Die Welt der Konsolen in einer einzigen Halle vereint - eine Premiere für die Spielwarenmesse. Doch auch ein leidiges Thema hat die Branche bis in die Frankenmetropole verfolgt: Preisdumping ist beim Handel nicht passé.

Aufheulende Motoren empfingen die Besucher der Halle 8 in Nürnberg. War aus der sonst so ruhigen Fachveranstaltung etwa eine Verbrauchershow geworden? Nein, obwohl durchaus viele, auffällig junge Besucher sich an den zahlreichen Spieledisplays tummelten. Im Grunde wollte aber nur Hasbro Interactive in der Spiele-halle die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und den drei Mammutausstellern Nintendo, Sony Computer Entertainment Deutschland (SCED) und Sega die Show nicht kampflos überlassen. Schließlich verpflichtet der Name, und erst Recht auf der wichtigsten Messe der Spielwarenindustrie. So manch Standnachbar lief dank der Hasbro-Offensive blaue Spiralen in den Boden auf der Suche nach Ruhe für seine Besprechungen. Vor allem, da es mit dem Handel viel zu besprechen gab. Nur Tage vor der Messe rissen Karstadt und Saturn den Dreamcast-Preis auf 399 Mark bzw. sogar 349 Mark herunter.

"Wir haben die Situation mit den Handelspartnern geklärt", beruhigte Thomas Zeitner, General Manager von Sega Deutschland, nach entsprechenden Gesprächen. Für Sega heißt es, abhaken und nach vorn schauen. Ende Februar werden rund 120.000 Konsolen in Deutschland verkauft worden sein. Dann startet die zweite Marketingphase. Softwareangebot und der Internetzugang sind Kern der Kampagnen und sollen möglichst viele Konsumenten vergessen lassen, dass Ende 2000 auch Nintendo und Sony neue Hardware verkaufen wollen. Während Nintendo aber über Dolphin wenig redet, mit N64 weiter richtig Geschäft machen will und mit Pokémon sowieso den Selbstläufer des Jahres hat, geht die Konzentration bei Sony schon sehr in Richtung PlayStation2.

Vom "Auslaufmodell" PlayStation1 kann aber keine Rede sein. Der Verkauf lässt zwar nach, doch die Unterstützung durch Publisher und Handel ist stärker denn je - ebenso wie die Präsenz in den Köpfen der Verbraucher. Sorge hat sich für einen Moment nur hinsichtlich der Preisstabilität breit gemacht. Manfred Gerdes, Geschäftsführer von SCED, begrüße seine Gäste auf der traditionellen Samstag-Abend-Party mit den Worten. "So bin ich nunmal. Nach dem Lob kommt immer auch eine Klatsche. Ich möchte nicht erleben, was vor wenigen Tagen einem Mitbewerber passiert ist. Preisdumping schadet uns allen." Wer will es ihm verdenken? Mit den zusätzlichen Fähigkeiten eines DVD-Players ausgestattet, wird die PlayStation2 wohl kaum auf das Preisniveau kommen können, das die Dreamcast im Herbst haben wird.

Bis eine erste Bilanz vom Konkurrenzdreieck Dreamcast, PlayStation2 und Dolphin gezogen werden kann, dauert es mindestens noch bis zur nächsten Spielwarenmesse. Und bis dahin werden noch viele Beilagen durch die deutschen Tageszeitungen flattern. Ach ja, Ohropax muss auch 2001 nicht unbedingt Standardausrüstung für Nürnberg sein. Laut Messeleitung wird sich am Fachmessecharakter der Toy Fair auch künftig nichts ändern.

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