In der letzten Ausgabe von GM war der kommende "High-Noon" zwischen "Fußball Manager 2003" und "Anstoß 4" eines der Topthemen. Das Duell wurde ausgefochten - allerdings anders als erwartet. GamesMarkt.de zeichnet die Releasequerelen noch einmal nach.

"Datenklau" - damit begründete Electronic Arts den Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegen die Auslieferung von "Anstoß 4" zum 29. November. "Wir sind durch einige Mitglieder aus der Community darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Datenbankeditor zu Ascarons neuestem Titel identische Daten aus unserer eigenen Datenbank enthält", begründete Jörg Rohrer, Direktor des deutschen EA-Studios, die Gangart. Interne Recherchen hätten ergeben, dass fehlerhafte Datensätze aus der internationalen "FM 2003"-Version "Total Club Manager 2003" exakt kopiert in den Daten des Wettbewerbers aufgetaucht seien. In erster Linie habe es sich dabei um falsche Geburts- und Vereinsdaten von Spielern gehandelt.

"Jederzeit fair im Markt agieren"

"Bei einigen Dutzend ver- schiedener Daten kann dies kein Zufall mehr sein", so Rohrer. Den Weg vors Gericht habe man letztendlich wählen müssen, weil Ascaron auf eine Aufforderung zur Stellungnahme nicht reagiert habe. Zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kam es allerdings nicht. Die Kontrahenten einigten sich noch am 28. November bei einer Anhörung vor dem Landgericht Hamburg auf einen Vergleich. "Anstoß 4" ging somit am 29. November in den Verkauf, wenn auch mit deutlichen Nachbesserungen am Programm und nur in geringen Stückzahlen.

Einer Schuld ist sich Ascaron nur bedingt bewusst. Die Übernahme von Daten wird zwar nicht explizit bestritten, aber laut Marketing Director Berndt Almstedt waren die von EA beanstandeten Datensätze völlig unbedeutend. Einem Vergleich habe man unter anderem nur im Gedanken an die Partner im Handel zugestimmt. Sauer aufgestoßen ist Almstedt vielmehr das seiner Meinung nach "unwürdige" Verhalten des Branchenmajors. So gebe es nach seinem Verständnis in Teilen eine Diskrepanz zwischen der Sachdarstellung seitens EA und den tatsächlichen Vorkommnissen. Almstedt schildert sie so: "Ascaron erreichte am Dienstag, dem 26. November, ein Fax von Electronic Arts, datiert auf den 25. November, zu einem angeblichen Rechtsverstoß, mit einer Aufforderung zur Stellungnahme bis zum 27. November. Am gleichen Tag erhielten wir vom Landgericht Hamburg eine 50-seitige Anklageschrift, mit einer Ladung zu einer Anhörung am 28. November zum Verfügungsantrag von EA. Dieser Antrag datierte bereits auf den 22. November!"

EA habe, so sagt Almstedt, die Aufforderung zur Stellungnahme absichtlich zu spät zustellen lassen, um eine Reaktion seitens Ascarons auszuschließen. Nun will Ascaron gegen EA rechtliche Schritte einleiten. Grund sei eine teilweise "unwahre und irritierende" Darstellung. "Meiner Meinung nach lässt das unwürdige Verhalten von EA nur den Schluss zu, dass man sich der Schwächen seines eigenen, mit hohen Kosten beworbenen Produkts sehr wohl bewusst ist und man deshalb mit allen verfügbaren, auch sehr fragwürdigen Mitteln den Release unseres Toptitels,Anstoß 4' zu verhindern versucht", sagte Almstedt.

EA-GF Jörg Trouvain verteidigte das Vorgehen seines Hauses: "Gerade weil Marktführern häufig unterstellt wird, dass sie Wettbewerber mit allen Mitteln verdrängen, sind wir bei EA besonders sensibel, was unser Verhalten gegenüber dem Wettbewerb angeht. Es gehört zum Grundverständnis von EA, jederzeit fair im Markt zu agieren. Die gleiche Fairness erwarten wir aber auch von unseren Wettbewerbern, egal ob groß oder klein. Die unautorisierte Verwendung von Daten ist damit nicht zu vereinbaren." Die Fortsetzung der Geschichte ist offen. Der Markt aber wird sich selbst regulieren. Den Beweis werden u. a. die Dezembercharts von Media Control erbringen.

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