test.drive: Zauberhaftes Trio
In diesem Frühsommer erlebt Zauberlehrling Harry Potter sein drittes Leinwandabenteuer. Zeitgleich läutet Electronic Arts das neue Schuljahr im digitalen Hogwarts ein - auf allen aktuellen Systemen und mit jeweils besonderen Features.
Während der letzte Teil des "Herr der Ringe"-Epos rechtzeitig zu Weihnachten 2003 über die Leinwand flimmerte, verpasste Harry Potters dritter Kinoauftritt die umsatzträchtige Jahresendsaison. Die Inhaber der Videospiellizenz lösten dieses Terminproblem elegant: Electronic Arts veröffentlichte zum Fest einfach eine Next-Generation-Neuauflage von "Harry Potter und der Stein der Weisen" - dem ersten Buch respektive Film rund um den milchgesichtigen Adepten. Am 3. Juni kommt nun der dritte Potter ins Kino, und bis auf GameCube-Fans (die noch zwei Wochen warten müssen) dürfen deutsche Videospieler noch am selben Tag in Harrys Schuluniform schlüpfen. Doch nicht nur das: Bei "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" dreht sich nicht allein die Story um die Dreierbande aus Harry Potter und seinen besten Freunden Ron und Hermine - auch im Spiel wird ein Großteil der Abenteuer als Trio bestanden.
Bei den Wanderungen durch Hogwarts und die umliegenden Ländereien steuert der Spieler jeweils einen der drei Kumpane, die anderen beiden agieren selbständig. Über Knopfdruck wird das Alter Ego gewechselt, und das meist aus gutem Grund: Die drei Charaktere besitzen jeweils eine Spezialeigenschaft, ohne die an vielen Stellen kein Weiterkommen wäre. Harry hüpft wagemutig von Plattform zu Plattform, Ron entdeckt mit seinem sechsten Sinn Geheimtüren und Hermine schlüpft dank biegsamer Knochen und magerer Gestalt durch enge Spalten. Zaubern können alle drei, allerdings sind einige Sprüche auf eine bestimmte Figur beschränkt. Manche Situation muss gar von den drei Freunden gleichzeitig gelöst werden: Wenn der Spieler z. B. einen schweren Eisenkessel nicht alleine auf einen Bodenschalter hieven kann, dann ruft er einfach mittels Knopfdruck seine beiden Kameraden zur tatkräftigen Unterstützung herbei.
Die grafisch einwandfreie Mixtur aus 3D-Jump'n'Run und Action-Adventure zeichnet detailreich und atmosphärisch die Geschichte der dritten Potter-Episode nach: Harrys Erzfeind Sirius Black ist aus dem Magiergefängnis Askaban geflohen und stellt nun dem Zauberlehrling nach. Während der Spieler sich im Schulalltag durch rätselhaltige Geschicklichkeitspassagen Sprüche und Tränke (bzw. deren Zutaten) verdient sowie Hauspunkte, Bildkarten und Geleebohnen sammelt, steuert die Geschichte unaufhaltsam ihrem großen Finale am Seeufer zu. Doch selbst nach der letzten Klappe und etlichen Stunden im Polygon-Hogwarts darf die DVD im Laufwerk bleiben: Diverse Minigames werden im Lauf des Abenteuers freigespielt, auf der PS2 sind zusätzlich ein halbes Dutzend einfacher EyeToy-Spielchen geboten. Nintendo-Fans freuen sich außerdem über eine GBA-Linkoption bei der GameCube-Variante.
Fazit: Electronic Arts bietet mit "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" eine Filmumsetzung ohne Fehl und Tadel - technisch, inhaltlich und spielerisch. Wer der Rowling-Figur auch nur ein bisschen etwas abgewinnen kann, wird Gefallen an diesem Titel finden. Wie der Film ein heißer Kandidat für den Sommerhit 2004.