Das unabhängige National Institute on Media and the Family (NIMF) hat in der neuesten Ausgabe des "Video Game Report Card" vor allem die Effizienz der freiwilligen Alterskennzeichnung in den USA attackiert. Das ESRB selbst sowie der Handelsverband IEMA regierten empört.

Zum neunten Mal hat das National Institute on Media and the Family (NIMF), eine unabhängige Non-Profit Organisation, den "Video Game Report Card"-Bericht vorgelegt. Darin analysiert das NIMF gängige Praktiken der Videospielbranche beim Jugendschutz und stellt Noten im Stil des US-Schulsystems aus. Einmal mehr ging das NIMF mit der Branche hart ins Gericht.

Kritsiert wurde unter anderem, dass die Publisher zwar einerseits mittels der freiwilligen Alterskennzeichnung durch das ESRB (Entertainment Software Rating Board) warnen, nicht alle Titel in Kinderhände zu geben, andererseits Spiele regelmäßig als völlig ungefährlich darstellen. Dies verwirre die Eltern und vermittle die Schlussfolgerung: "Schau auf die Ratings, aber es spielt keine Rolle, ob du dich daran hälst."

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Vergabe der Kennzeichen selbst. Zu viele Spiele würden ein "M"-Rating (Mature) statt eines "AO"-Ratings (Adult Only) erhalten. Von Bedeutung ist dabei weniger, dass M "geeignet ab 17" und AO "nicht geeignet unter 18 Jahren" bedeutet, sondern dass viele US-Händler "AO"-Titel erst gar nicht einlisten.

Doch auch an die Händler richtete das NIMF in dem Report herbe Kritik. Testkäufe hätten ergeben, dass in 34 Prozent aller Fälle Kinder und Jugendliche mit "M" gekennzeichnete Spiele erwerben konnten. Dies sei zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (55 Prozent), doch waren die Jungen zu immerhin 50 Prozent bei den Testkäufen erfolgreich. Die Mädchen hingegen erhielten nur in acht Prozent aller Fälle das Spiel mit dem aufgeklebten "M".

Last but not least schlussfolgerte das NIMF, dass weder die ESRB-Kampagne "OK to Play" noch das vom US-Spielehandelsverband IEMA (Interactive Entertainment Merchandisers Association) abgegebene Versprechen, beim Verkauf stärker auf die Ratings zu achten, eingelöst werden.

Dies ließen ESRB und IEMA freilich nicht auf sich sitzen. In einer Erklärung zitierte das ESRB eine eigene Studie, wonach 83 Prozent aller befragten Eltern den Ratings des ESRB zustimmen. Eine vom NIMF ebenfalls zitierte Studie der Kaiser Family Foundation habe zudem das ESRB-Rating als hilfreichstes Instrument aller Medienratings ausgewiesen. Auch würden sich die vom NIMF selbst auf der institutseigenen Homepage veröffentlichten Altersempfehlungen fast 100-prozentig mit den ESRB-Ratings decken.

IEMA-President Hal Halpin reagierte nicht minder empört: Das von den IEMA-Mitgliedern Ende 2003 abgegebene Versprechen nannte als Zielzeitpunkt für eine signifikante Verbesserung Ende Dezember 2004. Da die Fortbildungsmaßnahmen zur Sensibilisierung des Verkaufspersonals noch nicht abgeschlossen seien, seien die jetzt erhobenen Daten irrelevant. "Wir glauben, dass es schlicht noch zu früh für eine Beurteilung unserer Maßnahmen ist", so Halpin.

Share this post

Written by

External Dev and Service Provider Side Opens Studio in Taipei
Representatives from Side and PTW Holdings opened the new Taipei studio: Martin McBride (Chief Communications Officer, Side) Teppei Tachibana (CEO and President, PTW Holdings; Chairman, Side) Frank Chang (Head of Side Taipei Studio) Karen Xia (Vice President, Asia, Side) | Picture by Side

External Dev and Service Provider Side Opens Studio in Taipei

By Stephan Steininger 2 min read