Messerückblick: E3 mit über 1350 Weltpremieren
Vom 14. bis 16. Mai drehte sich in Los Angeles alles um PC- und Videospiele. Die größte Spielefachmesse der Welt, die Electronic Entertainment Exposition (E3), hatte für drei Tage wieder ihre Zelte in der US-Metropole aufgeschlagen und bot einen Vorgeschmack auf die kommenden Produkthighlights, darunter auch das Gameshandy N-Gage von Nokia.
Auch die mittlerweile neunte E3 war wieder ein voller Erfolg. Über 400 Aussteller zeigten im dortigen Convention Center den 62.000 Fachbesuchern aus über 80 Ländern Tausende von Games. Allein 1350 Computer- und Videospiele waren hier zum ersten Mal zu sehen. Doch nicht so sehr die imposante Anzahl der Games, sondern ihre durchgängig hohe Qualität überzeugte das Fachpublikum. Die fortschreitende Erfahrung der Entwicklerteams bei der Programmierung von Spielen für PlayStation 2, Xbox und GameCube einerseits sowie immer schnellere PC-Prozessoren und Grafikkarten andererseits sorgen für audiovisuelle Meisterleistungen, die durchaus auch Casual Gamer in den Bann ziehen könnten. Allerdings wurde unter den Besuchern immer stärker der Ruf nach Innovationen laut, denn nur allzu oft wird dem geneigten Spieler bekannte Kost in neuem Gewand geboten.
In diesem Zusammenhang verwunderte nicht, wie viele Sequels und Spielideen nach dem Vorbild erfolgreicher Konzepte feilgeboten wurden. Und waren es in den vergangenen Jahren Titel wie "Tomb Raider" oder beispielsweise "Command & Conquer", die offensichtlich als Vorbild zitiert wurden, so war es bei der diesjährigen Veranstaltung nicht grundlos das Spionageabenteuer "Splinter Cell" von Ubi Soft. Den größten Teil des Messe-Line-ups bestimmten Ego-Shooter, wobei sich die kreativen Spieleschöpfer nicht selten für Szenarien aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg bei Story und Schauplätzen begeistern ließen. Trotz oder gerade wegen der Vielzahl an Fortsetzungen können sich Gamer und Händler schon jetzt auf ein heißes Saisongeschäft im Herbst und zu Weihnachten einstellen, wobei sich die Freude des Handels ob zu wenig Regalfläche in Grenzen halten dürfte. Entsprechend positiv, um nicht zu sagen:euphorisch, war auch die gesamte Atmosphäre an den teils gigantischen Ständen der E3.
Sony überrascht Spielewelt mit PSP
Welch ein Kontrastprogramm zur deutschen Stimmungslage! Während sich nämlich der hiesige Markt für Unterhaltungssoftware im letzten Jahr erneut rückläufig entwickelte und seitens des Gesetzgebers immer stärkeren Reglementierungen unterworfen ist - Jugendschutz & Co. -, feierte der US-amerikanische Industrieverband und E3-Veranstalter IDSA PC- und Videospiele mit einer Show, die ihresgleichen sucht. Ob in Tageszeitungen, Fernsehnachrichten, im Radio oder auf den reichlich vorhandenen Werbeflächen in L.A. - Games waren vor und während der Spielemesse E3 omnipräsent, allen voran Ataris "Enter The Matrix", das durch den gleichzeitigen US-Kinostart von "Matrix Reloaded" zusätzlich begünstigt wurde. Auch deshalb war "Matrix" eines der Messethemen, weil die Qualität der Spielumsetzung aus dem Hause Shiny Entertainment trotz toller Kampfszenen und exklusivem Filmmaterial hinter den Erwartungen der Spielergemeinde zurückblieb. Dennoch gibt der Verkaufserfolg Publisher Atari Recht, der mit der Umsetzung von "Terminator 3"ein weiteres filmbasiertes Ass im Messegepäck hatte. Überrascht zeigten sich die Fachbesucher, als ihnen die Matrix nicht nur am Atari-Stand, sondern auch bei Ubi Soft begegnete, die in Zusammenarbeit mit AOL Time Warner für Sommer 2004 "The Matrix Online" ankündigten.
