Auf den Pressekonferenzen der Hardwarehersteller vor der E3 wusste vor allem Sony zu brillieren. Die Ankündigung eines eigenen Handhelds fand sogar ein Echo an der Tokioter Börse. Gleichzeitig wurde für den US-Markt eine Preissenkung für PS2 und Xbox bekannt gegeben.

Ihren Höhepunkt erreicht die E3 in vieler Hinsicht noch bevor das L.A. Convention Center sich für drei Tage in die heiligen Hallen der Gamerwelt verwandeln. Es ist fast schon eine Tradition, dass die Hardwarehersteller in den 48 Stunden vor Messebeginn die Anwesenheit der internationalen Spielepresse für einen Konferenzmarathon nutzen und "scharfe Geschütze" für den Konkurrenzkampf im Konsolensegment auffahren. In Hinblick auf das umsatzstärkste Segment der Spielebranche, die TV-basierten Konsolen, passierte allerdings wenig: Nintendo und Microsoft fokussierten sich vor allem auf das kommende Line-up, das sich durch zahlreiche Fortsetzungen bekannter Spielefranchises auszeichnet. Microsoft gab zudem noch einige weitere Informationen zur Onlinestrategie. Herausragend dabei ist der webbasierte Service "XSN Sports", der die Systemgrenzen zumindest hin zum PC und zu Wireless-Geräten wie PDAs überwinden soll.

Sony sticht Konkurrenz aus

Die eigentliche Überraschung gelang jedoch Sony Computer Entertainment (SCE). Quasi aus dem Ärmel schüttelte die Spieledivision von Sony den PlayStation Portable (PSP), eine eigene Handheldkonsole. SCE-Chef Ken Kutaragi bezeichnete das Gerät als "Walkman des 21. Jahrhunderts", da es nicht nur zum Spielen genutzt werden kann, sondern auch MP3- und Video-Funktionalität besitzt. Als Datenträger benutzt die mobile Konsole, die Ende 2004 marktreif sein soll, rund sechs Zentimeter große Discs mit einer Kapazität von 1,8 Gigabyte. Gleichzeitig soll sie auch die Sony-hausinterne Speicherlösung Memory Stick unterstützen. Die Akkus sollen bis zu zwölf Stunden Betriebszeit erlauben. Die Nachricht vom Sony-Handheld schlug hohe Wellen.

An der Tokioter Börse zog der Kurs der Konzernaktien kräftig an. Die Wertpapiere von Nintendo, bislang Quasimonopolist im Bereich Handhelds, gaben gleichzeitig im zweistelligen Prozentbereich nach. Konkurrenzdruck dürfte Nintendo jedoch nicht erst Ende 2004 zu spüren bekommen. Schließlich will Handyhersteller Nokia, der ebenfalls eine Pressekonferenz vor der E3 gab, sein Spielehandy N-Gage bereits Anfang Oktober auf den Markt bringen. 299 Dollar soll das Gerät kosten, allerdings besteht die Möglichkeit, dass der "Straßenpreis" durch Vertragssubventionen der Netzbetreiber noch weit darunter liegen könnte. Elf Spiele für 30 bis 40 Dollar sollen zum Start, insgesamt 20 Titel bis Weihnachten 2003 im Handel sein.

Last but not least kam es zu einer weiteren Überraschung. Nachdem die Hoffnungen auf eine Preisreduzierung der Konsolenhardware bereits aufgegeben worden waren, senkte zuerst SCE und dann auch Microsoft die Preisempfehlungen für ihre Konsolen für den US-Markt von 199 auf 179 Dollar. SCE, um die Lager für eine neue PS2-Variante mit eingebautem Netzwerkadapter zu leeren, Microsoft wohl, um den entstandenen Konkurrenzdruck an Sony zurückzugeben. Richtig zufrieden war man bei den Third Partys damit allerdings nicht. So zeigte sich Activision-Chef Robert Kotick in einem Reuters-Interview enttäuscht. Seiner Meinung nach hätte ein Preis von 149 Dollar, wenn nicht sogar von nur 129 Dollar herauskommen müssen.

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