Power-Update für Europas Spielefans
Größer, bunter, mehr - die Erfolgsgeschichte der GC - Games Convention konnte auch mit ihrer fünften Ausgabe fortgeschrieben werden.
Rekordlaune, wohin man blickt: Die Hallen mit teils gigantischen Auftritten der Publisher und ein Besucherendstand von 183.000 zufriedenen Spielefans. Die GC ist Gamesentertainment pur - mit kräftigem Rückenwind.
Inzwischen gibt es Gedankenspiele, die GC auch weltweit als neue Leitmesse für Gaming zu etablieren. Speziell jetzt, wo die bisherige Topmesse für Videospiele, die E3 in Los Angeles, einen heftigen Schrumpfprozess angekündigt hat. Ein hehres Ziel, noch weit, weit weg am Horizont, aber warum nicht? Schließlich hört man auch im Business Center der GC aus dem Lager der Publisher und Entwickler nur zufriedene Stimmen. Die Zahlen stimmen, einem weiteren Engagement auf der GC - Games Convention steht also nichts im Wege. Dann kann die GC 2007 ja kommen.
Software toppt Hardware
Die zähe Wartezeit zu überbrücken wird vermutlich nicht allzu schwer: Schließlich stehen mit Nintendos Wii und Sonys PlayStation3 zwei brandheiße Hardwarehits kurz vor Verkaufsstart. Zwar wurden auf der Messe beide Konsolen dem spielenden Fußvolk vorenthalten, wer jedoch eine Presseausweis, einen festen Termin und etwas Glück mitbrachte, konnte sich im Businessbereich sowohl vom Funfaktor der Wii als auch ansatzweise von der Grafikpower der PS3 überzeugen.
Dass diese beiden Heimkonsolen vom gemeinen Volk nicht begutachtet werden konnte, war aber auch der einzige Misston angesichts der enormen Fülle, welche die anwesende Videospielwelt bot. Und wenn auch die Hardware somit leicht schwächelte, sorgte die präsentierte Software immer wieder für herabfallende Unterkiefer, undz war weniger die üblichen Verdächtigen wie "Unreal 07", "Crysis" & Co. Interessanterweise waren es diesmal eher Überraschungstitel, die für ein gieriges Blitzen in den Augen der versammelten Gamesszene sorgte.
Simulation auf höchstem Niveau
Wer bestaunt hat, wie sich der Protagonist von "Assassin's Creed" in einer mittelalterlichen Stadt durch eine Menschenmenge den Weg zu seinem Opfer bahnt, weiß, dass die Simulation von Gruppenverhalten ein neues Niveau erreicht hat. Vor Kurzem waren digitale Menschenmassen noch Horden mehr oder minder statischer Dumpfbirnen, mittlerweile bleiben die aufgebrachten Menschen stehen, pöbeln, grapschen - kurz, sie tun alles, um das Leben des Berufsattentäters zu verkürzen.
Alle, die weniger auf Schwert & Pfeil, sondern eher auf Heckler & Koch stehen, sollten hingegen "Just Cause" und "Stranglehold" auf den Einkaufszettel setzen. Harte, teils ultraharte Actionkost für Adrenalinjunkies, die einer digital zelebrierten Racheorgie nicht widerstehen können. Wo "Just Cause" auf absolute spielerische Freiheit in einer gigantischen Inselwelt setzt, hebt "Stranglehold" dank "Uzi meets Bullet-Time" den zelebrierten Style-Kill auf ein neues Niveau. Alles nichts für Minderjährige, dafür Garant für schweißnasse Hände.
"Pong.Mythos": die Ode an den Urvater
Doch genug an purer Gewalt: Eigentlich lag der diesjährige Trend der GC klar auf der sanfteren Seite. Die großen Themen abseits von Frag und Shoot-out: Frauen und e-Sport. Nein, nein - gemeint sind weniger Frauen in Gestalt der entzückenden Booth-Babes denn als fester Bestandteil der Gamer-Community. So öffnet sich die Riege der Entwickler mit verschiedensten Simulationen, Denk- oder Strategiespielen erfolgreich den weniger bleihaltigen Vorstellungen der daddelnden Damenwelt.
Und auch der e-Sport beendet sein Schattendasein in frischluftarmen LAN-Partys und entwickelt sich zum erst zu nehmenden Sportereignis mit attraktiven Prämien. 160.000 Euro Preisgeld winken etwa bei den Core 2 Extreme Masters, einer neuen Liga, die ebenfalls auf der GC 2006 aus der Taufe gehoben wurde.
Allen medialen Attacken und Vorurteilen zum Trotz: Auch das Videospiel geht unaufhaltsam den Weg Richtung Kulturgut - so vollwertig wie wertvoll. Spätestens "Pong.Mythos" räumte in Leipzig mit den letzten Vorurteilen auf. Die vom Berliner Computerspielmuseum initiierte Ausstellung setzte den Urvater des Computerspiels mit verschiedensten Installationen in einen völlig neuen Kontext und begeisterte etwa 80.000 Gamer. Verpasst? Nicht schlimm: Vom 15. November bis 21. Januar 2007 wird "Pong.Mythos" in Frankfurt/Main Station machen.
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