Aufgrund rückläufiger Gewinnspannen im Kraftstoffgeschäft bauen die Mineralölkonzerne ihr Sortiment von branchenfremden Gebrauchsartikeln aus. Neben Videos und CDs bieten die Shops zunehmend auch PC-Hardware und Zubehör an. Um dabei die traditionellen Öffnungszeiten zu umgehen, drängen die neuen Anbieter ins Geschäft via Internet.

Bereits im Frühjahr hatte die Shell AG in den Shops ihrer Tankstellen in unregelmäßigen Abständen Nonfood-Artikel wie Grillgeräte oder Zelte angeboten. Diese Aktionswochen sollen jetzt zur festen Einrichtung werden. "Wir greifen bewußt ein Erfolgsmodell auf, das sich in den Einzelhandelsläden von Tchibo nachhaltig bewährt hat", preist Oswald Brockerhoff, Direktor der Shell Tankstellengeschäfte, das Vorbild. Mit ihren Shops verzeichnete Shell zuletzt zweistellige Zuwachsraten, während der Lebensmitteleinzelhandel insgesamt stagniert. So stieg der Zigarettenabsatz an den Tankstellen mit der Muschel im bisherigen Jahresverlauf um über zehn Prozent. Brockerhoff: "Nur durch den konsequenten Ausbau des Shopgeschäfts können wir die rückläufigen Gewinnspannen im Kraftstoffgeschäft kompensieren."

Bereits 2001 will der Konzern 35 Prozent des gesamten Ertrags an den Tankstellen mit dem Shop- und Waschgeschäft erwirtschaften. Dabei gelangt auch Computerhardware in das Sortiment hinter den Zapfsäulen. Aral hatte bereits im November PC-Zubehör wie Joysticks und CD-Rohlinge verkauft. Die Artikel seien "sehr gut gegangen", bilanziert Pressesprecher Detlef Brandenburg. Künftig sollen solche Aktionen regelmäßig durchgeführt werden. Mit dem Ausbau ihres Nonfood-Sortiments betreten die Mineralölgesellschaften eine juristische Grauzone. Offiziell darf an Tankstellen außerhalb der öffentlichen Geschäftszeiten nur Reisebedarf verkauft werden. Doch was darunter zu verstehen ist, hat der Gesetzgeber bislang nicht klar definiert. So hat Aral seine Joysticks auch nach 20 Uhr abgegeben.

Bei Shell gibt man sich bedeckt: "Wir machen nur das, was wir gesetzlich dürfen, reizen das aber natürlich voll aus", sagt Konzernsprecher Lars-Olaf Brendel, "aber die frequenzstärksten Zeiten liegen eh in den normalen Öffnungszeiten." Um die gesetzlichen Einschränkungen zu umgehen, baut die deutsche Tochter des Mineralölkonzerns British Petrol (BP) bei ihrem Einstieg in den PC-Handel auf E-Commerce. Vom 6. Dezember an sollen Verbraucher über "BP Express.de" Produkte der Informationstechnologie und damit verbundene Dienstleistungen ordern können. Zum Start werden 20 000 Computer, inklusive Monitor, Druk-ker und AOL-Zugang, angeboten. Hinzu kommen Optionsscheine für 3D-Brillen und ein Softwarepaket. Die Rechner werden zunächst innerhalb der offiziellen Öffnungszeiten an den BP-Tankstellen verkauft. Mit dem Rest will man dann die Internetkunden beliefern.

Um eine hochwertige Qualität der PC-Artikel zu erreichen, schloß der Mineralölkonzern unter dem Namen "BP Best Partners" Abkommen mit namhaften Herstellern wie Compaq, Intel, Lexmark oder AOL. Danach bietet BP ausschließlich Produkte dieser Firmen an, gleichzeitig dürfen diese von den Mineralölkonzernen nur BP beliefern. Das E-Commerce-Angebot soll sich zunächst auf PC-Artikel konzentrieren. "Das virtuelle BP-Kaufhaus mit Vollsortiment ist aber eine Vision, die wir uns offenhalten", betont Vorstandschef Dr. Uwe Franke. "Das BP-Best-Partners-Konzept ist branchenübergreifend. Führende Unternehmen anderer Branchen sind uns als Best Partners willkommen." Die Konkurrenz reagiert auf die BP-Absichten gelassen. Bei Shell gibt es keine konkreten Pläne für einen PC-Verkauf. Sprecher Lars-Olaf Brendel: "Wenn das paßt und wir einen attraktiven Preis anbieten können, warum nicht? Aber nur weil es zur Zeit alle machen, müssen wir ja nicht auch auf den Zug aufspringen."

Auch Esso hält nichts vom Computerhandel. "Wir glauben, daß an Tankstellen nichterklärungsbedürftige Produkte angeboten werden müssen", findet Pressesprecher Alexander Geck. "Bei Aldi kommen Kunden, die genau wissen, was sie wollen. Wir möchten solche Produkte mit Rücksicht auf unser Verkaufspersonal nicht anbieten, das paßt nicht in unser Konzept." Monatliche Verkaufsaktionen mit anderen Artikeln dagegen seien bei Esso längst Standard, die Pläne von Shell "kalter Kaffee". E-Commerce hingegen ist überall ein Thema: "Das ist ein Bereich, wo man als großer Konzern den Finger am Puls haben muß", bestätigt Brendel. "Man muß aber die Entwicklung von E-Commerce abwarten. Wenn man einsteigt, muß man auch ein richtiges Konzept haben." Auch Aral-Sprecher Detlef Brandenburg ist überzeugt: "E-Commerce ist eine Geschichte mit Zukunft." Schon jetzt kann man übers Internet bei Aral den "Wakkel-Dackel" oder Musik-CDs bestellen. Das Programm, so Brandenburg, sei sicher "ausbauwürdig".

Doch genaue Konzepte will er "mit Rücksicht auf den Wettbewerb" nicht nennen. Auch der Mineralölkonzern DEA scheint einen Einstieg ins E-Commerce vorzubereiten, hält sich aber ebenso bedeckt. Pressereferentin Anke Reif: "Wenn man etwas plant, will man das ja nicht unbedingt an die große Glocke hängen.'

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