Nachgefragt: Bodo Schwartz
"GamesMarkt.de" sprach mit Bodo Schwartz, Vorstandsvorsitzender der GVU, über die Rolle von Polizei und Öffentlichkeitsarbeit beim Kampf gegen die Piraterie.
GamesMarkt.de: Müsste nicht auch die Polizei stärker gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen?
Bodo Schwartz: Urheberrechtsverletzungen stehen nun einmal nicht auf einer qualitativen Stufe mit Entführungen, Kindsmord und Banküberfällen. Daraus kann man der Polizei keinen Vorwurf machen, die sich in der Öffentlichkeit ständig dafür rechtfertigen muss, nicht mehr gegen Drogendealer oder andere Schwerkriminelle zu unternehmen. Von daher ist es auch unser aller Aufgabe, dem gewerblichen Raubkopieren die Aura des Kavalierdelikts zu nehmen. Der Kampf gegen Piraterie fängt im persönlichen Gespräch an.
GM: Warum gibt die GVU selten Informationen an die Öffentlichkeit?
Schwartz: Der Anspruch, über aktuelle Erfolge ausführlich zu berichten, und gleichzeitig aus ermittlungstaktischen Gründen nicht alle Details preiszugeben, ist ein schmaler Grat. Er ist so schmal, weil sich bei Durchsuchungen in der Regel oft weitere Erkenntnisse ergeben. Es findet sich eine Spur in Bayern, die über NRW nach Berlin oder umgekehrt führt. Das Auswerten von Computerdateien oder anderen Belegen dauert ebenfalls seine Zeit. Es wäre also töricht, zu viele Details bekannt zu geben, solange die Spur noch heiß ist. Gleichzeitig sind Presseberichte ein Mittel der Pirateriebekämpfung.
GM: Wie wichtig ist Aufklärungsarbeit?
Schwartz: Ich bin kein Gegner von Kampagnen, die auf eine Änderung des Unrechtsbewusstseins abzielen, aber der erhobene, moralische Zeigefinger wird nur sehr bedingt und langfristig etwas ändern. Aber Presseberichte, die die Botschaft vermitteln, dass sich künftig niemand sicher fühlen kann, der gebranntes Material am Arbeitsplatz oder anderswo verkauft, werden langfristig ein anderes psychologisches Klima erzeugen, ohne dass sich der gewöhnliche Internet-User kriminalisiert fühlt.