"Marvel's Avengers" enttäuschte die Erwartungen von Square Enix und auch von vielen SpielerInnen. CEO Yosuke Matsuda sagte in dem Zusammenhang, dass nicht alle Studios mit Game-as-a-Service-Titeln umgehen könnten und regte ein internes Umdenken an.

In Bezug auf "Marvel's Avengers", das sowohl spielerisch als auch bei den Verkäufen hinter den Erwartungen zurückblieb, erklärte Square-Enix-Präsident Yosuke Matsuda den Investoren, dass man aus dem "enttäuschenden Abschneiden" des Spiels lernen müsse. Er betonte, dass es wichtig sei, genau die Entwicklungsstudios auf die gewünschten "Spieldesigns" anzusetzen, die am besten zu ihren Fähigkeiten und Interessen passen würden. Somit ist er der Ansicht, dass Crystal Dynamics als federführendes Studio wohl nicht die richtige Wahl für den Game-as-a-Service-Titel war. Aber auch die Auswirkungen der Home-Office-Situation im letzten Abschnitt der Entwicklung aufgrund der Covid-19-Pandemie erwähnte er als zusätzliche Schwierigkeit.

Yosuke Matsuda: "Wir waren in der Lage, die Herausforderungen zu meistern und das Spiel zu veröffentlichen, aber es war leider nicht so erfolgreich, wie wir es uns gewünscht hätten. Nichtsdestotrotz hat uns die Nutzung des GaaS-Modells Probleme aufgezeigt, mit denen wir in Zukunft bei der Entwicklung von Spielen konfrontiert sein werden, zum Beispiel die Notwendigkeit, Spieldesigns auszuwählen, die zu den einzigartigen Eigenschaften und Vorlieben unserer Studios und Entwicklungsteams passen. (...) Auch wenn die Herausforderung, die wir mit diesem Titel in Angriff genommen haben, zu einem enttäuschenden Ergebnis geführt hat, sind wir sicher, dass der GaaS-Ansatz an Bedeutung gewinnen wird, da Spiele zunehmend serviceorientierter werden. Wie wir neue Erfahrungen schaffen, indem wir diesen Trend in unser Spieldesign einbeziehen, ist eine Schlüsselfrage, die wir in Zukunft beantworten müssen."

Noch im Juni 2019 war Yosuke Matsuda der Ansicht, dass Crystal Dynamics für die Umsetzung von "Marvel's Avengers" gut geeignet wäre. In einem Interview mit GamesBeat sagte er: "Crystal war schon immer ein Unternehmen, das Spiele im Action-Adventure-Bereich entwickelt hat. In diesem Sinne dachte ich, dass es gut passen würde, ein Marvel-Spiel rund um die Avengers zu machen, weil das natürlich ein actionbasiertes Spiel ist." Crystal Dynamics hatte in den vorherigen Jahren vornehmlich an der Tomb-Raider-Reihe gearbeitet.

"Marvel's Avengers" wurde im August 2020 veröffentlicht, kämpfte laut VGC mit technischen Problemen und bot im Multiplayer-Modus zu wenig Inhalte. Nach dem Verkaufsstart verzögerten sich mehrere Inhaltsupdates. Erst mit der Erweiterung "Black Panther - War for Wakanda" und der Veröffentlichung im Xbox Game Pass stiegen die Nutzungszahlen wieder an, bevor die EntwicklerInnen im Oktober 2021 gegen Echtgeld kaufbare XP-Booster einführten. Diese XP-Booster stießen auf viel Gegenwind aus der Community, weil EntwicklerInnen und Publisher damit ihr Versprechen gebrochen hatten, dass es kostenpflichtige Mikrotransaktionen nur für kosmetische Gegenstände geben würde. Mittlerweile sind die XP-Booster wieder entfernt worden.

Das kürzlich veröffentlichte "Guardians of the Galaxy", das von Eidos Montreal entwickelt wurde, ist hingegen ein klassisches Action-Adventure ohne Service- und Multiplayer-Elemente geworden. Es erhielt im Gegensatz zu "Marvel's Avengers" weitgehend gute Kritiken und positive Rückmeldungen von NutzerInnen.

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Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.