Sony führt neues Preismodell ein
Sony Computer Entertainment Deutschland (SCED) hat zum 1. April ein neues Preismodell für Software eingeführt. Statt der bislang gängigen zwei Preisgruppen soll es künftig mehrere, möglicherweise fünf Kategorien geben. Die Third-Party-Publisher reagieren darauf ambivalent.
Noch gibt es keine offizielle Bestätigung der neuen Preisstruktur von SCED, aber die ersten Titel zu den neuen Konditionen sind bereits an den Handel ausgeliefert, der wiederum durch den SCED-Außendienst über die Modifikation informiert wurde. Grundsätzlich muss die Branche von vier bis fünf Preisstufen ausgehen. Dass es noch in diesem Jahr ein neues Preismodell geben würde, war allen Marktbeteiligten klar, zumal die Ankündigung der PlayStation2 und der aus Japan übermittelte Hype um die neue Konsole dem Vernehmen nach bereits im heimischen Markt negative Auswirkungen auf die Abverkäufe hatte. Dennoch zeigten sich einige Third-Party-Publisher, was die Bandbreite des Preismodells anbelangt, von der Sony-Initiative überrascht.
Entsprechend ambivalent fielen erste Reaktionen unter den Third-Parties aus: Dr. Gerhard Florin, Geschäftsführer Electronic Arts, etwa sagte: "Unser Vollpreissegment wird nicht angepasst. Nur im Backkatalog werden wir auf absehbare Zeit, zumindest bis die PlayStation2 auf dem Markt ist, andere Preise anbieten." Weiter wollte er die Entscheidung von SCED nicht kommentieren. Und Martin Schneider, Consumer Manager Konami of Europe, betont: Generell begrüße ich, dass in dieser Frage bei Sony etwas in Bewegung gekommen ist. Das bietet uns neue Möglichkeiten, unsere Produkte preislich zu positionieren. Es wäre uns allerdings lieber gewesen, wenn wir nicht gleich so viele verschiedene Möglichkeiten der Positionierung hätten." Auf jeden Fall wird Konami - und sicher nicht nur dieser Publisher - den Markt im April sehr genau beobachten, um zu sehen, wie die Mitbewerber reagieren und welche Preispunkte sie setzen, betont Schneider und ergänzt: "Wir denken aber keinesfalls daran, gute neue Titel für unter 89 Mark anzubieten. Schließlich ändert sich mit dem neuen Preismodell nichts an unseren Entwicklungskosten."
Zweifel an den neuen Sony-Preisen meldet auch Rolf Duhnke, Geschäftsführer Eidos Interactive, an: "Grundsätzlich bin ich zwar der Meinung, dass der PlayStation-Softwaremarkt dieses Jahr neue Preisstrukturen braucht. Ob das Sony-Modell allerdings die richtige Lösung ist, kann ich im Moment noch nicht vollends abschätzen. Abgesehen davon, passen unsere Titel, die wir dieses Jahr noch herausbringen werden, nicht in dieses Modell. Von den acht oder neun Titeln werden allein sieben im Hochpreisbereich liegen. Insofern trifft uns die Modifikation nicht ganz so hart." Aber Eidos Interactive, verspricht Rolf Duhnke, werde darauf die passende Antwort finden: "Auf jeden Fall wird es in Kürze eine europäische Lösung geben." Als vernünftig bezeichnet dagegen Knut-Jochen Bergel, Geschäftsführer Virgin Interactive Entertainment und Avalon, das neue Preismodell von SCED. "Damit installiert Sony einen Mechanismus, der die etwas leidenden Zahlen von PlayStation-Software mit Sicherheit nach oben korrigieren wird." Der Schritt sei keineswegs überraschend gekommen, sondern erwartungsgemäß passiert. "Die eigentliche Überraschung ist die Art, wie das Modell praktiziert wird", gibt Bergel zu bedenken. "Sollten dann Toptitel, die noch im März zum Vollpreis herauskommen, nur wenig später mitunter deutlich weniger kosten?" Auf jeden Fall werde man den Markt jetzt sehr genau beobachten.
Auf volle Zustimmung stößt die neue Preisstruktur bei Wolfram von Eichborn, Geschäftsführer Activision Deutschland: "Das neue Sony-Preismodell kommt den Third-Party-Publishern entgegen und ermöglicht jetzt eine wesentlich flexiblere Regelung, je nach Qualität des einzelnen Produkts." Der Activision-Geschäftsführer ist sogar dermaßen von dem Modell überzeugt, dass er sich eine entsprechende Preisabstufung auch bei anderen gut vorstellen kann: "Eine ähnliche Regelung seitens Nintendo wäre begrüßenswert." Ganz anders als Detlef Bußmann, Bereichsleiter Marketing und Vertrieb bei Infogrames Deutschland: "Das Modell wird von uns mit getragen. Und wir sehen darin auch eine Reihe von Vorteilen. Insgesamt sind wird aber eher skeptisch, weil die Mengen nicht in dem Maße steigen werden, wie die Preise gesunken sind. Auch für den Handel dürfte es am Point of Sale mitunter schwierig werden, weil neue Produkte nun teilweise billiger zu haben sind als ältere Titel."
Grundsätzlich geht Bußmann davon aus, dass der PlayStation-Markt weiter zurückgehen wird. Wie der Handel auf das neue Preiskonzept reagiert, bleibt fraglich. Michel Wedler, Produktmanager Saturn, jedenfalls betont: "Wir wissen nur, dass ein neues Modell kommen soll. Details sind uns noch nicht bekannt. Dabei wäre dieser Punkt nicht uninteressant, schließlich hängt an einer veränderten Preisstruktur einiges dran, etwa die Frage nach einem angemessenen Lagerausgleich.'