Koch Media steigt ins DVD-Geschäft ein
Im Gamesbereich hat sich Koch Media als wichtiger Marktplayer fest etabliert. Nun geht das Unternehmen neue Wege und startet im September mit DVD-Video. "GamesMarkt.de" ließ sich von GF Dr. Klemens Kundratitz und Ulrich P. Bruckner, Leiter Home Entertainment, die Gründe für den Einstieg ins neue Geschäftsfeld, das Programm und die geplante Positionierung erläutern.
GamesMarkt.de: Würden Sie bitte kurz die Geschichte von Koch Media skizzieren?
Dr. Klemens Kundratitz: Koch Media wurde 1994 gegründet. Unsere Wurzeln liegen im Musikgeschäft. Seit längerer Zeit sind wir auch im interaktiven Bereich sehr gut und flächendeckend aufgestellt. Wir sind nicht nur im Bereich Games und Software positioniert, sondern decken das Segment Interactive als Publisher, Distributor und zum Teil sogar als Developer ab. Aus diesem Grund konnten wir dort den gesamten Retailbereich im deutschsprachigen Raum über die letzten acht Jahre sehr gut erschließen. Unsere Tätigkeitsfelden erstrecken sich auf die drei deutschsprachigen Länder, Großbritannien und Italien. Die Sortimente und Vertriebsstrategien sind in den beiden letztgenannten Territorien auf den Markt zugeschnitten und daher noch von unserem DVD-Bereich abgekoppelt. Koch Media besitzt zentrale Auslieferungen in Höfen/Österreich und in Basingstoke/UK sowie insgesamt fünf Vertriebsniederlassungen in München, Wien, St. Gallen, Florenz und Basingstoke.
GM: Was waren die Gründe für den Einstieg ins DVD-Geschäft?
Kundratitz: Die Gründe für unseren Einstieg ins DVD-Geschäft sind vielschichtig. Wir sind als Medienunternehmen aus der Musikbranche in das Segment Interactive eingestiegen. Als Vermarkter konnten wir uns hier eine führende Rolle im deutschsprachigen Raum sowohl bei Sortiment und Umsatz als auch bei der Vertriebsorganisation erarbeiten. Dadurch ergeben sich automatisch Synergien. Wenn man den Retailkanal in einem Produktsegment erschlossen hat, ist es eine natürliche Entwicklung, in ein benachbartes Produktsegment, in diesem Fall in den Bereich DVD-Video, einzusteigen. Darüber hinaus sehen wir auch, dass der DVD-Markt im Vergleich zur Musik- und der Softwarebranche gerade eine ganz andere Entwicklung durchmacht, speziell im Bereich der Kauf-DVD. Und hier sind die Prognosen der Marktforscher zumindest mittelfristig sehr optimistisch. Und in wachsende Segmente einzusteigen, ist wesentlich einfacher, als in stagnierenden Märkten neu zu beginnen und dort Fuß zu fassen. Zu guter Letzt kommt eine generell von unserer Firma forcierte Wachstumsstrategie hinzu. Diese stützt sich nicht nur auf die neue Säule DVD, sondern betrifft auch den Bereich Games. Hier haben wir vor neun Monaten das Spielelabel Deep Silver ins Leben gerufen, unter dem wir Mitte Mai mit "Wildlife Park" ein sehr spannendes Produkt herausgebracht haben.
Mit Filmklassikern Nischen besetzen
GM: DVD ist vorerst nur für den deutschsprachigen Raum geplant?
Kundratitz: In einem ersten Schritt wollen wir den deutschsprachigen Raum mit DVD erschließen. Wie und wann wir diese Strategie auch in anderen Ländern umsetzen werden, entscheiden wir nach der Startphase.
"Nicht Politik der Global Player fahren"
GM: Wo will sich Koch Media im DVD-Markt positionieren?
Kundratitz: Eine aus der Musikbranche gelernte Tugend ist, als Independent nicht die Politik der globalen Player zu fahren, sondern eine Nischenpolitik zu betreiben. Genau das ist unsere Strategie im Bereich DVD-Video. Also Filme auf den Markt zu bringen, die für die großen Studios nicht direkt auf der Straße liegen. Wir spezialisieren uns auf die Backkatalogauswertung und haben uns mit Ulrich P. Bruckner einen sehr erfahrenen Mann ins Haus geholt. Wir bauen gerade ein Sortiment an Filmklassikern für Filmliebhaber auf. Das Produktsortiment definiert sich über Qualität, sowohl bei der Ausstattung als auch bei der Filmqualität selbst. Mit unseren Produkten siedeln wir uns im Mid- und Hochpreissegment an. Wir sehen, dass sich in anderen Ländern Republisher mit einer konsequenten und qualitätsbezogenen Produktpolitik durchsetzen konnten. Im deutschsprachigen Raum sehen wir durchaus einen Marktplatz für eine solche Politik. Dabei schließen wir nicht aus, dass wir in der Folge breitere Themen aufgreifen wollen. Langfristig sehen wir jedoch unseren Markt vor allem bei den Filmliebhabern, die Klassiker schätzen.
