Konsolidierung und Vorbereitung
Es war ein Jahr, in dem Insolvenzen und Geschäftsaufgaben sich häuften. Gleichzeitig nutzten viele Firmen die ungewollt "ruhige" Phase im Verkaufsgeschäft, um strategisch wichtige Entscheidungen zu treffen und sich auf die bevorstehende Belebung des Business vorzubereiten.
Schon der Start ins neue Jahr zeigte der Branche, wie die vergangenen zwölf Monate laufen sollten: Sega kündigte nach katastrophalen Konzernzahlen eine 180-Grad-Kurskorrektur seiner Firmenstrategie an. Die Produktion der Dreamcast wurde gestoppt und die Entwicklerressourcen, um die Sega oft von anderen Publishern beneidet worden war, auf Multiplattformpublishing ausgerichtet.
Wie Sega erging es vielen Firmen. Wer seine Ziele zu hoch gesteckt hatte oder wessen "Polster" einfach nur zu dünn war, der wurde mit schlechten Ergebnissen und in den schlimmsten Fällen sogar mit Insolvenzverfahren und Firmenaufgaben abgestraft. Der große Rest der Spielebranche nutzte die umsatzschwache und ertragslahme Zeit, um strategische Weichen zu stellen und sich auf die kommende Hochphase vorzubereiten. Doch diese Vorbereitungen müssen sich erst noch im Markt beweisen. Entscheidend wird sein, welche Konsole (oder Konsolen) das Rennen macht.
Gestärkt aus der Krise
Kein Wunder also, dass die meisten Publisher zunächst pauschal jedes System unterstützen. Hinter den Kulissen wurden jedoch mit Sicherheit Schwerpunkte gesetzt, die sich schon bald auszahlen werden - oder eben nicht. Deutlicher als die Plattformstrategien der Unternehmen zeichnen sich hingegen die Vorbereitungen im Bereich Vertrieb und Verkauf ab. Category Management, Customer Relationship Management, Electronic Data Interchange sind nur drei Anglizismen, die sich im Verlauf der letzten zwölf bis 24 Monate kontinuierlich vom Schlagwort zur praktischen Realität gewandelt haben und weiter wandeln. Die so genannten Kinderschuhe hat die Gamesindustrie schon lange abgelegt. Doch die jetzige Entwicklung zeigt deutlich, dass die verbliebenen Player ihr Geschäft weniger aus dem Bauch heraus entscheiden, eher mit harten Fakten, kurzen Reaktionszeiten und zielgruppengenauen Verkaufsmaßnahmen arbeiten.
Am Ende wird die Gamesbranche gestärkt aus der "Krise" hervorgehen. Doch eine Gewissheit bleibt: In etwa vier Jahren steht die nächste "Transitionsperiode" bevor.