Eigene Virtual-Reality-Hardware ist wohl kein Thema mehr für Tencent. Der chinesische Konzern hat Pläne für VR-Hardware und entsprechende Software laut einem Medienbericht gestrichen. Hohe Investitionen, fehlende Software und eine neue Unternehmensstrategie werden unter anderem als Gründe angeführt.

Tencent hat die eigenen Pläne für Virtual-Reality-Hardware aufgegeben, dies berichtet Reuters basierend auf drei Quellen, die mit der Angelegenheit vertraut sein sollen. Demnach hatte der chinesische Riesenkonzern ehrgeizige Ziele für seine im Juni 2022 gegründete XR-Unit gehabt, in der fast 300 Personen an Hardware und Software arbeiteten. Zudem hatte es bereits Konzepte für einen VR-Controller gegeben. Ernüchternde wirtschaftliche Aussichten wie eine erwartete Rentabilität nicht vor 2027 und generell hohe Entwicklungskosten zur Realisierung eines wettbewerbsfähigen Produkts hätten zu diesem Entschluss geführt.

Eine Quelle meinte, dass die XR-Sparte nicht mehr in "die neue Strategie" des Unternehmens passen würde, während eine andere Quelle ergänzte, dass es ebenfalls "an vielversprechenden Spielen und Nicht-Gaming-Anwendungen" gemangelt habe. Die Quellen sagten, dass Tencent den meisten Mitarbeiter:innen im XR-Bereich geraten habe, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen und bestätigten damit einen Bericht des chinesischen Tech-Newsletters 36Kr. Tencent reagierte auf Nachfrage von Reuters und bestätigte "Anpassungen bei einigen Geschäftsteams", da sich die Hardware-Entwicklungspläne geändert hätten. Die XR-Unit soll aber nicht komplett aufgelöst werden. Das Interesse von Tencent am VR-Bereich soll 2021 durch den Erfolg der Quest-Headsets von Meta angeschoben worden sein - sowie durch technologische Fortschritte.

Apropos Hardware. Dem Bericht zufolge war Tencent daran interessiert, Black Shark zu übernehmen, ein chinesischer Gaming-Smartphone-Hersteller (eigenständiges Unternehmen, von Xiaomi gegründet), der seit einigen Monaten in finanziellen Schwierigkeiten ist. Black Shark sollte Hardware-Expertise und Vertriebswege mitbringen, auch für den XR-Bereich, aber die geplante Übernahme und die Freigabe eben dieser sollen zu aufwändig gewesen sein, erklärte eine der Quellen gegenüber Reuters. Tencent wollte die Black-Shark-Passagen des Berichts nicht kommentieren.

Im Reuters-Artikel wird ebenfalls hervorgehoben, dass 2022 eines der schwierigsten Jahre für Tencent seit der Gründung, 1998, war. Die Einnahmen wurden durch strenge Regulierung und Gegenwind durch Maßnahmen zur Covid-19-Eindämmung beeinträchtigt. Gründer Ma Huateng aka Pony Ma zeigte sich im Dezember 2022 auf der Jahresendversammlung frustriert und meinte, dass die leitenden Angestellten "nicht hart genug arbeiten" würden und sich das Unternehmen für das künftige Wachstum auf Kurzvideos konzentrieren müsse, wohl in direkter Anlehnung an TikTok von ByteDance, die mit Pico übrigens einen eigenen VR-Hersteller unter ihrem Dach haben, auch wenn dieses Unternehmen kürzlich Entlassungen angekündigt hatte.

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Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.