Sony Computer Entertainment Deutschland hat mit Blick auf die kartellrechtliche Überprüfung des Authorized Reseller-Konzepts vorsorglich die Verträge mit den entsprechenden Partnern gekündigt. GamesMarkt.de sprach mit SCED-Geschäftsführer Manfred Gerdes über diese Entscheidung und ihre Folgen.

GamesMarkt.de: Derzeit wird das AR-Konzept überprüft. Wie kam es zu dazu?

Manfred Gerdes: Wir wollen vermarkten, und zur Vermarktung gehören Strukturen. Wir sehen die Funktion des Großhandels als Teil einer ganzheitlichen Vertriebsorganisation. Wenn einige Großhändler oder Handelsverbände dies nicht akzeptieren und zudem Eingaben beim Bundeskartellamt machen, dann mache ich mir ernsthafte Sorgen über die Vorgehensweise dieses Handelsverbands. Zur Verpflichtung einer Interessenvertretung gehört es auch, Industriestrukturen zu akzeptieren. Hinzu kommt, dass die Eingaben beim Bundeskartellamt zu erheblichen Problemen bei bestehenden Zwischenhändlern führen könnten. Diese heraufbeschworene Situation hat zur Folge, dass wir bis zu einer endgültigen Entscheidung alle Gespräche einfrieren müssen. Sollte diese nicht vor dem 1. April durch das Bundeskartellamt getroffen werden, dann betrifft diese Eingabe nicht nur diejenigen, die noch nicht AR-Partner sind, sondern auch alle heutigen AR-Partner.

"Alle Gespräche werden eingefroren"

GM: Die Verträge mit AR-Partnern wurden vorsorglich gekündigt. Was versprechen Sie sich davon?

Gerdes: Ein deutliches Zeichen gesetzt zu haben. SCED verstößt nicht absichtlich gegen bestehendes Kartellrecht. Durch die Kündigung der bestehenden Verträge schaffen wir eine Situation, in der wir den Sachverhalt klären können, um dann eventuell die Verträge zu korrigieren oder um dass AR-Konzept gar nicht weiterzuverfolgen.

GM: Was passiert, wenn das Kartellamt keine Einwände gegen das AR-Konzept hat?

Gerdes: Wenn die Entscheidung in dieser Richtung ausgeht, wäre es für alle Betroffenen sicherlich die beste Lösung.

GM: Wirkt sich die Vertragskündigung auf die derzeitige Auslieferung aus?

Gerdes: Nein, da die Kündigung vorsorglich ausgesprochen wurde. Wir hoffen, noch im März eine Entscheidung vom Bundeskartellamt zu erhalten. Sollte diese sich allerdings verzögern, werden wir ab dem 1. April nicht das bisherige Konzept fortführen können und müssen dann so lange unsere Geschäftsbeziehungen aussetzen, bis wir Klarheit haben. Leider können wir nur so verfahren, da wir sonst mit einer Vertragserneuerung uns der Gefahr aussetzen, kartellrechtlich belangt werden zu können und diesen Fall werden wir nicht eintreten lassen.

GM: Falls das AR-Konzept beanstandet wird, haben Sie angekündigt, künftig alle Händler direkt bzw. über einen externen Dienstleister zu betreuen…

Gerdes: Das ist richtig. Denn kartellrechtlich betrachtet, können wir uns nur dann richtig verhalten, wenn wir selbst diesen Teilmarkt direkt bedienen. Also im Namen und auf Rechnung von SCED einen Dienstleister einsetzen, der ausschließlich unsere Produkte vermarktet.

"Verstoßen nicht gegen Kartellrecht"

GM: Wie lange würde SCED brauchen, um seinen Vertrieb derart neu zu strukturieren?

Gerdes: Es handelt sich hier lediglich um einen neuen Vertriebsbereich, den wir sehr schnell aufbauen können. Die notwendigen Dienstleister existieren.

GM: Käme es zu Veränderungen bei den Serviceleistungen?

Gerdes: Die Serviceleistungen würden sich nur in dem Punkt ändern, dass AR-Handelsstrukturen entweder über unseren Außendienst betreut werden oder über einen Dienstleister in unserem Auftrag. Für den Händler würde sich die Situation allerdings insofern ändern, dass er SCED-Produkte direkt kaufen, aber alle anderen Produkte über den Großhändler beziehen müsste.

"Wir sind besser als Microsoft aufgestellt"

GM: Könnte sich diese Umstellung negativ für SCED im Wettbewerb mit Nintendo und Microsoft auswirken?

Gerdes: Auf keinen Fall. Ich sehe hier sogar positive Ansätze, da wir dann auch mit den kleinsten Kunden im direkten Kontakt stehen. Wir können dann viel schneller und besser unsere Produkte aktiv distribuieren. Wir sind ja schon heute in der Distribution wesentlich besser aufgestellt als Microsoft. Wobei sich diese Aussage auf die qualitative, als auch auf die quantitative Distribution bezieht.

GM: Ihre ehemaligen AR-Partner würden Umsatzeinbußen zu verkraften haben. Könnte es zu einer weiteren Konzentration bei den Zwischenhändlern kommen?

Gerdes: Noch sprechen wir nicht von ehemaligen AR-Partnern. Im Augenblick sprechen wir lediglich über zwei Problemlösungen. Diese werden aber beide nicht von SCED, sondern vom Bundeskartellamt entschieden. Beide Lösungen greifen erheblich in vertriebsstrategische und daraus resultierend in wirtschaftliche Prozesse unseres Unternehmens ein. Wir sind angetreten, um mit einer klaren und eindeutigen Vertriebsstruktur zu vermarkten. Wir wollen 100 Prozent des Markts abdecken. Deshalb haben wir den AR-Vertrag entwickelt, um genau den Bereich des Markts abzudecken, der von SCED nicht direkt bedient wird.

GM: wir danken für das Gespräch

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