„The Last of Us“ von HBO
Die Vorfreude hätte kaum größer sein können: Mit der Serienadaption des sensationell erfolgreichen Videogames „The Last of Us“ gelingt HBO wieder ein großer Wurf - ab 16. Januar ist sie in Deutschland bei Sky zu sehen. Die beste Adaption eines Games bisher? Lesen Sie unsere Besprechung.
Die Vorfreude hätte kaum größer sein können: Mit der Serienadaption des sensationell erfolgreichen Videogames „The Last of Us“ mit Pedro Pascal und Bella Ramsey in den Hauptrollen gelingt HBO wieder ein großer Wurf - ab 16. Januar ist sie in Deutschland bei Sky zu sehen. Die beste Adaption eines Games bisher? Lesen Sie unsere Besprechung.
Aktuell herrscht ein gewisses Maß an Überfluss an Filmen und Shows, die eine von Viren, Krankheiten, Katastrophen oder Ahnlichem dahingeraffte Welt als Prämisse für Geschichten über den Selbsterhaltungstrieb und den Triumph über das vermeintliche Ende erzählen. Das betrifft jüngst vor allem „Station Eleven“, aber auch Titel wie „Yellowjackets“ oder „Finch“ haben sich unlängst auf jeweils ganz eigene Weise der Survivalthematik angenommen. Was ein Grund sein mag, warum man bei „The Last of Us“ nicht gleich mit der großen Lust zusieht, die es eine große Signature-Show von HBO vielleicht verdient hätte: 100 Mio. Dollar soll der Sender für die acht Folgen locker gemacht haben, in den Hauptrollen besetzt mit Pedro Pascal, endlich einmal wieder ohne den blöden „Mandalorian“-Helm, der sein kantiges Gesicht in der „Star Wars“-Serie konsequent bedeckt, und der aus „Game of Thrones“ bekannten Bella Ramsey, die mit ihren ungewöhnlichen Zügen gleich Aufmerksamkeit auf sich lenkt.
Weil man gleich in der ersten Folge auffällige Parallelen mit „Station Eleven“ entdeckt, wo in der ersten Folge auch der Einzug einer fast alles Menschenleben auslöschenden Pandemie thematisiert wurde und man als einen der großen Aha-Momente ein Passagierflugzeug aus dem Himmel regnen ließ, reagiert man erst einmal zurückhaltend. Die Serie muss sich die Begeisterung erst einmal erarbeiten. Und das tut sie. Denn die Showrunner Neil Druckman und Craig Mazin nehmen sich nur die nötige Zeit, um ihre Saga, basierend auf dem sensationell erfolgreichen Videogame aus dem Hause Naughty Dog, richtig zu etablieren. Sie holen einfach nur Luft. Was nach einem abrupten Sprung um 20 Jahre beginnt wie eine Kreuzung aus „The Road“ und „The Walking Dead“, immer kompetent, immer spannend, entwickelt sich schon bald zu einem Stoff, der sein eigentliches Spannungsszenario transzendiert, ohne es jemals aus den Augen zu verlieren: Weniger um das Überleben selbst geht es, wenn der erfahrene, mit emotionalen Narben übersäte Überlebenskrieger Joel sich widerwillig des Mädchens Ellie annimmt, das als erster Mensch zwar von einem aggressiven Pilz befallen wurde, der die Zivilisation zwei Jahrzehnte davor in die Knie zwang, aber nicht gestorben ist, und sie quer durchs Land zu Wissenschaftlern bringen will, während er nach seinem verschollenen Bruder sucht.
Warum man überleben will, wofür es sich zu Kämpfen lohnt, was uns zu Menschen macht, das rückt immer stärker in den Mittelpunkt der Show, für die unter anderem so namhafte, wie eigenwillige Regisseure wie Jamila Zbanic und Ali Abbasi gewonnen werden konnten. Die Serie erlaubt sich Auszeiten, holt bisweilen weiter aus, als man das gemeinhin gewohnt wäre. Und vertieft mit jedem neuen Umweg das Thema und verstärkt das Narrativ. In der dritten Folge beispielsweise geht es ohne Vorankündigung um zwei völlig neue Figuren in einem ganz anderen Setting, wunderbar gespielt von Nick Offerman und Murray Bartlett, und erst ganz am Ende der Episode offenbart sich der Zusammenhang mit der bisherigen Erzählung. Spätestens dann fällt der Groschen. „The Last of Us“ mag nicht weniger unerbittlich sein wie ein „Game of Thrones“, und es wird gestorben, dass es eine Art hat, auch Sympathieträger bleiben nicht verschont, mit denen man gerne einen längeren Weg gegangen wäre. Aber im Kern steckt da ein ganz zärtlicher Blick auf die fragile Blüte Mensch, den kein Pilz, keine Pandemie und kein Krieg beschädigen oder auslöschen kann. Eventfernsehen. In jeder Beziehung.