GM: Die DVD-Divison ist bei Koch Media angedockt?
Kundratitz: Richtig. Wir nennen den neuen Geschäftsbereich Home Entertainment innerhalb der Koch Media Deutschland, Österreich und Schweiz. Es besteht im Moment kein Bedarf nach einem neuen Namen oder an einem eigenen Label. Wir haben uns mit Koch Media im Handel einen soliden Namen aufgebaut und wollen diesen nicht ändern. Und für den Endkunden spielt der Name so oder so eine untergeordnete Rolle.
"Setzen primär auf Kaufmarkt"
GM: Sie wollen bewährte Strukturen aus dem Gameshandel auf den DVD-Sektor übertragen?
Kundratitz: Natürlich gibt es im Handel für die Produkte andere Einkäufer, der Salesprozess ist jedoch im Grunde strukturell derselbe. Wir arbeiten also sowohl in Vertrieb und Marketing als auch in der Pressearbeit im ersten Schritt mit unseren vorhandenen Ressourcen und bauen diese dann aus.
GM: Die Absatzstrategie ist nur auf den Kaufmarkt und nicht auf den Verleih ausgerichtet?
Kundratitz: Sicherlich setzen wir primär und vorrangig auf den Kaufmarkt. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir unsere Titel nicht auch dem Verleih anbieten wollen. Nur muss man hier realistisch sein und sehen, dass sich unsere Klassiker eher für das Kaufsegment eignen als für den Verleih.
GM: Können Sie die DVD-Strategie genauer erläutern?
Ulrich P. Bruckner: Wir möchten Titel auf den Markt bringen, die einerseits Kultpotenzial haben und auf der anderen Seite Kinoklassiker von bekannten Regisseuren sind, die für sich allein stehen und einen sehr guten Namen haben, etwa Luchino Visconti oder Samuel Fuller. Zudem wollen wir uns nicht nur auf ein bestimmtes Genre konzentrieren, sondern ein breiteres Spektrum anbieten. Darunter sind verschiedene europäische Dramen und Horrorfilme, aber auch hochwertige Italowestern. Darüber hinaus veröffentlichen wir künstlerisch wertvolle Filme, wie "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" von David Lean. Wir wollen mit dieser Palette ganz gezielt Filmfans ansprechen. Und diese Zielgruppe kauft die Titel auch im höheren Preissegment. Wenn diese Filme für fünf Euro im Regal stehen, würden wir trotzdem niemanden erreichen, der sich nicht speziell für das entsprechende Filmgenre interessiert.
Kundratitz: Es geht uns ganz klar um die Zielgruppe Filmliebhaber, von denen es sehr viele gibt. Diesen wollen wir die großen Namen und das große, zum Teil auch das links liegen gelassene Kino ins Haus bringen. Dieser Markt hat Massenpotenzial, allerdings mit einem Ansatz, der unsere Rolle als Independent berücksichtigt. Wir treten nicht als Direktvermarkter auf, sondern gehen klassisch über den stationären Handel bzw. den Internethandel. Mit unserem Programm werden wir nicht bei den Discountern präsent sein. Unsere Produkte werden flächendeckend im guten Fachhandel zu finden sein.
Eine VHS-Auswertung ist nicht geplant.
GM: Also Sammlerstücke für Filmliebhaber?
Bruckner: Wir haben beispielsweise mit "Heiße Katzen" einen Titel, der seit der Kinoauswertung noch nie im Ferngezeigt oder auf Video ausgewertet wurde. Und gerade Titel, die filmhistorischen Wert haben und weltweit nicht erhältlich sind, sind für uns interessant. Ein weiteres Produktsegment sind Kultfernsehserien. Zum Start werden wir eine Collector's Box von "Die Zwei" mit deutscher und englischer Tonversion veröffentlichen. Im Unterschied zu anderen Marktteilnehmern werden wir alle unsere Filme im Originalkinoformat mit der entsprechenden Tonspur sowie restauriert und ungekürzt herausbringen. Wenn möglich, werden wir auch entsprechend Zusatzmaterial auf die DVD draufpacken. Bei "Oliver Twist" veröffentlichen wir zum Beispiel sowohl die gekürzte deutsche als auch die längere englische Fassung.
GM: Wann werden die ersten Titel erscheinen?
Bruckner: Die ersten Veröffentlichungen sind für September geplant. Wir arbeiten aber noch an unserem Katalog; dieser wird zunächst etwa 20 Titel enthalten. Anfangs konzentrieren wir uns auf Klassiker. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir später aktuellere Titel in unser Programm aufnehmen werden.
GM: Welche Rolle spielt das zunehmende Piraterieproblem bei dieser Strategie?
Bruckner: Unsere Filme gibt es bisher noch nicht im Internet. Illegales Downloaden findet also nicht statt. Dort spielen primär die großen und aktuellen Filme eine Rolle; wegen klassischer Titel braucht man sich wohl eher keine Sorgen zu machen.
GM: Vielen Dank für das Gespräch.