Keine Games im "Popländ"? Bei der Ankündigung der Kulturstrategie aus Baden-Württemberg fehlte ein gewisses Kulturmedium. GamesMarkt hat mit dem zuständigen Landesministerium gesprochen, woran das liegt und was sich ändern lässt.

Am gestrigen 11. Mai ging die neue baden-württembergische Initiative Popländ mit einer Auftaktveranstaltung live. Der Strategieprozess des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) will den "dynamischen Kulturbereich" Popkultur mit vier über das Jahr verteilten großen Events würdigen, von denen eines bereits mit einem Konzert am 10. Mai und der Auftaktveranstaltung am 11. Mai stattfand. Kulturstaatssekretär Arne Braun sprach zum Event: "Pop in und aus Baden-Württemberg spielt eine große Rolle. Dank der vielen Bands, Projekte, Labels und Aktiven in dem Bereich, dank der lebendigen Club- und Live-Musik-Szene sind wir Popländ. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern diskutieren wir, wie wir der Szene helfen können, wie wir das Segment stärken und wie wir der Popkultur die Anerkennung zuteilwerden lassen, die sie verdient." Er wolle die Leitlinien der Kulturpolitik im Bereich Popkultur erfolgreich fortschreiben. Auf die Frage, was Pop überhaupt heiße, antwortete Braun, dass neben Musik auch Club-Kultur, Spoken Word oder Film gemeint seien. Im Fokus der Initiative stehe die Musik, auch bedingt durch das zwanzigjährige Jubiläum der Popakademie in Baden-Württemberg.

Und die Games im Ländle?

Doch was auffällt: Von Games ist keine Rede. Dabei inszeniert sich Baden-Württemberg mit der Förderanstalt MFG Medien- und Filmgesellschaft als starkes Gamesland. Am 10. Mai, dem selben Tag, an dem das Auftaktkonzert von Popkultur stattfand, meldete die MFG Kreativ ihre aktuelle Gamesförderrunde: 282.000 Euro für acht Games diesmal. Eine eigene Serious-Game-Akademie fördert die Gamesentwicklung an Hochschulen. Große Mobile-Publisher wie Gameforge und wichtige Entwicklerstudios wie Studio Fizbin und Black Forest Games sitzen im ‘Ländle’. Baden-Württemberg will als Gamesförder- und -produktionsland wahrgenommen werden. Warum also der Ausschluss von der eigenen Kulturinitiative?

Auf Nachfrage durch GamesMarkt zeigt sich das Ministerium dem Thema weniger verschlossen, als es das Auslassen von Games bei der Ankündigung nahelegen würde. "Der Strategieprozess ‘Popländ’ ist insgesamt auf ein Jahr angelegt. Gestern war – auch anknüpfend an das zwanzigjährige Jubiläum der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim – dort der Auftakt einer Reihe von insgesamt vier Dialogveranstaltungen, deren Themen und Inhalte jeweils eng mit einem Beraterkreis aus Expert:innen aus verschiedenen Bereichen abgestimmt werden", erklärt eine Sprecherin des Landesministeriums zunächst das Grundkonzept der Initiative. Es heißt weiter: "Dabei spielen neben dem Bereich der Popmusik als einer der Stärken des Landes Baden-Württemberg (und in Verbindung mit dem Jubiläum und Auftaktort Mannheim) auch weitere wichtige popkulturelle Bereiche, wie z. B. das Thema Games, eine Rolle. Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) als unsere Landesagentur im Bereich der Kreativwirtschaft und Games war deshalb ebenfalls beim Auftakt dabei. Und schließlich geht es beim Dialog Populäre Kultur auch um bessere Vernetzung und mehr Sichtbarkeit." Besonders legt das Ministerium also Wert darauf, zu betonen, dass die Diskussionsrunden partizipativ gestaltet sind und keine Kunstformen ausschließen. "Der Fokus der gestrigen Veranstaltung lag zunächst auf den allgemeineren Themen ‘Identifikation: Was ist populäre Kultur?’ ‘Situation der Künstler:innen’ und ‘Räume’. In den Diskussionsforen wurden bereits viele wertvolle Hinweise und Anregung zur Weiterführung des partizipativen Dialogs gegeben. Auf diesem Auftakt und den Diskussionen und Ergebnissen der Themenforen aufbauend werden wir im weiteren Dialogprozess spezifische Themen vertiefen."

Besetzungen im Wandel

Auf eine zusätzliche Nachfrage durch GamesMarkt, wie die Dialogrunden der kommenden drei bis Mai 2024 geplanten Events aufgestellt seien, meldet das Ministerium, das deren Expert:innen-Runden noch nicht finalisiert und auch die konkreten Themen noch offen seien. Gut möglich also, dass hier auch Stimmen aus der Games-Industrie zu Wort kommen. Für die lokale Spielebranche in Baden-Württemberg kann es kein ideales Zeichen sein, dass Games als Teil der Popkultur zunächst bei der Ankündigung von Popländ unerwähnt blieben. Das Konzept scheint jedoch offen genug, um dieses Versäumnis im Verlauf der Initiative zu beheben. Mit dem Blick der Branche und des Gamesjournalismus nach Baden-Württemberg und den Maßnahmen der MFG zur Förderung und Wertschätzung von Videospielen, die gerade 2022 deutlich an Fahrt aufnahmen, ehrt das südwestliche ‘Ländle’ möglicherweise neben seiner Popmusik-, -festival- und -filmkultur hoffentlich auch bald seine lange schon aktive, immer stärker aufstrebende Spielkultur.

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Written by

Pascal Wagner
Pascal Wagner is Chief of Relations of GamesMarket and Senior Editor specialised in indie studios, politics, funding and academic coverage.