Nachgefragt beim Pionier unter den Gamedesign-Ausbildern
"MCVgamesmarkt" sprach mit Thomas Dlugaiczyk, Gründer und Inhaber von Deutschlands ältester Spieleschule, der Games Academy.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Spieleakademie zu gründen?
Thomas Dlugaiczyk: Nach der jahrelangen Tätigkeit als Leiter der USK in Berlin hatte ich die Idee einer speziellen Ausbildungseinrichtung, besonders für Talente. Die Gamesbranche verfügt über eine ganz spezielle, eigene Kultur, differenzierte Produktionsmethoden und Technologien. Ende der 90er Jahre war mir bereits klar, dass neben Quereinsteigern immer mehr hochspezialisierte Fachkräfte gebraucht werden - wie in jedem Industriezweig. Und als Sozialpädagoge sind die Menschen und ihre Entwicklung mein Thema. Insofern kann ich meine Ausbildung und meine Branchenkenntnisse bis heute in meinem Unternehmen gut einsetzen.
Arbeiten Sie bei der Erstellung des Lehrplans und in der Ausbildung mit den Entwicklern zusammen?
Dlugaiczyk: Ja. Und zwar sehr gern. Die Games Academy ist eigentlich inzwischen fester Bestandteil der deutschsprachigen Branche. Ohne die sehr intensive Zusammenarbeit und unsere mehr als 70 Dozenten geht bei der Zusammenstellung der Lehrpläne nur wenig. Dazu gehören vor allem die Berliner Studios, aber inzwischen auch viele andere Profis aus dem deutschsprachigen Bereich. Wir bilden unsere Studenten für die Studios und Verlage aus und hören sehr genau zu, wo der - vor allem künftige - Bedarf liegt. Mit dem 3D-Programmierer haben wir im letzten Jahr erneut ein spezielles Profil entwickelt, das in diesem Jahr erst so richtig zum Tragen kommt. Im nächsten Jahr kommen unsere ersten Absolventen dann zum richtigen Zeitpunkt.
Welche Eigenschaften muss ein angehender Gamedesigner mitbringen?
Dlugaiczyk: Das ist schwer zu sagen. Der unbedingte Wille, das eigene Projekt an den Start zu bringen; eine Menge an Soft Skills wie Disziplin und Durchsetzungsvermögen. Und natürlich Sachkenntnis und Talent. Der Gamedesigner als Profession ist auch schwer zu beschreiben. Eine Analogie ist vielleicht der Regisseur. Das Regiestudium vereint eine Unmenge an Informationen über den Prozess der Filmherstellung. Nur: Nach dem Studium ist keiner der Absolventen ein Regisseur. Das geht nur mit einem Projekt! So verhält sich dies auch mit dem Gamedesigner.
Genügt wirklich ein Jahr, um die Grundlagen dieses vielschichtigen Berufs zu erwerben?
Dlugaiczyk: Bisher im Rahmen unserer Ausbildung schon. Das Ziel ist ja auch die Erstellung eines ersten Projekts. Eine Erweiterung des sehr erfolgreichen Gamedesignerkonzepts ist aber in Arbeit. Unsere über vierjährige Erfahrung hilft uns vor allem dabei, den richtigen Weg zu finden. Wir haben genau am 29.11.1999 mit der Entwicklung der Curricula begonnen. Und natürlich waren von Anfang an die Studios mit dabei! Denn: Nur die Grundlagen allein genügen nicht. Wichtig ist ein Prozess, der über Erfahrungen und weiteres Wissen die Fähigkeiten und die Persönlichkeit der Studenten für diese Profession weiterentwickelt. Das ist eins unserer nächsten Ziele.
Fühlen Sie sich ausreichend von Spieleindustrie und Staat unterstützt?
Dlugaiczyk: Die Gamesbranche ist unser Zuhause. Hier gibt es sehr viel Zuspruch und Unterstützung von Unternehmen wie auch von Personen, was uns freut und uns auch immer wieder anspornt. Dazu gehören ATI oder Microsoft und Sony, aber auch viele andere Verlage und natürlich die vielen Studios. Aber auch in der Gesellschaft wird das Thema "Spiele / Games" immer stärker als Wert und Bestandteil unserer Medienkultur begriffen. Als private Schule erwirtschaften wir unsere Ressourcen aus eigener Kraft. Das ist auch wichtig, da wir immer den Druck brauchen, um unsere Programme weiterzuentwickeln. Die Rahmenbedingungen für Spielproduktionen zu verbessern und international üblichen Standards anzupassen, wäre eine wichtige Aufgabe der Politik. Allerdings können die meisten dieser Fragen nur im gesamtgesellschaftlichen Kontext gelöst werden.
Rechnen Sie in den kommenden Jahren mit wachsenden Interessentenzahlen?
Dlugaiczyk: Das hängt vom Markt ab. Den Studenten eine fach- und perspektivgerechte Ausbildung zu bieten und für die Branche Talente zu suchen und zu finden, ist unsere Aufgabe. Das bedeutet viel Detailarbeit und Kraft. Die Games Academy wird - wie in den letzten Jahren - gesund und bedarfsgerecht wachsen. Denn wir wissen: Handwerklich gute, talentierte und fleißige Absolventen haben bisher immer ihren Platz in unserer Branche gefunden.