Die Branche ist zu Gast in Leipzig. Doch die GC - Games Convention ist nicht der einzige Ort in Leipzig, der für Zocker interessant ist. Seit gut zehn Jahren gilt das Ladengeschäft Zur 48 als wichtige Anlaufstation für alles rund um das Thema Games und PC. "MCVgamesmarkt" hat Rainer Flohr in seinem Geschäft besucht.

Auf den ersten Blick glaubt man, man stehe in einem Fachmarkt: weitläufiges Terrain, breite Gänge und ein Regalsystem, das man nicht unbedingt bei einem Facheinzelhändler erwartet. Doch der erste Eindruck täuscht. Schließlich ist man weder bei den "Roten" noch den "Blauen" oder "Gelben" zu Gast, sondern bei Rainer Flohr und seinem Laden Zur 48 in Leipzig. Von einem "kleinen" Händler kann angesichts des 3000 Quadratmeter großen Ladenlokals dennoch keine Rede sein. Und doch startete Zur 48 1994 genau so: auf 36 Quadratmetern in der südlich von Leipzig gelegenen Stadt Markleeberg. Schon bald wurde die Fläche auf 100 Quadratmeter erweitert. 1995 zog Flohr mit Zur 48 in den Leipziger Stadtteil Plagwitz in die oberste Etage eines dreistöckigen Fabrikbaus um. Auf rund 500 Quadratmetern bot Flohr seinen Kunden dort vor allem Spiele an. Sukzessive wuchs das Geschäft. Bereits ein Jahr nach dem Einzug mietete Flohr eine zweite Etage an, 1999 schließlich war Zur 48 auf allen drei Etagen zu Hause. "Anfangs setzte sich unser Umsatz zu 90 Prozent aus dem Verkauf von Spielen und zu zehn Prozent aus dem Verkauf von Hardware und Zubehör zusammen", erinnert sich Flohr.

Ungefähr zur selben Zeit, als Zur 48 sich auf die dritte Etage in Plagwitz ausbreitete, begann die Verteilung jedoch zu kippen. "Inzwischen sind wir bei ungefähr 90 Prozent Hardware und zehn Prozent Spielen angekommen", sagt Flohr. Doch auch wenn sich die Gewichtung in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat, an der Präsentation der Spiele könnte sich auch so manch ein "großer" Handelspartner ein Beispiel nehmen. Deutlich sichtbar durch eine farbliche Unterscheidung sind die verschiedenen Plattformen voneinander getrennt. Den größten Anteil am Softwaresortiment hat jedoch der PC-Spiele-Bereich, der nicht minder übersichtlich präsentiert wird und kaum Wünsche offen lässt. Innerhalb des PC-Segments, aber auch im PlayStation-Bereich spielen bei Zur 48 vor allem die preisgünstigen Titel eine wichtige Rolle. Deutlich wird dies an der offensichtlich guten Zusammenarbeit mit ak tronic: PC-, PSone- und PS2-Pyramide sind ebenso im Ladenlokal vorhanden wie eine komprimierte Präsentation der "Green Pepper"-Reihe oder separate Präsentationen von Low-low-Budget-Spielen für fünf Euro oder weniger.

Insgesamt bekommt man bei einem Besuch von Zur 48 den Eindruck, dass das Sortiment nicht nur mit der Produktauswahl in allen Fachmärkten mithalten kann, sondern dieses teilweise übertrifft. Und genau das ist laut Flohr eins der Erfolgsrezepte, um gegen die in Leipzig inzwischen stark vertretenen Fachmärkte bestehen zu können. "Was die Kunden wollen, ist Auswahl", sagt Flohr im Interview mit MCVgamesmarkt. Und die bietet Zur 48 reichlich. Dass die Geschäfte gut laufen, zeigt sich unter anderem an der Kooperation mit den Lieferanten. Die Leipziger arbeiten mit allen wichtigen Spielepublishern direkt zusammen. Entsprechend hat Flohr auch Zugriff auf Point-of-Sale-Material. Zudem verfügt Zur 48 beispielsweise über einen Shop-in-Shop von Electronic Arts. Auch aufwendige Dekomaterialien wie lebensgroße Figuren bekannter Spielcharaktere schmücken die Verkaufsfläche;beispielsweise werden die Besucher schon am Eingang von "Spider-Man" begrüßt.

Alles in allem lohnt es sich, während der GC - Developer Conference auch einen Abstecher zum Zur 48 zu machen. Angst, von den Messemassen auch im Laden bedrängt zu werden, muss man laut Flohr aber nicht haben. "Die meisten GC-Besucher kommen aus der Region, und da gibt es kaum neue potenzielle Kunden", sagt der Zur-48-Chef. Aus diesem Grund verzichtet er auch auf spezielle Werbung zur GC. "Ich finde die GC hoch interessant als Ordermesse. Alle entscheidenden Einkäufer aus Deutschland sind vor Ort. Aber was das Geschäftliche anbelangt, merken wir keine Belebung", berichtet Flohr von seinen Erfahrungen aus den vergangenen zwei Jahren. Dass macht jedoch gar nichts. Denn die Leipziger werden allem Anschein nach auch künftig bei Zur 48 vorbeigehen, um ihre Hard- und Software zu kaufen.

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