Strategiegespräch mit der Central-Europe-Chefin von Vivendi Universal Games
Xochilt Balzola-Widmann hat die Leitung von Vivendi Universal Games (VUG) in Deutschland in einer Zeit übernommen, in der die Spieledivision des Medienkonzerns global neu strukturiert wird. Auf der GC - Games Convention sprach "MCVgamesmarkt" mit der Central-Europe-Chefin über die neue Ausrichtung, die Veränderungen bei der deutschen Niederlassung sowie über die mittelfristigen Zielsetzungen ihres Unternehmens.
Sie sind seit 1. Februar als General Manager Central Europe für Vivendi Universal Games tätig, also ein gutes halbes Jahr. In dieser Zeit gab es viel Bewegung in Ihrer Company. Was hat sich konkret getan?
Xochilt Balzola-Widmann: Sehr viel. Es hat sich ein Großteil des Managements verändert, seit ich an Bord gekommen bin. Einen Monat zuvor hatten wir bereits einen neuen CEO bekommen; seitdem haben wir die ganze Firma umstrukturiert, um sicherzustellen, dass wir für die Zukunft gerüstet sind.
Diese Restrukturierung betraf auch Ihren Bereich Central Europe. Wie sind Sie heute aufgestellt?
Balzola-Widmann: Wir haben in Langen eine Central Region Organisation aufgebaut, die über eine Marketingabteilung verfügt, die die ganzen Länder der Region stützt. Außerdem haben wir eine Salesdivision installiert, deren Mitarbeiter auch vor Ort eingesetzt werden. Diese Abteilungen üben quasi eine Querschnittsfunktion aus, die die jeweiligen zur Region gehörenden Länder unterstützt. Im Zuge dieser Umstrukturierung haben wir auch erkannt, dass wir ein stärkeres Trade Marketing benötigen, das Konzepte anders darstellt, als es in der Gamesbranche üblich ist. So arbeiten wir nicht länger nur Titel-orientiert, sondern Consumer-orientiert, um eine Marke aufzubauen, damit wir nicht nur von Produkt zu Produkt leben. Will sagen: volle Konzentration auf die Franchises.
Welche Länder gehören zu Ihrem Verantwortungsbereich?
Balzola-Widmann: Central Europe setzt sich aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Benelux und Osteuropa zusammen. Außerhalb Deutschlands arbeiten wir vor Ort mit Distributoren zusammen. Das erfordert zwar, dass man unter Umständen viel unterwegs ist, um die Kommunikation und Umsetzungen der verschiedenen Konzepte sicherzustellen. Es ermöglicht aber auf der anderen Seite, dies mit einer schlanken Organisationsstruktur zu bewerkstelligen, die wiederum sehr schnell agieren kann.
Und welche Nahziele haben Sie sich auf Ihre Fahnen geschrieben?
Balzola-Widmann: Erst einmal wollen wir ein erfolgreiches Jahresendgeschäft betreiben. Deshalb sind wir hier in Leipzig. Ziel ist es, unsere starken Franchises wie "Crash Bandicoot", "Leisure Suit Larry", "Spyro The Dragon", "World Of WarCraft" weiter auszubauen und mit "Larry" und "Crash" breite Massen anzusprechen. Wir wollen definitiv neue Kunden für unsere Franchises gewinnen. Deshalb auch die starke Verbindung mit Oliver Pocher bei "Larry" oder die vielfältigen Promotions, die wir rund um "Crash" fahren.
Wenn es darum geht, den Markt zu erweitern und Neukunden zu gewinnen, ist eine möglichst große installierte Basis der Hardware sehr hilfreich. So gesehen, haben Sony und Microsoft Ihnen mit den neuen Preispunkten für ihre Konsolen eine Steilvorlage für die Zielerreichung geliefert.
Balzola-Widmann: Wir sind sehr zufrieden mit diesem Preisschritt. Das Timing zum Jahresendgeschäft ist optimal. Für uns war der Zeitpunkt besonders passend, weil wir gerade den Actioner "The Chronicles Of Riddick - Escape From Butcher Bay" für Xbox gelauncht haben. Durch die Preisreduzierung versprechen wir uns einen weiteren Kick für den Verkauf dieses Produkts. Grundsätzlich wird und muss der neue Preis die Haushaltspenetration weiter fördern. Es kann schließlich nicht sein, dass ich in Großbritannien drei Mal so viel von einem Konsolenprodukt in den Handel hineinverkaufen kann wie in Deutschland. Deshalb hilft diese Preissenkung sicherlich, die Hardwarebasis in Deutschland zu erhöhen, und ermöglicht so auch Publishern, bessere Verkäufe bei ihrer Software zu realisieren. Letztendlich hilft die Preisreduktion bestimmt der gesamten Branche. Und das ist gut so.
