir haben in diesem Jahr das stärkste Programm in der Firmengeschichte.

EM: Was ist da zum Beispiel geplant?

Voelker: Wir haben jetzt die Rechte an der "Sendung mit der Maus", das wird sicherlich eine der stärksten Neuerscheinungen sein. Neuerscheinungen wird es sowohl im Buchbereich als auch für unsere Reihen "TKKG", "Oskar" und "Max" geben. Außerdem konnten wir mit "Der kleine Rabe Socke" eine starke Lizenz aus dem Buchbereich gewinnen. Und die gameorientierte Tivola-Abenteuerreihe wird mit Titeln wie "Onkel Alberts abenteuerliche Reise" weiter ausgebaut.

EM: Sie waren Aussteller auf der Spielwarenmesse. Wie viel Prozent Ihres Umsatzes erzielen Sie über den Spielwarenhandel?

Voelker: Eine genaue Angabe ist schwierig. Soweit messbar, sind es wohl keine fünf Prozent. Allerdings schätzen wir das Potenzial des Spielwarenhandels weit größer ein. Im Moment fehlen Leading Guys, wie es Hugendubel oder die Mayer'sche im Buchhandel sind und waren. Ich denke, es wird noch zwei, drei Jahre dauern, bis das Potenzial des Spielwarenhandels zur Geltung kommt.

EM: Aber die ersten Schritte sind vollzogen?

Voelker: In jedem Fall. Wir finden es gut, dass sich Groß- wie Einzelhandel auf den Softwarebereich konzentriert. Letztlich muss sich aber jeder Einzelhändler auch inhaltlich mit dem Sortiment auseinander setzen, das er anbietet.

EM: Der VUD hat im vergangenen Jahr erfreuliche GfK-Zahlen gemeldet. Die Prognosen sehen ein deutliches Wachstum ausschließlich für den Bereich Kindersoftware voraus.

Voelker: Wenn die PlayStation2 dieses Jahr kommt, werden die Konsolen wieder zulegen. Aber sicherlich hat das Feld Kindersoftware im Moment am meisten Schwung. Die Akzeptanz bei Eltern und Lehrern ist erheblich gestiegen. Und somit stieg letztlich auch der Umsatz.

EM: Plant Tivola, Produkte für andere Plattformen z. B. Konsolen zu veröffentlichen?

Voelker: Wir haben "TKKG" bereits für PlayStation getestet. Problematisch ist dabei die Sprachintensität unserer Produkte. Um auf PlayStation rentabel zu arbeiten, muss der Lokalisierungsaufwand jedoch gering sein. Folglich müssten wir mit Konzepten arbeiten, die nicht dem "Tivola-Stil" entsprechen. Ein Engagement im Konsolenbereich ist immer Thema, hängt aber, wie gesagt, von wirtschaftlichen Aspekten und der Markenerkennbarkeit ab.

EM: Wie hat sich das internationale Geschäft von Tivola entwickelt?

Voelker: Wir sind seit 18 Monaten am englischen Markt. Der Zugang zum Markt ist auf Grund der Lokalisierungsbarriere und der erheblich größeren Zahl der Produkte schwieriger. Aber die Akzeptanz in England ist hoch, und ich glaube, dass wir auch dort in den nächsten Jahren eine starke Marktposition erreichen können. In den USA haben wir ebenfalls eine kleine Niederlassung gegründet. Erste Tests mit einer größeren Kette im Spielwarenbereich und verschiedenen anderen Outlets verliefen positiv. Ein weiterer Markt, in dem wir aktiv sind, ist Frankreich, das durch eine sehr konzentrierte Handelslandschaft geprägt ist. In beiden Ländern stehen wir noch am Anfang und werden noch etwas Zeit benötigen. Unser großer Vorteil ist, dass wir eigentlich der einzige kontinentaleuropäischer Anbieter sind, der ein derartig breites Spektrum an Produkten vorweisen kann. Das hilft uns im internationalen Geschäft sehr.

EM: Welche Bedeutung messen Sie dem Internet in Zukunft zu?

Voelker: Das Internet ist gerade für Produkte wie unsere sehr wichtig. Der Umsatzanteil von Internetsales ist für uns nur schwer messbar, eine Vielzahl von Waren läuft aber über das Direktgeschäft. Das Internet ist damit ein ideales Tool, mit dem sich deutlich mehr und vor allem bessere Informationen vermitteln lassen, als es mit einem Katalog möglich wäre.

EM: Wie wichtig wird E-Commerce auf Ihrer eigenen Site?

Voelker: Wir planen keine Offensive. Der Absatz über unsere Site ist stabil, aber auf niedrigem Niveau. Natürlich stehen wir durch den Verkauf auf unserer Website quasi in Konkurrenz mit allen Internethändlern. Wir begrüßen es aber, dass der Einzelhandel auf das Internet als Verkaufstool zurückgreift. Am Ende löst er damit ein Flächenproblem.

EM: Es gibt viele Publisher, die massiv einsteigen wollen...

Voelker: Im Gamesbereich gab es bereits Beispiele, wo über eigene Sites Preise kaputt gemacht wurden. Das ist nicht unsere Strategie, das werden wir nicht machen. Wir stehen zum Handel. Ob der Handel aber über Websites oder das Regal verkauft, muss er wiederum selbst wissen.

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