Knapp 2,9 Milliarden Dollar hat Microsoft mit Abodiensten auf Konsole im Kalenderjahr 2021 umgesetzt, das geht aus einer Schätzung der brasilianischen Wettbewerbungsbehörde im Zuge der Prüfung der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft hervor. Trotz eines Marktanteils von 30 bis 40 Prozent in diesem Segment und einem noch höheren Anteil im PC-Bereich sahen die Marktwächter:innen keinen Grund, um die Akquisition zu untersagen.

Im Kalenderjahr 2021 hat Microsoft mit Abodiensten auf Konsole, also Xbox Game Pass und Xbox Live Gold, knapp 2,9 Milliarden Dollar umgesetzt. Die Umsatzzahl ist in einem öffentlich einsehbaren Ergebnisdokument zur Prüfung der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft von der brasilianischen Wettbewerbungsbehörde, CADE, geschätzt worden (vgl. Tabellen 23 bis 28). Damit hat Microsoft ungefähr 30 Prozent der Einnahmen im Games-&-Services-Segment mit Abodiensten erzielt, besagter Umsatz war 12,851 Milliarden Dollar. Im Gesamtmarkt der Gaming-Abodienste wird Microsoft ein Anteil von 30 bis 40 Prozent bescheinigt. Die Redmonder haben bisher selbst keine Game-Pass-Umsatzzahlen veröffentlicht, lediglich Nutzer:innenzahlen genannt und von einem "nachhaltigen" Geschäftsmodell gesprochen. Sony liegt im selben Jahr mit einem Marktanteil von 40 bis 50 Prozent noch klar vor Microsoft, allerdings ohne öffentliche Nennung des Umsatzes. Nintendo und Electronic Arts haben 932 Millionen Dollar respektive 356 Millionen Dollar umgesetzt. Mikrotransaktionen und DLC- sowie Spielekäufe sind in diesen Daten nicht enthalten, lediglich die Umsätze durch Abodienste. Nichtsdestotrotz wird darauf hingewiesen, dass die Schätzungen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten seien und nicht alle derzeitigen Akteure in diesem Segment berücksichtigt wurden, zum Beispiel Amazon Luna. Die Daten sollen dennoch wichtige Hinweise auf die aktuelle Wettbewerbssituation bei den Abonnementdiensten geben.

Die Wettbewerbungsbehörde in Brasilien ist der Ansicht, dass der beträchtliche Marktanteil, den Microsoft in diesem Bereich hält, nicht nur auf die Menge und Vielfalt der über Game Pass verfügbaren Inhalte zurückzuführen ist, sondern auch auf die Pionierarbeit bei der Bereitstellung dieser Art von Diensten auf Konsolen. "Die Tatsache, dass Microsoft vor seinen Konkurrenten auf dem Konsolenmarkt in das Segment der Multigame-Abonnements eingestiegen ist, bedeutet jedoch keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil für Game Pass. Sowohl Sony als auch Nintendo verfügen über einen umfangreichen Katalog exklusiver Spiele in ihren Ökosystemen, Partnerschaften mit verschiedenen Drittanbietern und einen großen Kundenstamm unter den Nutzern ihrer Konsolen. In diesem Sinne ist davon auszugehen, dass die Abonnementdienste dieser Unternehmen in den kommenden Jahren noch viel Raum für die Entwicklung von Umfang und Inhalt haben werden, um immer wettbewerbsfähiger zu werden", schreibt CADE, wobei hervorgehoben wird, dass Sony im Jahr 2021 trotz Game Pass einen höheren Marktanteil mit PlayStation Plus hatte. Die diesjährige Umstellung von PlayStation Plus auf ein Game-Pass-ähnliches System wird ebenfalls erwähnt.

Im PC-Bereich wird der Game Pass als einziger Abonnementdienst bezeichnet, der eine Games-Bibliothek von mehreren Publishern umfasst, daher sei der Marktanteil von 60 bis 70 Prozent in diesem Segment "keine Überraschung". Electronic Arts und Google (Stadia) werden mit einem Anteil von jeweils zehn bis 20 Prozent gelistet, "Antstream" mit bis zu zehn Prozent. CADE sieht keine großen Hürden für neue Marktteilnehmer:innen: "Microsoft und Activision Blizzard haben zusammen einen Anteil von weniger als zehn Prozent am PC-Spiele-Markt, sowohl weltweit als auch in Brasilien. Selbst wenn die Transaktion zustande käme, gäbe es immer noch eine beträchtliche Anzahl von Spieleherstellern, die ihre eigenen Dienste entwickeln oder ihre Inhalte an andere Abonnementdienste für mehrere Spiele lizenzieren könnten. Insbesondere ist nicht zu erwarten, dass Unternehmen wie Valve und Epic Games, die einschlägige Publisher sind und über Steam bzw. den Epic Games Store auch recht erfolgreich auf dem Markt für den digitalen Vertrieb tätig sind, größere Schwierigkeiten bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer eigenen Abonnementdienste haben werden, die denen von PC Game Pass ähneln, wenn die Nachfrage nach dieser Art von Diensten weiter steigt."

Auch im Bereich der Cloud-Gaming-Dienste, schließlich hat Microsoft das Game-Streaming an den Xbox Game Pass Ultimate geknüpft, erwartet die brasilianische Wettbewerbsbehörde keine größeren Auswirkungen. Vielmehr sieht sie Cloud Gaming als Zukunftstrend, hebt jedoch die relativ niedrige Akzeptanz bei den Nutzer:innen hervor. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Omdia wird der Anteil der Cloud-Gaming-Dienste an den Spiele-Ausgaben voraussichtlich von 2,1 Prozent im Jahr 2021 auf 6,1 Prozent im Jahr 2026 steigen, so CADE. Hier lautet das Fazit: "Ein Wachstum, das zwar recht aussagekräftig ist, aber noch nicht ausreicht, um das derzeitige Paradigma der Branche zu durchbrechen".

In Brasilien ist die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft bereits von den Aufsichtsbehörden genehmigt worden, wie schon vorher in Saudi-Arabien. In Europa, Großbritannien und den USA beschäftigen sich die Wettbewerbshüter:innen derzeit noch intensiver mit den möglichen Auswirkungen auf den Markt für Computer- und Videospiele. Microsoft erwartet, dass die Übernahme bis Mitte 2023 abgeschlossen ist.

Marcel Kleffmann

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Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.