US-Gamesindustrie setzt neue Bestmarken
Die US-Videospielbranche erzielte im Jahr 2002 einen neuen Rekordumsatz. Mit 10,3 Mrd. Dollar wurde das bisherige Höchstergebnis aus dem Jahr 2001 nochmal um zehn Prozent getoppt. Aber nicht alles ist eitel Sonnenschein, was glänzt. Der Preiskampf forderte seinen Tribut beim Hardwareumsatz, und die PC-Spiele verlieren weiter an Boden.
Nach Berichten der NPD Group hat die US-Videospielindustrie im vergangenen Jahr einen neuen Rekordumsatz von 10,3 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Das bisherige Rekordergebnis, resultierend aus dem Jahr 2001 mit 9,4 Mrd. Dollar, wurde nochmal um zehn Prozent überboten. Das Gesamtergebnis umfasst die Segmente Videospielsoftware sowie Konsolenhardware und -zubehör. Laut Branchenverband Interactive DigitalSoftware Association (IDSA) belief sich der Umsatz, nur auf Basis Konsolensoftware gerechnet, auf 5,5 Mrd. Dollar. Gegenüber 2001 ein Plus von 21 Prozent, wobei der Stückabsatz um 15 Prozent nach oben kletterte. Das deutliche Softwareplus ist laut NPD Group nicht zuletzt dem herausragenden Erfolg von Einzeltiteln zu verdanken.
Umsatzrekord trotz Preiskrieg
Dazu zählt vor allem das PlayStation-2-Spiel "GTA - Grand Theft Auto: Vice City" von Take 2 Interactive, das auch deutlich die Jahrescharts der bestverkauften Videospiele 2002 vor "GTA 3 - Grand Theft Auto 3" anführt. Starke Umsatzzuwächse verzeichneten die Spielepublisher auch mit Onlinespielen. Im Zeitraum August bis Dezember 2002 stieg ihr Umsatzanteil auf 15 Prozent. Hintergrund ist der Start der Onlinedienste von PlayStation 2 und Xbox. Die PC-Unterhaltungssoftware, Edutainment und PC-Games umfassend, kam auf 1,4 Mrd. Dollar Umsatz. Im Vergleich zum Vorjahr ein weiterer Rückschlag für die Branche; der Umsatz sank um 350.000 Dollar. Für IDSA-Präsident Doug Lowenstein spiegeln diese Zahlen auch einen der wichtigsten Branchentrends des vergangenen Jahres wider: Konsolen gewinnen, PC verliert an Bedeutung.
Der Gesamtmarkt PC-Software, also inklusive Anwendungssoftware, verzeichnet hingegen mit einem Umsatz von 5,7 Mrd. Dollar ein leichtes Plus von 3,1 Prozent. Der meistverkaufte Titel ist die Finanzsoftware "TurboTax 2001 Deluxe" von Intuit. Das beste PC-Spiel ist das Erweiterungspack "Die Sims: Urlaub total" von Electronic Arts. Neben den Umsatzzahlen legte die IDSA auch Daten zu den vergebenen Alterskennzeichnungen des Entertainment Software Rating Board (ESRB) vor. 55,7 Prozent aller getesteten Titel erhielten demnach 2002 ein "E" für "Everyone", 27,6 Prozent ein "T" für "Teens" und 13,2 Prozent ein "M" für "Mature". Der Anteil an Spielen mit der Alterseinstufung "Teen" und "Mature" nahm damit im Vergleich zum Vorjahr weiter zu. Die Genreanalyse ergab, dass Actiontitel in der Gunst der US-Konsolenspieler an oberster Stelle standen. Es folgen Sport- und Rennspiele. PC-Spieler kauften vor allem Strategiegames. Auf Rang zwei platzierten sich Kinderspiele, gefolgt von Shootern.
Wermutstropfen für die Konsolenhersteller ist ein Umsatzrückgang im Bereich der Konsolenhardware. Ein Minus von vier Prozent lässt den Umsatz von 3,7 Mrd. 2001 auf 3,5 Mrd. Dollar 2002 sinken. Zurückzuführen sei dies vor allem auf den hart ausgefochtenen Preiskampf im Handel. Der Absatz ist dank Preisreduzierung und "Bundlemania" hingegen um zehn Prozent gestiegen. Die Preise für Game Boy Advance, GameCube, Xbox und PlayStation 2 fielen im Jahresverlauf jeweils um fast zwei Drittel ihres Originalpreises, resümiert die NPD Group. Der Bereich Zubehör und Peripherie generierte ein Umsatzplus von neun Prozent. Stärkster Umsatzmotor seien DVD-Fernbedienungen und Internetadapter gewesen, die im Zeitraum August bis Dezember 2002 einen Umsatzanteil von 18 Prozent für sich verbuchen konnten. "2003 kann die Videospielindustrie im Bereich Zubehör davon ausgehen, dass der Absatz weitaus höher als der Umsatz ausfallen wird", sagt Richard Ow, Senior Account Executive der NPD Group.
Mit den vorliegenden Resultaten stärkt die USA ihre Position als absatz- und umsatzstärkster Markt für die Unterhaltungssoftwareindustrie. Mit dem Gesamtumsatz von umgerechnet rund 9,5 Mrd. Euro in den Segmenten Videospielsoftware, Konsolenhardware und -zubehör liegen die Vereinigten Staaten vor Japan an erster Stelle. Japan generierte 2001 einen Jahresumsatz von umgerechnet rund 7,8 Mrd. Euro. Die aktuellen Daten des japanischen Branchenverbands CESA stehen für 2002 noch aus. Großbritannien belegt mit umgerechnet rund 3,2 Mrd. Euro Jahresumsatz (inklusive PC-Games) weiterhin den dritten Rang. An der Vormachtstellung der USA wird sich wohl so schnell auch nichts ändern. Laut einer von der IDSA in Auftrag gegebenen Studie des Marktforschungsinstituts KRC Research wollen sich 41 Prozent aller US-Amerikaner 2003 mindestens ein Computer- oder Videospiel zulegen.