Auch wenn der PC-Spielemarkt in Japan das kleinste Segment hinter Mobile und Konsolen ist, hat sich die Anzahl der PC-Gamer:innen im Land der aufgehenden Sonne in den vergangenen Jahren verdoppelt. Ähnlich stark wächst der Umsatz. Die Gründe dafür sind vielfältig, unter anderem die höhere Akzeptanz von Games aus dem Ausland und von Indie-Spielen.

Der PC-Spielemarkt in Japan hat sich von 2018 bis 2021 verdoppelt. Nach Angaben der Denkfabrik Kadokawa Ascii Research Laboratories betrugen die Umsätze auf dem japanischen Spielemarkt im Jahr 2021 etwa zwei Billionen Yen, wobei Konsolenhardware und -software, Mobile Games und PC-Spiele inbegriffen sind. In Euro sind das knapp 13,652 Milliarden Euro, wobei zu beachten ist, dass der Yen im vergangenen Jahr an Wert verloren hat. Der Anteil von PC-Gaming am Gesamtmarkt belief sich auf 131,3 Milliarden Yen, fast 900 Millionen Euro. Obgleich der Beitrag des PC-Sektors nur knapp sieben Prozent am Gesamtmarkt beträgt, hebt Dr. Serkan Toto, CEO von Kantan Games aus Tokio, hervor, dass sich die Größe des PC-Spielemarktes im Vergleich zu 2018 ungefähr verdoppelt habe, während Mobile Gaming weiterhin die im Land der aufgehenden Sonne bevorzugte Gaming-Variante vor Konsolen sei. "Lange Zeit machten sich die führenden Marktdatenanbieter in Japan entweder nicht die Mühe, Zahlen zur Größe des japanischen PC-Spielemarktes zu veröffentlichen, oder sie verschwanden irgendwo am Ende ihrer Berichte. Das ändert sich jetzt", so Toto.

Gemäß der Marktdaten gab es 2021 in Japan knapp 16 Millionen Nutzer:innen von PC-Spielen, bei einer Gesamtzahl von 55,4 Millionen Gamer:innen. Knapp 44 Prozent der Gesamtbevölkerung Japans verwenden Games. 4,5 Millionen Japan:innen spielen ausschließlich auf dem PC, während die anderen auch Konsolen oder Smartphones verwenden. Im Jahr 2015 sprach Kadokawa lediglich von elf Millionen PC-Spieler:innen und 2,2 Millionen PC-exklusiven Games-Nutzer:innen. Die Anzahl der PC-exklusiven Nutzer:innen ist seit 2015 somit um rund 100 Prozent gestiegen.

Die Gründe für den wachsenden PC-Markt sind vielfältig. So hat die Corona-Pandemie die Spielerschaft allgemein vergrößert, ebenso im PC-Bereich, und der PC fungierte als Alternative für High-Fidelity-Games zur PlayStation 5, die kaum verfügbar war. Darüber hinaus wuchs die Akzeptanz von Games aus dem Ausland und von Indie-Spielen, die auf Steam oder im Epic Games Store leichter zugänglich und oft günstiger sind. Der Battle-Royale-Titel "PUBG" wird als besonders wichtiger Impulsgeber genannt. Abgesehen von verbesserten Stores (Steam) und lokalen Plattformen hat die Verfügbarkeit von in Japan produzierten PC-Spielen zu dem Boom beigetragen, vor allem Capcom wird in dem Zusammenhang genannt. Der japanische Publisher hat die Zugkraft der Plattform für Monster Hunter und Resident Evil vergleichsweise früh erkannt. "Insbesondere Steam gehört heute zu den Standard-Launch-Plattformen für viele japanische Studios, was noch vor wenigen Jahren sehr selten war", sagt Toto.

Der CEO von Kantan Games resümiert: "Ich glaube, der Trend der wachsenden PC-Spielebranche in Japan wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Laut Valve ist Japan nicht nur endlich in die Top-10-Länderliste von Steam aufgestiegen, sondern weist derzeit auch eine der höchsten Wachstumsraten weltweit auf. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass 40 der 60 Spiele, die von Japans großen sechs Videospielstudios auf der diesjährigen Tokyo Game Show vorgestellt wurden, mit Steam kompatibel waren - im Gegensatz zu nur 38 Spielen für die PS5 (laut einer Auswertung von The Nikkei). Speziell für ausländische PC-Spiele-Entwickler:innen war es zweifellos noch nie so einfach wie heute, auf dem japanischen Markt Fuß zu fassen."

Marcel Kleffmann

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Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.