Games sind bisher ein von Männern dominiertes Business und Entertainment. Um so erfreulicher, dass immer mehr Frauen in der Branche auftauchen und auch Regie führen. Denken Sie, dass Frauen diesem Markt neue Impulse geben können, die ihn vielleicht auf eine ganz eigene, andere Weise positiv beeinflussen?
Balzola-Widmann: Meiner Meinung nach sind Frauen gegenüber neuen Ansätzen und Konzepten oft offener eingestellt als Männer. Wir sind eher in der Lage, im Tagesgeschäft innezuhalten und Dinge aus einer kritischen Rückschau und Distanz heraus neu zu bewerten. Wir sind auch mutiger, alte, eingefahrene Routinen im Business aufzusprengen, um wieder völlig neu aufzusetzen. Frauen haben die Fähigkeit, sich viel öfter neu zu erfinden, und zwar in einem ganzheitlichen Sinn. Und zwar zum einen bezogen auf ihre Person, zum anderen aber auch bezogen auf ihr Tun. Und folglich auch auf die Firma, deren Geschicke und Geschäfte sie leiten. Ich glaube, das ist der große Pluspunkt, der uns von den Männern unterscheidet.
Welchen Eindruck hatten Sie von der GC - Games Convention?
Balzola-Widmann: Die GC war für uns ein voller Erfolg. Das Messekonzept gefällt mir sehr gut. Nicht nur für den deutschsprachigen Raum, sondern auch für die neuen EU-Länder und Europa überhaupt ist die GC- Games Convention attraktiv. Ich fände es wünschenswert, wenn man noch mehr Internationalität in diese Messe integrieren könnte. Aber das wird der nächste Schritt sein, die GC als europäische Messe zu positionieren bzw. zu etablieren.
Und wie schätzen Sie den Gesamtmarkt Unterhaltungssoftware ein?
Balzola-Widmann: Meiner Meinung nach sind wir da auf einem guten Weg. Der Markt wird weiter wachsen. Die Halbjahreszahlen, die der VUD während der GC vorgelegt hat, sprechen hier eine ganz deutliche Sprache. Und die Tendenz ist klar weiter steigend. Die Handelspartner sind durch die Bank zufrieden. Alle konnten Wachstum gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Die einzigen Störfaktoren, die uns eventuell einen Strich durch die Rechnung machen könnten, sind von der Branche nicht zu beeinflussen. Ich nenne als Stichpunkte hier nur Hartz IV oder die Montagsdemonstrationen. Das kann einen Effekt auf unser Jahresendgeschäft haben, muss es aber nicht. Doch Unsicherheit und Zukunftsängste waren dem Konsum noch nie förderlich.
Überraschend positiv stach der Bereich Edutainment aus den Halbjahreszahlen des VUD hervor, der nach harten von erheblichen Umsatzrückgängen gekennzeichneten Jahren wieder kräftig zulegen konnte. Sehen Sie hier auch ein "Addy"-Revival?
Balzola-Widmann: Das ist eine äußerst positive Entwicklung, von der wir auch profitieren werden, zumal wir gute Titel in unserem Portfolio haben. Aber ich würde in diesem Zusammenhang nicht von Edutainment sprechen, sondern eher von Kindersoftware. Da wären in erster Linie "Ein toller Tag mit Jonas im Zaubergarten" und "Ein toller Tag mit Jonas im Zirkus" sowie "Adiboo: Die Jagd auf die Energiepiraten" zu erwähnen. Titel, die ein sehr junges Publikum ansprechen.
Last but not least: Welche weiteren Wachstumsfelder sehen Sie für Ihre Inhalte?
Balzola-Widmann: Hier sehen wir ganz klar zwei wesentliche Entwicklungen, die enormes Potenzial bieten: Online- und Mobile-Gaming.