Take-2-Management leitet Restrukturierungen ein
Zum 30. April beendete Take 2 Interactive das inzwischen sechste Quartal in Folge in Rot. Das neue Management will nun hart durchgreifen, um den "GTA"-Publisher wieder auf Kurs zu bringen. Einsparungen in allen Bereichen sowie die Konzentration aufs Kerngeschäft sollen die Situation bereinigen.
Take 2 Interactive stehen einmal mehr stürmische Zeiten bevor. Nicht nur muss sich der "GTA"-Publisher mit zahlreichen Konsumentenklagen als Folge des "Hot Coffee"-Skandals herumschlagen, auch die Untersuchungen der Federal Trade Commission (FTC) aufgrund der Vergabepraxis von Aktienoptionen in der Vergangenheit lasten auf dem Unternehmen. Mit der Bilanz für das zum 30. April beendete zweite Geschäftsjahresquartal signalisiert das neue Management um CEO Ben Feder Stärke. In den kommenden Monaten soll hart durchgegriffen werden, um die nötige Kurskorrektur rechtzeitig zu bewerkstelligen.
In der aktuellen Quartalsbilanz schlägt sich der Managementwechsel freilich noch nicht nieder. Bei einem Umsatzrückgang von 265,1 auf 205,4 Mio. US-Dollar erhöhte sich der Nettoverlust von 50,4 auf 51,2 Mio. US-Dollar. Für Take 2 Interactive bedeutet dies das inzwischen sechste Quartal in Folge in Rot. Der doch deutliche Umsatzrückgang wird mit fehlenden Blockbustern im Bilanzzeitraum erklärt. Wo im Vorjahr noch ein "The Elder Scrolls IV - Oblivion" für gut gefüllte Kassen sorgte, klaffte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein Loch. Entsprechend waren es die Kernmarken, die in den zurückliegenden drei Monaten den Unternehmensumsatz stützen mussten. Dank Titeln wie "Grand Theft Auto: Vice City Stories" und "Ghost Rider" wurde im Bereich PlayStation-2-Software ein Umsatzplus von 47,1 Prozent verzeichnet. Zeitgleich fiel der Umsatz mit Spielen für Xbox 360 und PC, den beiden "Oblivion"-Plattformen, um 59,5 respektive 54,6 Prozent. Auf dem falschen Fuß erwischt wurde Take 2 vom Wii-Erfrolg. Ein Fehler, der auch dem ausgewechselten Management um Ex-CEO Paul Eibeler zugerechnet wird. Keinen einzigen Titel veröffentlichte der Publisher bislang für den Konsolen-Senkrechtstartet, was mitverantwortlich für das schlechte Abschneiden im zweiten Quartal ist. Besserung ist aber in Sicht. Die ersten vier Wii-Entwicklungen sollen im Laufe des dritten und vierten Quartals auf den Markt kommen. Dann sollte sich auch die Gesamtsituation wieder verbessert haben, hält Take 2 doch am Q4-Erscheinungstermin des potenziellen Straßenfegers "Grand Theft Auto IV" fest.
Doch das Management will sich nicht auf die Markenstärke allein verlassen. Einsparungen stehen daher weit oben auf dem Aktionsplan. Ohne Zahlen zu nennen, sprach Feder von signifikanten Stellenstreichungen. Reuters zufolge sollen rund 200 der weltweit 2100 Angestellten gehen. Auch will sich das Unternehmen von Bereichen trennen, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Der Distributionsarm Jack of All Games steht so ebenso zur Disposition wie das Zubehörgeschäft mit Joytech. Sollten die Maßnahmen nicht schnell genug greifen, könnten weitere Schritte erforderlich sein, warnte das Unternehmen. Die Cash-Reserven von Take 2 sanken im zurückliegenden Quartal von 141,1 auf 108,5 Mio. Dollar. Sollten weitere Verluste anfallen, könnte dies zu Finanzierungslücken bei verschiedenen Großprojekten führen. Das Management spielt daher derzeit verschiedene Szenarien durch, wie sich über die Kapitalmärkte weitere Mittel erzielen lassen.