Potenzielle Blockbuster am laufenden Band
Angesichts der nicht nur wirtschaftlichen Bedeutung von "Enter The Matrix" für Atari dürfte "The Matrix Online" bei Bruno Bonnell auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. Doch längst nicht nur "Matrix" stand im Fokus des Besucherinteresses, hatten doch sehr viele der ausgestellten Neuheiten echte Überfliegerqualitäten, und das größtenteils sogar ohne zukräftige (Film-)Lizenz.
Neben dem gewohnt starken Portfolio von Electronic Arts ("Quidditch World Cup", "Der Herr der Ringe: Rückkehr des Königs", "James Bond 007: Alles oder Nichts", "Die Sims 2" und andere) und dem sehr guten Line-up von Activision (darunter "Doom III") waren insbesondere "Halo 2" (Microsoft), "Half-Life 2" (Vivendi Universal Games), "Metal Gear Solid 3" (Konami), aber auch "Tron 2.0" von Buena Vista Games die Publikumsmagneten. Und erwartungsgemäß steuerte auch in diesem Jahr Disney respektive die Animationsprofis von Pixar mit dem Kinotrickfilm"Findet Nemo" die Vorlage für entsprechende PC- und Konsolenumsetzungen bei. Als die Newsmaker schlechthin während der E3 entpuppten sich wieder einmal die drei Plattformhersteller - Sony, Microsoft und Nintendo.
Allesamt warteten sie zwar mit keinen spektakulären Sensationen, aber doch mit der einen oder anderen Überraschung auf. Insbesondere Publisher Sony Computer Entertainment, der für 2004 ein Handheld, kurz: PSP (= PlayStation Portable), ankündigte, womit Nintendos Game Boy erstmals mächtig Gegenwind bekommen dürfte. Dann natürlich Microsoft, die sich hinsichtlich der Aufwertung der Xbox extrem kreativ zeigten. Mit zum Teil raffinierten neuen Features will Microsoft das Segment Videospiele erweitern, um den digitalen Entertainment-Lifestyle massiv zu bedienen. Hier seien vor allem der "Xbox Music Mixer" (inklusive Karaokefunktion und mitgeliefertem Mikrofon) genannt sowie das spezielle Internetangebot "XSN Sports" für Xbox-Sportspiele(r).
Nintendo setzt auf Verlinkung
Last but not least Nintendo, die das Zauberwort "Connectivity" unters begierige Gamervolk warfen, womit die Verlinkung von GBA mit dem GameCube gemeint ist. Zudem präsentierte Nintendo den Game-Boy-Player (Release: 20. Juni), der, mit dem GameCube verbunden, alle Game-Boy-Spiele, also auch jene für GB Color und GB Advance, auf dem heimischen Fernseher spielbar macht. Außer der Kooperation mit Konami für "Metal Gear Solid: The Twin Snakes" gab Nintendo einen weitern Ableger von "Star Wars: Rogue Squadron" (LucasArts) bekannt. Produkthighlight am Stand war jedoch der lang erwartete Funracer "Mario Kart: Double Dash!!".
Nicht vergessen werden soll natürlich der finnische Handyhersteller Nokia, der sein N-Gage während einer eigens einberaumten Pressekonferenz wie auch am großzügig bemessenen Stand erstmals der internationalen Spielergemeinde präsentierte. Als weltweiten Marktstart der schicken Konsole nannte das Unternehmen den 7. Oktober. Zuvor wird N-Gage aber noch auf der 2. GC - Games Convention in Leipzig zu sehen sein, die sich bereits mit ihrem Debüt im letzten Jahr auf Handelsseite als Leit-, Informations- und Ordermesse etablieren konnte. So wenige Abgesandte des deutschen Gameshandels wie auf der diesjährigen E3 hat es in der Geschichte dieser Fachmesse noch nie gegeben. Auf Nachfrage hieß es aus diesen Kreisen, dass man auf die GC setze. Und wo sie Recht haben, haben sie Recht. Warum in die Ferne reisen, wenn die GC ist so nah?