Microsoft hat den US-Start der Xbox um eine Woche verschoben. Statt am 8. November kommt die Konsole erst am 15. November in den Handel. Genau begründet hat Microsoft diese Entscheidung bis dato nicht. Als wahrscheinlich gelten Terminprobleme bei der Produktion im mexikanischen Flextronic-Werk in Guadalajara. Nutznießer könnten jetzt Sony Computer Entertainment und Nintendo werden.

Die Fertigung der Xbox startete laut Microsoft in der vorvergangenen Woche, die volle Kapazitätsauslastung des von Flextronic betriebenen Werks in Mexiko sei bis letzte Woche allerdings noch nicht erreicht worden. Über die Day-One-Shipments will man sich deshalb weiterhin nicht äußern. Die ursprünglich vom Chief Xbox Officer Robbie Bach prognostizierten 600.000 bis 800.000 Konsolen hat sich der Handel bereits vor der Verzugsmeldung abgeschminkt. Nach der Meinung der meisten Analysten und Branchenkenner wird es Microsoft nur mit rund 300.000 Units zum Street Day in den US-Handel schaffen. Als Trostpflaster garantiert Microsoft den Händlern allerdings eine Nachlieferung von 100.000 Konsolen pro Woche. So können die eins bis 1,5 Mio. Units bis Jahresende laut dem Redmonder Konzern als - wenn auch einzige - feste Zusage angesehen werden. "Markiert den 15. November schon mal mit einem großen 'X'. Die Konsole ist es wert, dass man auf sie wartet", zeigte sich Bach zuversichtlich.

Eine entscheidende, wenn auch tragische, Rolle bei der Terminverschiebung hätten die schrecklichen Ereignisse in New York, Washington und nahe Pittsburgh gespielt. Durch die zeitweise Unterbindung jeglichen privaten und kommerziellen Luftverkehrs seien Anlieferungspläne elektronischer Komponenten durcheinander geraten, vermutet beispielsweise das New Yorker Analystenteam der Envisioneering Group. "Microsoft hat dadurch vier Tage verloren. Vier Tage, die nun eine Woche für den Handel bedeuten", heißt es seitens der Marktforscher. Viel hält John O'Rourke, Director of Xbox Sales & Marketing, von solchen Analysen allerdings nicht. O'Rourke reiht sich zwar in den "No Comment"-Reigen seiner Kollegen ein, gab aber gegenüber der "Washington Times" doch zu verstehen, dass die Ereignisse vom 11. September und die daraus resultierende Rezession der US-Wirtschaft nur wenig mit der Releaseverschiebung zu tun hätten. "Wir haben die Gesamtsituation überdacht, und irgendwann hat einer gesagt: 'Wisst ihr, der 15. November wäre ein guter Tag.' Und das war's dann."

Microsoft gab zudem bekannt, dass das geplante Spiele-Line-up nunmehr 15 bis 20 Games zum Start umfassen wird. Unter den Third Partys finden sich so renommierte Namen wie Electronic Arts, Sega, THQ, Tecmo, Infogrames, Activision, Eidos oder Konami. Microsoft selbst wird unter dem Xbox-Label zahlreiche Games zum Launch anbieten: Der "eingekaufte" MS-Developer-Pool liefert unter anderem die Titel "Halo", "Oddworld: Munch's Odysee" und "NFL Fever 2002". Bis zum Ende der Weihnachtsferien in den USA sollen rund 30 Spiele im Handel erhältlich sein.

"Der Erfolg einer Konsole hängt von der Kundenakzeptanz und von einem Portfolio guter Spiele ab, nicht von einem bestimmten Erscheinungstermin oder der Erstlieferungsmenge", unterstützte Jeffrey Griffiths, CEO Electronics Boutique, die Entscheidung Microsofts. Auch andere Handelspartner wie Toys'R'Us, Barnes & Noble oder Wal-Mart zeigten sich eher gelassen wegen der verlorenen Woche. Peter Moore, President und COO von Xbox-Spielelieferant Sega of America, äußerte sich in einem Nachsatz da schon etwas süffisanter: "Microsoft muss jetzt feststellen, dass der Weg zum Erfolg eher einem Marathon als einem Sprint gleicht."

Nintendo dürfte die Releaseverschiebung auf jeden Fall zupass kommen. Musste Nintendo of America Ende August den eigenen US-GameCube-Launch vom 5. auf den 18. November verschieben, ist nun der einstige Dreitageabstand (wenn auch in umgekehrter Reihenfolge) wieder hergestellt; die Xbox muss sich jetzt in der so immens wichtigen Releasephase den Regalplatz wieder mit Nintendos Konsole teilen. Nicht verwundern darf es deshalb, dass der N64-Nachfolger wieder mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit des Handels rückt. Wie Peter Main, Executive Vice President Sales & Marketing von Nintendo of America, sagte, sind Major Retailer bereits mit der Bitte vorstellig geworden, die Releasemenge des GameCube zu erhöhen. Man wolle so einem möglichen Engpass an Xbox-Units wieder ausgleichen. Derzeit plant Nintendo mit rund 700.000 Units an den Start zu gehen, aber Main verspricht: "Ich werde jetzt um jeden zusätzlichen GameCube kämpfen."

Auch Sony Computer Entertainment (America) könnte von der neuen Ausgangslage profitieren. Pluspunkte für SCEA sind die bereits installierte Basis, das erstmals wirklich starke, zusammenhängende Software-Line-Up in den Monaten November und Dezember sowie ganz besonders die Preissenkung für PlayStation 2. Das SCEA bei der Markteinführung seiner Next-Generation-Konsole im Oktober letzten Jahres mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte wie jetzt Microsoft, dürfte damit endgültig vergessen sein.

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