UK-Wettbewerbsbehörde lehnt Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft ab
Ein Rückschlag für Microsoft. Die Wettbewerbsbehörde aus Großbritannien hat sich gegen die Übernahme von Activision Blizzard ausgesprochen. Der 68,7 Milliarden Dollar Deal würde zu große Auswirkungen auf den wachsenden Cloud-Gaming-Markt haben. Microsoft und Activision Blizzard wollen Berufung einlegen.
Die Wettbewerbsbehörde des Vereinigten Königreichs (Competition and Markets Authority, CMA) hat sich gegen die geplante Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft ausgesprochen. Hauptgrund für diese Entscheidung ist der Cloud-Gaming-Markt, obgleich Microsoft in den letzten Monaten gleich mehrere Zehn-Jahres-Deals mit Nintendo, Ubitus und Nvidia GeForce Now angekündigt hatte, um die Verfügbarkeit der eigenen Spiele und der Games von Activision Blizzard zu steigern.
Die CMA hebt hervor, dass der britische Cloud-Gaming-Markt schnell wachsen würde und sich die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer:innen im Vereinigten Königreich von Anfang 2021 bis Ende 2022 mehr als verdreifacht hätte. "Prognosen zufolge wird er bis 2026 weltweit bis zu elf Milliarden Pfund und im Vereinigten Königreich eine Milliarde Pfund wert sein", heißt es weiter. Microsoft wird eine starke Position bei Cloud-Gaming-Diensten bescheinigt, mit einem geschätzten Anteil von 60 bis 70 Prozent. Hinzukommen weitere Vorteile durch die Verbreitung des Betriebssystems Windows und die Server-Infrastruktur. "Die der CMA vorliegenden Beweise zeigten, dass es für Microsoft wirtschaftlich vorteilhaft wäre, die Spiele von Activision exklusiv für seinen eigenen Cloud-Gaming-Dienst anzubieten", ist der CMA-Pressemitteilung zu entnehmen. Die Übernahme würde den Marktvorteil im Cloud-Segment von Microsoft weiter ausbauen, da wichtige Games wie "Call of Duty", "Overwatch" und "World of Warcraft" unter die Kontrolle fallen würden. Außerdem würde es Hinweise geben, dass Activision ohne den Zusammenschluss mit Microsoft in absehbarer Zeit damit beginnen würde, die eigenen Games über Cloud-Plattformen anzubieten. "Würde man Microsoft erlauben, eine so starke Position auf dem Cloud-Gaming-Markt einzunehmen, während dieser gerade dabei ist, schnell zu wachsen, würde man riskieren, die Innovation zu untergraben, die für die Entwicklung dieses Geschäftsfelds entscheidend ist", heißt es. Auch die gemachten Zusicherungen von Microsoft werden als nicht ausreichend betrachtet. Sie werden unter anderem als nicht offen genug, nicht wettbewerbsförderlich und nicht ausreichend für verschiedene Cloud-Geschäftsmodelle bewertet.
Martin Coleman, Vorsitzender des CMA-Expertengremiums, das diese Untersuchung durchführt, erklärt, dass sie den Wettbewerb auf diesem aufstrebenden Markt schützen müssten: "Microsoft genießt bereits eine starke Position und einen Vorsprung gegenüber anderen Wettbewerbern im Bereich Cloud-Gaming, und dieser Deal würde diesen Vorsprung noch verstärken und dem Unternehmen die Möglichkeit geben, neue und innovative Wettbewerber zu untergraben. Microsoft hat sich konstruktiv mit uns auseinandergesetzt, um diese Fragen zu klären, wofür wir dankbar sind, aber ihre Vorschläge waren nicht geeignet, unsere Bedenken auszuräumen, und sie hätten den Wettbewerb durch eine unwirksame Regulierung in einem neuen und dynamischen Markt verdrängt. Cloud-Gaming braucht einen freien, wettbewerbsfähigen Markt, um Innovation und Auswahl zu fördern."
Microsoft und Activision Blizzard werden Berufung gegen die Entscheidung einlegen, was den Übernahmeprozess weiter in die Länge ziehen wird. Brad Smith, Präsident von Microsoft: "Wir halten an dieser Übernahme fest und werden Berufung einlegen. Die Entscheidung der CMA weist einen pragmatischen Weg zurück, um Wettbewerbsbedenken auszuräumen und verhindert technologische Innovationen und Investitionen im Vereinigten Königreich." Er ergänzt, dass diese CMA-Entscheidung ein "mangelhaftes Verständnis" des Marktes und der Funktionsweise der relevanten Cloud-Technologie widerspiegeln würde.
Bobby Kotick, CEO von Activision Blizzard, meldete sich ebenfalls zu Wort und sagte, dass "noch lange nicht das letzte Wort gesprochen" und der Deal "gut für den Wettbewerb" sei. "Wir sind zuversichtlich, weil die Fakten auf unserer Seite stehen: Dieses Geschäft ist gut für den Wettbewerb", meint er. "Das Vereinigte Königreich hofft, seine Führungsposition im Technologiebereich auszubauen und ein Zusammenschluss von Microsoft und Activision würde genau das bewirken. (...) Sollte die Entscheidung der CMA hingegen Bestand haben, würde sie Investitionen, Wettbewerb und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der gesamten britischen Spieleindustrie behindern." Auch er beklagte fehlendes Verständnis der Wettbewerbsdynamik seitens der Regulierungsbehörde.
Die Entscheidung über die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft von den Wettbewerbsbehörden in den USA und in Europa [im Mai] steht noch aus. In Japan, Brasilien und Saudi-Arabien ist die Übernahme freigegeben worden.