Microsoft plant wohl eigenen Xbox Mobile Gaming Store
Durch die Übernahme von Activision Blizzard möchte sich Microsoft bekanntlich auf dem Mobile-Markt stärker aufstellen. Dokumente, die der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde laut einem Medienbericht vorliegen, gehen noch weiter. Vielmehr soll ein eigener Xbox Mobile Store umgesetzt werden, um Apple und Google mit "Call of Duty" und "Candy Crush" die Stirn zu bieten.
Dass Microsoft versucht, sich mit der Übernahme vonActivision Blizzard stärker im Mobile-Segment zu positionieren, ist nichts Neues - entsprechende Pläne sind bereits enthüllt worden, schließlich hat Activision mit "Call of Duty: Mobile" und King mit "Candy Crush Saga" überaus reichweitenstarke Mobile-Titel mit Millionen von täglich aktiven Nutzer:innen im Portfolio. Auch Blizzard Entertainment versucht sich mit "Warcraft Arclight Rumble" und "Diablo Immortal" zunehmend in dem Bereich. Doch die Pläne von Microsoft gehen weiter und über die eigentlichen Spiele hinaus. Ein eigenes Mobile-Ökosystem steht im Raum.
Wie Tom Warren von The Verge berichtet, geben Dokumente von Microsoft, die der britischen Competition and Markets Authority (CMA) zur Prüfung der Übernahme vorliegen, einen besseren Einblick in den strategischen Plan von Microsoft. Demnach möchten die Redmonder die Entwicklung einer Xbox-Plattform für mobile Spiele und eines eigenen Stores vorantreiben. Dieser Xbox Store würde in Konkurrenz zu dem Google Play Store und dem Apple App Store auf mobilen Geräten stehen. Microsoft macht sich aber keine Illusionen und erwartet, dass dafür eine grundlegende Änderung des Verbraucherverhaltens erforderlich wäre. Es wird gehofft, dass altbekannte und neue Spiele bzw. Inhalte die Nutzer:innen überzeugen könnten, etwas Neues zu probieren und der Store-Alternative eine Chance zu geben. Gerade auf Apple-Geräten dürfte die Umsetzung aufgrund der Richtlinien für Third-Party-Stores aber schwierig sein, wie am Fortnite-Beispiel von Epic Games erkennbar.
Auch die Öffnung der Xbox-Plattform beziehungsweise die Möglichkeit, dass Entwickler:innen ihre eigenen Zahlungssysteme zur Abwicklung von In-App-Käufen nutzen können, deutet in diese Richtung, zumal diese Regelung auch für den zukünftigen Xbox Mobile Store gelten soll, heißt es in dem Dokument. Zudem wird angedeutet, dass Epic Games seine Partnerschaft mit Microsoft ausbauen könnte, schließlich hatte sich Epic mehrfach lautstark gegen die Regelungen im Store von Apple zur Wehr gesetzt. Epic konnte sich vor Gericht aber nicht durchsetzen und "Fortnite" ist weiterhin nicht auf iPhones verfügbar. Microsoft wäre in dem Fall ein fast schon idealer Verbündeter im Aufbau eines eigenen Mobile-Store-Ökosystems, wobei sich dieser Store ja nicht nur auf Spiele beschränkte müsste.
Grundsätzlich passt solch ein Store zu dem jüngsten Mobile-Vorstoß von Microsoft. So ist Xbox Cloud Gaming auf Smartphones präsent und wird zunehmend auf Cloud-Gaming-Handhelds positioniert. Doch letztendlich sind es die Wettbewerbshüter:innen, die der dafür relevanten Akquisition zustimmen müssen - und abseits dieser Mobile-Strategie, die für Microsoft einleuchtet, müssen die Auswirkungen der Übernahme auf andere Segmente des Spielemarkts betrachtet werden, also auf das PC- und Konsolen-Geschäft und die zukunftsträchtigen Abo- und Clouddienste.
Marcel Kleffmann