Die auf AR-Erlebnisse wie "Pokémon GO" spezialisierte Firma Niantic wird umstrukturiert. Knapp 230 Stellen werden abgebaut, das Studio in LA aufgelöst und zwei Games eingestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig, zumal die Umsätze wieder auf dem Vor-Covid-Niveau liegen würden.

Bei Niantic stehen hohe Investitionen zu geringen Umsätzen gegenüber. CEO John Hanke erklärte, dass sie fortan Investitionen in Mobile Games eingrenzen wollen und First-Party-Games im Vordergrund stehen werden, die sich auf Standorte und lokale soziale Gemeinschaften konzentrieren würden. Daher wird Niantic das Studio in Los Angeles auflösen, das Game-Platform-Team verkleinern und weitere Kürzungen im gesamten Unternehmen vornehmen. Infolgedessen wird das im Januar 2023 gestartete AR-Spiel "NBA All-World" eingestellt und die Produktion von "Marvel: World of Heroes" beendet. Ungefähr 230 Stellen sollen abgebaut werden.

"Der Markt für mobile Spiele ist inzwischen weitgehend gesättigt - und nur die besten und differenziertesten Titel haben eine Chance auf Erfolg. Außerdem wollen wir uns verstärkt auf die Entwicklung von Produkten für die aufkommende Klasse der MR-Geräte und zukünftige AR-Brillen konzentrieren", so Hanke. Der CEO erklärt, dass die Ausgaben schneller als die Einnahmen gewachsen seien: "Im Zuge des Umsatzsprungs, den wir während Covid erlebten, haben wir unsere Mitarbeiterzahl und die damit verbundenen Ausgaben erhöht, um das Wachstum aggressiver voranzutreiben, indem wir bestehende Gameteams, unsere AR-Plattform, neue Spieleprojekte und Funktionen zur Unterstützung unserer Produkte ausgebaut haben. Nach Covid kehrten unsere Umsätze auf das Niveau vor Covid zurück und neue Projekte in den Bereichen Games und Plattformen haben nicht die Umsätze gebracht, die diesen Investitionen entsprachen."

Ergänzend nennt er noch Veränderungen in den App-Stores und im Mobile-Ökosystem, die es schwieriger gemacht hätten, neue Games in großem Umfang auf den Markt zu bringen. "Wir sehen uns auch mit einem AR-Markt konfrontiert, der sich langsamer als erwartet entwickelt, weil es technologische Herausforderungen gibt und weil größere Akteure ihre Investitionen angesichts des makroökonomischen Umfelds verlangsamen", sagt Hanke. Für ihn würden Mixed-Reality-Headsets wie Meta Quest Pro und Apple Vision Pro die langfristige Bedeutung von AR bestätigen, aber diese Geräteklasse sei nur ein Zwischenschritt zu "echten" AR-Geräten für den Außenbereich.

Oberste Priorität für Niantic wird "Pokémon GO" sein. Das Spiel soll "für immer wachsen", daher wird mehr Geld in den Titel fließen und das Team weiter ausgebaut. "Pikmin Bloom", "Peridot" und das kommende "Monster Hunter Now" sollen in Bezug auf Nutzerbindung, Umsatz und Rentabilität auf Kurs gebracht werden. "Wir werden weiterhin in unsere AR-Karte und AR-Plattform investieren, um Entwickler:innen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen AR-Erlebnisse zu erstellen, zu erweitern und zu monetarisieren. Unsere höchste Priorität in diesem Bereich ist der Aufbau eines Ökosystems von Devs, die plattformübergreifende, webbasierte (mit 8th Wall) und Unity-basierte AR-Erlebnisse erstellen", heißt es weiter. Das Führungsteam ist zudem bestrebt, unnötige Prozesse, doppelte Zuständigkeiten und unklare Wege zur Entscheidungsfindung abzuschaffen.

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Written by

Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.