Google wird laut Reuters vorgeworfen, anderen Unternehmen Millionenbeträge gezahlt zu haben, um sie daran zu hindern, konkurrierende App-Stores zu eröffnen. Namentlich genannt werden Activision Blizzard, Riot Games, Nintendo und Ubisoft. Google weißt die Anschuldigungen aus der Klageschrift zurück, auch Activision bestreitet die Vorwürfe.

Update vom 21. November 2022:

Activision Blizzard hat die Vorwürfe, die Epic Games in der Klageschrift erhob, gegenüber GI.biz bestritten. Ein:e Sprecher:in erklärte, dass beide Unternehmen niemals eine Vereinbarung getroffen hätten, die einen "eigenen App-Store" von Activision verhindert hätte. "Google hat uns nie gefragt, unter Druck gesetzt oder uns gezwungen, nicht mit Google Play zu konkurrieren - und wir haben dem Gericht Dokumente und Zeugenaussagen vorgelegt, die dies beweisen. Die Behauptungen von Epic sind Unsinn", heißt es in der Stellungnahme.

Ursprüngliche Meldung vom 18. November 2022:

Google soll mindestens 24 Vereinbarungen mit Dev-Studios und Publishern getroffen haben, um sie daran zu hindern, eigene Stores auf Android zu launchen. Dieser Vorwurf ist einem Bericht des Nachrichtendienstes Reuters zu entnehmen, der auf einer neuen und ungekürzten Kopie einer Klageschrift basiert, die Epic Games erstmals 2020 gegen Google eingereicht hatte. In dem Dokument, das von Reuters eingesehen werden konnte, werden dem Suchmaschinenriesen wettbewerbswidrige Praktiken vorgeworfen. Gemäß der Angaben soll Google über einen Zeitraum von drei Jahren rund 360 Millionen Dollar an Activision Blizzard gezahlt haben, damit sie keinen eigenen Store auf Android eröffnen und keine Konkurrenz für den Play Store von Google schaffen würden. Etwa 30 Millionen Dollar sollen an Tencent geflossen sein, damit auch Riot Games ähnliche Pläne aufgibt.

Diese Vereinbarungen mit externen Unternehmen sollen Teil einer Google-internen Bemühung sein, die "Project Hug" heißt und bereits in früheren Versionen der Klage beschrieben wurde, jedoch ohne konkrete Details. Die Vereinbarung umfasste auch Zahlungen für die Veröffentlichung von Videos auf YouTube und Gutschriften für Google-Anzeigen und Cloud-Dienste. Google soll die Initiative 2020 gestartet haben, kurz nachdem bekannt wurde, dass Activision Blizzard die Einführung eines eigenen App-Stores in Erwägung ziehen würde.

In der von Epic Games eingereichten Klage wird behauptet, dass Google wusste, dass Activision Blizzard durch "Project Hug" die eigenen Pläne "zur Einführung eines konkurrierenden App-Stores aufgeben würde". Google rechnete wohl mit Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe, wenn Entwickler:innen auf alternative Systeme ausweichen würden, während Epic Games argumentiert, dass diese Vereinbarung die Preise erhöhen und die Qualität der Dienste senken würden. Zu den anderen Unternehmen, die solch eine Vereinbarung mit Google unterzeichnet hätten, gehören laut den Unterlagen auch Nintendo und Ubisoft sowie die Betreiber der Meditations-App "Calm" und der Bildungs-App "Age of Learning". Ursprünglich hatte Epic eine Klage gegen Google eingereicht, nachdem "Fortnite" aus dem Play Store entfernt wurde, weil Epic die Zahlungsabwicklung auf ein eigenes System umgestellt hatte, wodurch virtuelle Währung direkt vom Dev-Team gekauft werden konnte und der Google-Anteil umgangen wurde.

Google wiederum bezeichnet die Klage als unbegründet und kritisiert Falschdarstellungen. Der Suchmaschinengigant erklärte, dass Vereinbarungen, die Entwickler:innen zufriedenstellen, einen gesunden Wettbewerb widerspiegeln würden. Riot möchte die Details aus der Klage erst genau prüfen. Activision reagierte nicht auf Anfragen des Nachrichtendienstes zur Stellungnahme.

Marcel Kleffmann

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Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.