Offener Brief der Hemming AG
Mit einem offenen Brief kommentiert die Hemming AG die derzeit stattfindende Debatte über die Darstellung von Gewalt in den Medien. Dabei begrüßt das Unternehmen die Diskussion über die Gewaltverherrlichung in den Medien, warnt jedoch vor pauschalierten Aussagen:
"Deutschland ist erschüttert angesichts der Gewalt in Erfurt. Wieder einmal stellt sich die Gesellschaft fassungslos die Frage, wer wann was falsch gemacht hat.
Die schrecklichen und unfassbaren Geschehnisse in Erfurt führen zu einer neuen Diskussion über das gesellschaftliche Phänomen der Gewaltverherrlichung in den Medien. Doch allzu schnell wird die Diskussion in den Medien mit pauschalierten Aussagen untermauert. Schnell gelangt man zur Schelte ganzer medialer Bereiche und findet in Computerspielen die vermeintlichen Verursacher, ja die eigentlichen Verbrecher.
Als richtig ist festzuhalten, dass ständige schwerwiegende Tötungsdelikte in Computerspielen zweifelsohne zu Gewöhnungseffekten und in deren Folge zu einer höheren Reizschwelle angesichts grauenerregender Bilder etwa von Getöteten führt. Jeder Computerspieler kann dies nachvollziehen, hier ist die Kritik rechtens. Richtig ist aber auch, dass über 98% aller Computerspiele nicht gewaltverherrlichend sind. Actionspiele kommen auch ohne Gewalt aus, wie die Blimb Entertainment GmbH und die Hemming AG in ihrem Fun-Racer "TAXI Challenge BERLIN" bewiesen haben. In diesem Spiel ist es unmöglich, Menschen zu verletzten. Diese fehlende Möglichkeit beeinträchtigt aber in keinster Weise den Spielspaß.
Wie auch im Bereich der Kinoproduktionen gibt es im Bereich der Computerspiele genreartige Unterteilungen. Und niemand setzt Trickfilmproduktionen mit Horror-Splatter-Filmen gleich, auch wenn man schon bei Schweinchen Dick damit anfangen müsste.
Computerspiele sind technische Highlights auf kleinstem Raum und stellen ein vorzügliches Asset für den Standort Deutschland dar. Darüber hinaus sind Computerspiele kreativer Freiraum für Menschen jeder Herkunft und jeden Alters. Sie sind Entfaltungsdimension und Erholungssphäre für Millionen von Menschen, die lediglich bunt und anspruchsvoll unterhalten werden wollen.
Als Entwickler von Computerspielen sind wir uns unserer Verantwortung stets bewusst. Wir haben es selbst in der Hand, ein Thema und eine Zielgruppe vortrefflich zu bedienen und gleichsam den Level an Gewalt selbst einzuschätzen. So haben wir uns bereits vor langer Zeit dazu entschlossen, keine Spiele mit menschenverachtenden oder zu Gewalttaten auffordernden Inhalten zu erstellen.
Die Blimb Entertainment GmbH und die Hemming AG distanzieren sich ausdrücklich von den Geschehnissen in Erfurt und von der Darstellung exzessiver Gewalt. Wir halten diese nicht für nötig, um das Publikum zu unterhalten. Keines der veröffentlichten, in Entwicklung oder in Planung befindlichen Computerspiele der Blimb Entertainment GmbH hat das Ziel, Faszination lediglich durch die bildliche Darstellung ausufernder Gewalt zu erzeugen.
Blimb-Produktionen (und die meisten anderen deutschen Computerspiele) haben vielmehr den Anspruch, gleich einem guten Buch oder Film den Spieler und Titelhelden in ihm neue und unbekannte Situationen zu führen und ihm eine Hilfestellung bei der Lösung seiner Aufgaben zu bieten.
Auch bei künftigen Projekten werden wir diesen Prinzipien treu bleiben. In diesem Zusammenhang gehen wir sogar noch einen Schritt weiter. Mit einem in Entwicklung befindlichen und in Kürze erscheinenden Produkt wird versucht, gerade durch den Einsatz eines Computerspieles, das Thema Alkohol am Steuer und die damit verbundenen Gefahren zu verdeutlichen, bzw. die Beeinflussung des Fahrvermögens erlebbar zu machen. Denn wer noch nie unter Alkoholeinfluss ein Auto gesteuert hat, dem können auch die trefflichsten Beschreibungen die Realität nicht so näher bringen, wie ein Computerspiel dies vermag. Natürlich können auch hier Menschen nicht verletzt oder gar getötet werden.
Unterhaltung auf hohem Niveau und nicht billige Effekthascherei waren stets die Vorzüge deutscher Computerspiele.
Wir begrüßen die Diskussion über Gewaltverherrlichung in den Medien und den Ruf nach tiefgreifenderen Vorschriften durch den Gesetzgeber und wünschen uns eine objektive und differenzierte Berichterstattung, zu der wir gerne mit der Beantwortung spezifischer Fragen beitragen möchten."
Die Mitarbeiter der Blimb Entertainment GmbH und der Hemming AG