Preissenkung der PS2: Manfred Gerdes im Gespräch
Im Rahmen des 2. VUD-Branchenforums sprach GamesMarkt.de mit Manfred Gerdes, Geschäftsführer Sony Computer Entertainment Deutschland. Zentrales Thema war die Preissenkung der PlayStation 2.
GamesMarkt.de: Herr Gerdes, war die Preissenkung der PlayStation 2 eine lang vorbereitete Aktion?
Manfred Gerdes: Unser Tenor war schon immer: Sobald wir eine Möglichkeit sehen, mit dem Preis nach unten zu gehen, werden wir dies auch tun. Von diesem Standpunkt aus gesehen, war von Anfang an klar, dass dieser Tag kommen wird. Allerdings war die Preissenkung laut Ausgangsplanung nicht für jetzt und heute, sondern für November gedacht. Diese Planung haben wir zum Zeitpunkt der Markteinführung festgelegt, als wir noch unter dem Eindruck des rasanten Durchverkaufs standen. In diesem Sinn wollten wir natürlich solange wie möglich an dem Preiskonzept festhalten. Zudem mussten auch wirtschaftliche Rahmendaten bedacht werden, wie die Währungssituation und Produktionskapazitäten. Diese geben uns nun den nötigen Spielraum.
GM: Warum hat SCE den Preis so deutlich gesenkt?
Gerdes: Anders als in den USA oder im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wie etwa England, wurde in Deutschland der Preis zur Markteinführung nicht in der Breite akzeptiert. Hierzulande lag die Erwartungshaltung bei ungefähr 699 Mark. Diesen Preis konnten wir nicht realisieren. Jetzt stand die Entscheidung an, gehen wir auf eben jene 699 Mark, oder machen wir gleich den richtig großen Schritt auf 599 Mark. Auch spielt mit ein, dass wir ein deutliches Zeichen nach außen setzen wollten. Zum einen wollen wir den Aufwärtstrend der vergangenen Monate, an dem "GT3" maßgeblich beteiligt ist, fortsetzen und uns damit eine optimale Ausgangslage für die Monate Oktober bis Dezember schaffen. Zum anderen wollen wir deutlich Präsenz zeigen. Auch für die Software, die in den nächsten Wochen und Monaten noch auf den Markt kommt.
GM: Kann man den Einfluss von "GT3" auf die Hardware beziffern?
Gerdes: Im Mai und Juni lag der Abverkauf der PS2 ungefähr zwischen 20.000 bis 25.000 Stück. Mit dem Release von "GT3" lagen wir im Juli bei ungefähr 35.000, im August bereits bei rund 45.000 Stück. Das ist eine eindeutige Aussage.
GM: Wie sieht damit der derzeitige Auslieferungs- bzw. Durchverkaufsstand der PS2 aus?
Gerdes: Ende September haben wir ungefähr 400.000 Units an den Handel ausgeliefert, der Durchverkauf liegt ungefähr bei 350.000 Units.
GM: Was wird der neue Preispunkt für den Abverkauf bedeuten?
Gerdes: Wir hatten allein in der Woche der Bekanntgabe einen zusätzlichen Auftragsbestand von 70.000 Stück. Damit waren wir noch im September in der Lage, zum ersten Mal eine Monatslieferung von 100.000 Stück an den Handel zu realisieren. Durch die Marketingunterstützung, zu nennen wäre unter anderem "TIF", werden wir uns auf diesem hohen Niveau halten können. Im Oktober werden wir uns erneut in der Größenordnung von 100.000 Stück bewegen, im November schätzungsweise um die 120.000 und im Dezember wieder um die 100.000 Stück. Bis Ende Dezember bedeutet dies eine Verkaufsmenge zwischen 400.000 und 450.000 Stück. Die installierte Basis wird sich also mehr als verdoppeln. Und dann müssen wir abwarten, was auf der Wettbewerbsseite passiert. Wann kommt Xbox auf den Markt, wann GameCube. Und wie sieht die Preissetzung für diese beiden Konsolen aus.
GM: Wo werden die Preispunkte des GCN und der Xbox Ihrer Meinung nach liegen?
Gerdes: Der GameCube wird zur Markteinführung preislich zwischen 499 bis 599 Mark liegen. Bei der Xbox bin ich mir noch nicht so ganz sicher. Wenn man sich am US-Preis orientiert, der bei 299 Dollar liegt, sehe ich eigentlich keine Chance für Microsoft, unter 799 Mark einzusteigen. Wenn sie sich für eine ganz aggressive Vorgehensweise entscheiden, vielleicht bei 699 Mark. Aber unsere 599 Mark werden sie nicht schlagen können. Wären wir bei unserem Einstiegspreis geblieben, wäre ein realistischer Preis 899 Mark gewesen. Insgesamt glaube ich allerdings nicht, dass Microsoft heute schon in der Lage ist, seine Hardware zu vermarkten, ohne draufzuzahlen. Dieses Moment nutzen wir einfach aus.
GM: Ist das der große Pluspunkt der Preissenkung?
Gerdes: Ja, aber nicht nur. Hardware ist für uns nicht die Einnahmequelle Nummer eins, sondern nach wie vor ein Zusatzgeschäft. Weil wir den Termin der Preisreduzierung vorgezogen haben, bedeutet dies für die nächsten zwei Monate eine Doppelbelastung. Aber es ist die richtige Investition. Jetzt verfügen wir über ein starkes Softwareportfolio, bestehend nicht nur aus SCE-, sondern auch aus Third Party-Titeln. Darüber rechnen wir natürlich mit einem sehr starken Anstieg der Software. Das Verhältnis Hardware zu Software ist gut; wir haben eine Ratio, die sich ungefähr bei 1:3,5 bis 1:4 bewegt. Beim Zubehör, jetzt nur von unserer Seite aus gerechnet, liegen wir derzeit bei ungefähr 1:1,5 bis 1:1,7. Auch der Bestand im Handel ist auf einem guten Niveau. Das Vertrauen seitens des Handels, dass der neue Preis wirklich einen Push verursacht, ist immens groß
GM: Wann wurden Industrie und Handel über die Preisreduzierung informiert?
Gerdes: Das Thema ist sehr sensibel. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und in der Fläche den Preispunkt zwischen dem 21. und 24. September bekannt gegeben. Gleichzeitig haben wir aber absolutes Stillschweigen vereinbart. Man kann solche Themen nicht in der Breite diskutieren, sonst wäre der Preis vier Wochen vorher durch gewesen. Die Reaktion war insgesamt sehr positiv. Die letzte Entscheidung, auf 599 Mark zu gehen, ist aber erst eine Woche vorher gefallen. Etliche Bauteile werden in den USA produziert, und wir wussten nicht, welche Folgen sich aus den Terroranschlägen ergeben würden.
GM: Herr Gerdes, wir danken Ihnen für das Gespräch.